Trubel um Friedman
In ungewöhnlich scharfer Manier greift Friedman darin die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Newt Gingrich und Mitt Romney an, die einander an «Unterwürfigkeit» Israel und seiner amerikanischen Lobby gegenüber zu übertreffen suchten. Laut Friedman sieht Romney die Rolle Washingtons gegenüber dem jüdischen Staat darin: «Jede Aktion Israels zu bejubeln, als dessen Geldautomat zu dienen und ansonsten das Maul zu halten.»
Dann spiesst Friedman die Behauptung Gingrichs auf, die Palästinenser seien ein «erfundenes Volk». Diese Ansicht könne nur entweder zu einem Apartheidstaat in Israel und den besetzten Gebieten, eine Austreibung der Araber oder zu einem binationalen Staat führen – was den wirklichen Interessen des jüdischen Staates absolut widerspräche. Zudem schreibt Friedman, der Applaus für den israelischen Premier Benjamin Netanyahu im US-Kongress vor einigen Monaten sei «von der Israel-Lobby gekauft und bezahlt» worden. Gerade diese Äusserung löste eine Welle empörter Kritik aus. So warfen die konservative Washington Post-Kolumnistin Jennifer Rubin und die Zeitschrift «Commentary» Friedman antisemitisches Verschwörungsdenken vor. Der Neocon und Ex-Diplomat Elliott Abrams forderte Friedman dagegen zu einer Entschuldigung bei den Parlamentariern auf.
Lob und Zustimmung erntete Friedman dagegen bei den «üblichen Verdächtigen» auf Seiten der «Lobby»-Kritiker. Während der prominente Blogger Phil Weiss freudig registrierte, Friedman habe die Israel Lobby im Kongress mit einem «Laser-Schuss» getroffen, forderte der Harvard-Politiologe Stephen Walt den Journalisten auf, nicht von seinen neuen Einsichten abzurücken. Walt wies zudem daraufhin, dass die Mehrheit der US-Bürger zwar – wie von Israels lautesten Unterstützern gerne betont – dem jüdischen Staat freundlicher gegenüber stünden, als den Palästinensern. Aber dennoch treten drei Viertel der Amerikaner Umfragen zufolge für eine «ausgewogene Haltung» Washingtons gegenüber den Parteien im Nahost-Konflikt ein. [AM]


