Beisshemmung in New Hampshire
Die Medien haben eine wilde Schlägerei erwartet. Aber die Debatten der republikanischen Präsidentschaftskandidaten am Samstagabend und Sonntagmorgen haben die sensationshungrige Presse enttäuscht. Statt gemeinsam über Mitt Romney herzufallen, legten seine fünf Konkurrenten vor allem am Samstag eine erstaunliche Beisshemmung an den Tag und liessen den Spitzenreiter weitgehend ungeschoren. Dabei hatte Newt Gingrich nach seinem vierten Platz bei den Wahlversammlungen in Iowa am Dienstag erklärt, er wolle den «timiden Mitt» als Lügner und Verräter konservativer Werte entlarven. Doch Gingrich hat den Samstag nicht zu einer offenen Konfrontation genutzt. Dabei lieferten ihm Angriffe seiner Anhänger auf Romneys Rolle als Investmentbanker eine Steilvorlage. Diese hat Gingrich jedoch auch am Sonntag ignoriert. Stattdessen verwies der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses auf einen Bericht der – bei der rechten Basis äusserst unbeliebten – «New York Times» über Massenentlassungen bei Firmen, die Romneys Investmenthaus Bain Capital übernommen hat.
Die Episode zeigt einmal mehr die wachsende Bedeutung der sogenannten «Super PACs» in diesem Wahlkampf. PAC steht für political action committee, also nominell von Kandidaten unabhängige Organisationen, die anonyme Spenden bei Konzernen und vermögenden Individuen sammeln, um damit Gegner ihres Favoriten anzugreifen. Romneys Super PAC hat dies erfolgreich in Iowa exerziert und mit Gingrich durch eine Flut von Anzeigen schwer beschädigt. Nun lässt der Speaker in New Hampshire mit «attack ads» zurückschlagen. Er kann sich dies dank einer Spende des Casino-Tycoons Sheldon Adelson leisten. Dieser wollte Gingrich erst 20 Millionen Dollar stiften, hat seine Hilfe nun jedoch auf 5 Millionen reduziert. Doch auch diese Investition scheint nutzlos zu verpuffen, da Gingrich den persönlichen Schlagabtausch mit Romney scheut. Dies dürfte am Dienstag einen Triumph des Mormonen und ehemaligen Gouverneurs von Massachusetts bei den Vorwahlen in New Hampshire garantieren.
Christlich-fundamentalistische Kreise notieren diese Entwicklung mit Sorge. Dem Vernehmen nach wollen führende Evangelikale am kommenden Wochenende in Texas darüber beraten, wie Romney noch aufgehalten werden kann. Bis zu den Vorwahlen in South Carolina am 21. Januar bleibt ihnen nicht mehr viel Zeit. [AM]


