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13. Januar 2012, 12. Jahrgang, Ausgabe 2 Ausgabe: Nr. 2 » January 13, 2012
RUNDE 15

Punktsieg für Romney

January 17, 2012
In der gestrigen Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten hat Spitzenreiter Mitt Romney keinen Schaden davon getragen.
Trug keinen Schaden davon: Mitt Romney

Nach dem Ausscheiden von Jon Huntsman waren es nurmehr fünf Herren in schwarzen Anzügen, die letzte Nacht in Myrtle Beach, South Carolina, bei der 15. Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten aufeinander trafen. Dabei machte sich Reduzierung der Runde und die lange Übung der Disputanten – zumindest was den reinen Unterhaltungswert angeht – positiv bemerkbar: Die Kandidaten reagierten energisch und pointiert auf die harten, von konservativen Journalisten des «Wall Street Journal» und «Fox News» gestellten Fragen. Doch dieses Ritual mutet weiterhin wie ein Wettstreit um die radikalsten Positionen am rechten Rand des politischen Spektrums an.

Den bestimmenden Trend dieser Vorwahlen vermochte die Veranstaltung nicht zu brechen: Newt Gingrich und die beiden Ricks – Perry und Santorum – konnten dem Spitzenreiter Mitt Romney trotz kraftvoller Versuche keinen ernsthaften Schaden zufügen. Es gelang ihnen auch nicht, sich klar voneinander abzuheben. Obwohl Perry allen Umfragen zufolge keine Chancen auf die Nominierung mehr hat, schlug sich selbst der texanische Gouverneur hier nach zahlreichen schwachen Auftritten gut. Damit scheint Romneys Vormarsch fünf Tage vor dem für die Nominierung vermutlich entscheidenden Stimmgang in South Carolina ungebrochen.

Lange bemüht und übervorsichtig, wirkte Romney daher inzwischen selbstsicher und mitunter fast übermütig, obwohl ihn gerade Gingrich mehrfach hart wegen seines «Super PACs» anging. Die nominell von den Kampagnen unabhängigen «politischen Aktionskomitees» prägen diesen Wahlkampf, indem sie finanziell potenten Kandidaten – bei den Republikanern ist dies Romney – erlauben, allein gegenüber dem politischen Gegner – also Barack Obama – kritisch zu sein. Die PACs erledigen derweil mit brutalen und unwahren Attacken auf die Konkurrenten im eigenen Lager die effektive Schmutzarbeit. Romney hat die darauf zielenden Vorwürfe in Myrtle Beach scheinheilig abgewiesen und erklärt, er lehne die PACs ab und habe auf das seine keinen Einfluss. Das ist natürlich ein Scherz. Aber da auch Gingrich nun einen von dem Casino-Tycoon Sheldon Adelson finanzierten PAC gegen Romneys Vergangenheit als Investmentbanker hetzen lässt, klang seine Klage über dieses doppelgleisige Wahlkampfmodell etwas heuchlerisch.

Immer spannender wird jedoch die Rolle des isolationistischen Ron Paul, der gemeinhin als chancenloser Aussenseiter gehandelt wird. Paul kam diesmal ins Schwimmen, als er seine Kritik an der Liquidierung Osama bin Ladins verteidigen musste. Doch dies brachte ihn nicht von seinem raffinierten Spiel ab, Gingrich und die Ricks zu attackieren, während er Romney ignoriert. So hat Paul auch in South Carolina gute Chancen auf den Platz hinter Romney, während er die drei Konservativen aus dem Rennen wirft. Allem Anschein nach will Paul dieses Spiel bis zum Wahlparteitag der Republikaner fortsetzen, um sich dort Gehör und Einfluss zu verschaffen. Etliche Beobachter vermuten bereits, dass er damit ein Sprungbrett für seinen Sohn Rand Paul schaffen will. Der sitzt seit 2010 als Senator von Kentucky im Kongress und könnte – zumal nach einem Scheitern Romneys gegen Obama im November – durchaus mit einer Kandidatur im Jahr 2016 spielen. [AM]


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