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16. Dezember 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 50 Ausgabe: Nr. 50 » December 16, 2011

Botschafter für jüdische Kunst

Von Fabio Luks, December 16, 2011
Am vergangenen Sonntag feierte der Verein zur Förderung jüdischer Kunst in der Schweiz, Omanut, sein 70-jähriges Bestehen im Kongresshaus Zürich. Ausgezeichnete Musiker aus aller Welt zeigten am Jubiläum ihr Können.
KONSI STRINGS Das Kammerorchester im Vereinssaal des Kongresshauses Zürich

Eröffnet wurde die Jubiläumsveranstaltung mit dem 1. Scherzo von Marko Roth­müller, einem Stück, welches in engster Beziehung zu Omanut steht. In ihrem anschliessenden Grusswort wies Nina Zafran, die auf Ende Jahr als Präsidentin von Omanut zurücktritt (vgl. tachles 48/11), auf Rothmüllers zentrale Funktion bei der Gründung von Omanut hin. Zudem sprach sie ein Lob für Noëmi Rueff aus, welche zugleich Herz und Motor des Anlasses gewesen sei. Auf Zafran folgte die Zürcher Stadträtin, Mitglied der Grünen Partei Schweiz, Ruth Genner. Der Verein Omanut sei ein gern gesehener Partner der Stadt Zürich und zugleich ein Botschafter für die jüdische Kunst und Kultur. So komme es immer wieder zu fruchtbaren Kooperationen mit anderen kulturvermittelnden Institutionen wie zum Beispiel dem Präsidialdepartement  der Stadt Zürich, dem Literaturhaus oder dem Kunst- und dem Schauspielhaus Zürich. Auch der diesjährige Kulturpreisträger des Kantons Zürich,  Daniel Fueter, Komponist und Musik­pädagoge, sprach im Namen der Zürcher Kunstschaffenden ein Grusswort aus. Fueter betonte insbesondere die Wichtigkeit eines vielseitigen Kulturlebens, wozu Omanut einen entscheidenden Beitrag leiste.



Geschichte von Omanut

In einem Bildvortrag beleuchtete Roy Oppenheim, ehemaliges Vorstandsmitglied von Omanut, die Gründungsjahre des Vereins. Der am 2. Januar 1941 in der Wohnung von Marko Rothmüller gegründete Verein Omanut lancierte bereits am 22. Februar seine Einführungsveranstaltung im grossen Saal des Gemeindehauses der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ). Damals wie heute stand die Musik im Zentrum des Anlasses. Man spielte unter anderem Kompositionen von Lazare Saminsky, Joachim Stu­t-schewsky, Max Ettinger und Marko Rothmüller. Oppenheim wusste zu berichten, dass die Einführungsveranstaltung bereits um viertel vor zehn zu Ende ging, da man aus Angst vor Bombardements die Gebäude verdunkeln musste. Sehr beachtlich sei, was Omanut in diesen schwierigen Kriegsjahren alles auf die Beine gestellt habe. So gab es eine Ausstellung jüdischer Kunst- und Kultgegenstände in der ICZ, zahlreiche Konzerte, Mitgliederabende mit literarisch-musikalischem Programm und darüber hinaus Veranstaltungen, an denen Geld für Flüchtlinge gesammelt wurde. All den Diffamierungen zum Trotz bekannte sich Omanut stets zur jüdischen Kunst und zu ihrer Lebendigkeit und wollte diese besonders auch einem nicht jüdischen Publikum vertraut machen. Dieser Linie ist der Verein bis heute treu geblieben.

Fulminantes Musikprogramm

Auch 70 Jahre nachder Einführungsveranstaltung standen wieder Werke von Stutschewsky und Rothmüller auf dem Programm. Daneben gab es aber noch eine Vielzahl weiterer Darbietungen am diesjährigen Jubiläum. Zum Beispiel das Kammerorchester Konsi Strings Zürich, welches, aus begabten Nachwuchsinstrumentalisten bestehend, Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Peter Iljitsch Tschaikowsky und Samuel Barber zum Besten gab. Der Tangogeiger Daniel Zisman begeisterte mit seinem Sohn, dem Bandoneonisten Michael Zisman, mit Werken von Astor Piazzolla bis hin zu eigenen Kompositionen das Publikum. Nicht zu vergessen, das energetische Trio Musique en route sowie das virtuose Jazzduett mit Claude Diallo und Scott Tixier. Sie alle unterhielten die vorwiegend älteren Zuhörer auf höchstem Niveau. Die Krönung wurde dem vielseitigen Programm schliesslich durch die Uraufführung eines Streichquartetts von Daniel Weissberg verliehen. Diese Komposition «Für vier Streichinstrumente» von Weissberg entstand im Auftrag der Association Bloch, die 2008 in Bern von den Omanut-Mitgliedern Oliver Margulies und Walter Labhart mitbegründet wurde.



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