Jerusalem ernennt Interims-Missionschef für Bern
Dem israelischen Aussenministerium bereitet die Ernennung eines Botschafters für die Schweiz ganz offensichtlich mehr Mühe als für Staaten mit geregelten bis freundschaftlichen diplomatischen Beziehungen zu glauben gewesen wäre. Wie tachles in seiner morgen Freitag erscheinenden Ausgabe schreibt, soll sich seit etwa einer Woche der erfahrene Diplomat und Botschafter Shalom Cohen, Jahrgang 1955, in Bern aufhalten, wo er bis zur offiziellen Ernennung eines Botschafters den Posten als Missionschef oder Geschäftsträger zu versehen hat. Das Jerusalemer Aussenministerium gab sich tachles gegenüber wortkarg wie immer, doch das Magazin glaubt zu wissen, dass Cohen rund drei Monate in Bern weilen wird. Bereits im Juli hatte Ran Zucker, Assistent des inzwischen aus Bern abgereisten Botschafters Ilan Elgar, dessen Freunde und Bekannte eingeladen, sich an der Verfassung eines Abschiedsbuches zu beteiligen, weil das Ende von Elgars Amtszeit in der Schweiz bevorstehe. Ein Datum wurde aber wohlweisslich nicht genannt, denn effektiv verliess Ilan Elgar Bern erst anfangs Dezember, und zwar ohne, dass ein Nachfolger für ihn genannt worden wäre. Für Länder mit regulären diplomatischen Beziehungen ein eher unüblicher Zustand. Tachles wurde bedeutet, dass dies darauf zurückzuführen sei, dass Aussenminister Avigdor Lieberman den Berner Botschafterposten im Zuge einer politische Ernennung mit einer ihm auch ideologisch nahestehenden Person besetzen will, was offenbar seine Zeit braucht.
Der in Tunesien geborene Botschafter Shalom Cohen kann auf eine reichhaltige diplomatische Karriere zurückblicken. So war er von 1996 bis 2000 Leiter der israelischen Mission in Tunis, bevor er bis 2003 der Maghreb-Abteilung im Jerusalemer Aussenministerium vorstand. Von 2005 bis 2010 dann war Cohen israelischer Botschafter in Kairo. Vor seinem Abschied aus der Nilrepublik nannte eine ägyptische Zeitung ihn den «gefährlichsten Botschafter Israels», weil es unter anderem sein Bestreben gewesen war, die kulturellen Beziehungen zwischen den zwei Staaten – bis dahin ein absolutes Tabu für die Ägypter - zu normalisieren. In einem anfangs Dezember diesen Jahres in der «Irish Times» veröffentlichten Interview begrüsste Cohen den Sturz «autoritärer und diktatorischer Regimes» und das Abhalten demokratischer Wahlen – eine klare Anspielung auf die jüngsten Vorgänge in Ägypten. Aufgrund seiner Erfahrung sei die überwiegende Mehrheit des ägyptischen Volkes sehr interessiert an einer Aufrechterhaltung des Friedens mit Israel. Seiner Meinung nach bewege die Region sich vom «arabischen Frühling zum islamischen Aufblühen», und die Schlüsselfrage sei, ob diese Phase von einem Sommer oder Winter abgelöst werde, was die politischen und internationalen Beziehungen Kairos betrifft. Shalom Cohen spricht neben Hebräisch auch Englisch, Arabisch und Französisch, aber kein Deutsch. Diesen Mangel brachten zahlreiche nach Bern entsandte israelische Botschafter der Vergangenheit mit sich. [JU]


