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13. Januar 2012, 12. Jahrgang, Ausgabe 2 Ausgabe: Nr. 2 » January 13, 2012

Kurswechsel 
mit Nebengeräuschen

Von Valerie Wendenburg, January 13, 2012

Seit August steht das Basler Alters- und Pflegeheim Holbeinhof unter der neuen Führung von Abraham J. Guggenheim. Der neue Führungsstil sorgt innerhalb und ausserhalb des Holbeinhofs für Diskussionen.
DER HOLBEINHOF IN BASEL Hinter der Fassade weht neu ein rauerer Wind

Führungswechsel sorgen oft für Unruhe. So auch beim Holbeinhof, der bis Ende Juli von Ruedi Hoffmann geführt wurde. Dass die neue Leitung auch einen neuen Führungsstil eingeführt hat, sorgt vielerorts für Unmut.
Der Ausspruch, dass im Holbeinhof nun «mit einem eisernen Besen gefegt werde», ist nur einer von vielen, den Menschen, die Verwandte oder Angehörige in dem Alters-und Pflegeheim haben, und die nicht beim Namen genannt werden möchten, äussern. «Eisig» sei die Stimmung im Haus und das Personal habe Angst, die Arbeitsstelle zu verlieren, nachdem bereits zwei Kündigungen ausgesprochen worden sind (vgl. tachles 45/11). Eine Angestellte des Holbeinhofs sagte auf Nachfrage gegenüber tachles, Mobbing sei an der Tagesordnung, sie werde sich aber niemals öffentlich äussern, da auch sie grosse Angst vor der eigenen Kündigung habe. Insgesamt ist auffällig, dass die meisten von tachles befragten Menschen sich lieber gar nicht äussern möchten – und wenn doch, dann nur anonym.



Neue Methoden

In der Kritik stehen auch die neuen Zahlungsmodalitäten, die offenbar eingeführt wurden. So erzählt die Tochter einer Heimbewohnerin, dass sie bereits zehn Tage nach Erhalt der Rechnung gemahnt worden sei: «So etwas ist früher nie vorgekommen. Wir hatten in den letzten Jahren nie Probleme mir der Bezahlung der Heimmiete.» Wie der Leiter des Zentrums für Jüdische Studien, Alfred Bodenheimer, in seinem Leserbrief beschrieben hat (vgl. tachles 46/11), herrscht auch gegenüber langjährigen, externen Kunden des Restaurants bei der Abrechnung eine «kundenfeindliche und misstrauische» Atmosphäre, die «wenig Gutes» erahnen lasse. Auch im persönlichen Umgang sei die Atmosphäre rauer geworden, erzählt die Angehörige einer Heimbewohnerin. So sei der frühere Leiter Ruedi Hoffmann stets in Kontakt mit den Bewohnern gewesen, Abraham J. Guggenheim hingegen würde die betagten Mieter der Institution kaum noch begrüssen.

Wirtschaftliche Massnahmen

Der Holbeinhof wird paritätisch von der Bürgergemeinde der Stadt Basel, dem Bürgerspital Basel und dem Verein Jüdisches Heim La Charmille getragen. Jüdische und nicht jüdische Menschen leben hier zusammen unter einem Dach. Seit Aufnahme des Betriebes des Holbeinhofs vor mehr als zehn Jahren hat der Verein Jüdisches Heim La Charmille der Stiftung Holbeinhof eine Defizitgarantie gewährt, um, so Andreas Waldmann, Präsident des Jüdischen Heims La Charmille und Vizepräsident der Stiftung Holbeinhof, «die sogenannten jüdischen Mehrkosten gegenüber einem nicht koscher kochenden Heim abzudecken und andererseits um für alle Bewohnerinnen und Bewohner einen hohen Standard zu ermöglichen respektive zu gewährleisten». Auf die Frage nach der aktuellen wirtschaftlichen Situation des Holbeinshofs antwortet Waldmann: «Die wirtschaftliche Situation des Holbeinhofs ist seit Anbeginn unverändert.» Das Defizit von 638 963 Franken sowie das negative Ergebnis des Restaurants im Holbeinhof von minus 12 225 Franken im Jahr 2010 werden nicht als Grund für den spürbaren Kurswechsel innerhalb der Institution genannt. Der Stiftungsrat, der gemäss eigenen Aussagen hinter Guggenheim steht, ist über die Kündigungen und deren Begründung informiert gewesen. Waldmann betont: «Der Stiftungsrat hat keine Veranlassung, die ausgesprochenen Kündigungen zu kritisieren.» Abraham J. Guggenheim möchte sich gegenüber tachles gar nicht äussern, er verweist vielmehr an den Präsident der Stiftung Holbeinhof, Thomas Riedtmann. Dieser betont, er habe den Ausführungen Waldmanns seinerseits nichts hinzuzufügen, über weitergehende Fragen zum Holbeinhof könne man aber gerne in Zukunft ein ausführliches Gespräch führen. Auch beim Bürgerspital Basel erhält tachles keinerlei Auskunft über die Gründe der neu eingeführten Massnahmen im Holbeinhof. Viola Mahrer betont: «Wir geben keinerlei Auskunft zu anderen Institutionen.» Bleiben die Aussagen der Bewohner und Angestellten, die immer wieder äussern, dass sie ihren ehemaligen Heimleiter Ruedi Hoffmann vermissen, dessen offizielle Pensionierung erst im Januar 2013 sein wird – auch wenn er seinen Posten bereits Ende Juli räumen musste.



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