logo

Pelz ist heute immer noch gefragt

Von Regula Rosenthal, December 2, 2011
Die Gründer des Pelzgeschäftes Goldfarb in Basel gründeten ihr Unternehmen einst mit nur 200 Franken Startkapital.
EIN HARTES BUSINESS Pelze sind zwar auch in Europa noch gefragt, das Geschäft wurde jedoch aus verschiedenen Gründen schwieriger

Vater Goldfarb war ein Pionier. Er hat in den zwanziger Jahren das erste Kino in Zürich gegründet – damals zeigte man Stummfilme. Die Kürschnerlehre hat Victor Goldfarb nach Schulabschluss bei seinem Onkel Henri Pomeranz absolviert. Goldfarb hatte gesunde Hobbies: Sport allgemein und besonders Reiten. Da er gut verdiente, ritt er auf seinem eigenen Pferd. Als junger Mann trat er dem Sportverein Zürich bei. Er gewann sogar den Schweizer-Meister-Titel im 400-Meter-Lauf. Goldfarb tanzte auch gerne – ein richtiges Multitalent.



Eine Lovestory wie im Märchen

An einem Ball in der Mustermesse lernte er seine zukünftige Frau Rose kennen, eine 1912 geborene Baslerin. Gegründet hat er sein Geschäft 1933 im unteren Abschnitt der Freienstrasse in Basel. Er verfügte nicht über grosse finanzielle Mittel, wohnte deshalb anfänglich auch im hinteren Teil seines Geschäfts. Seine neue Freundin Rose arbeitete in der Rheinbrücke, heutige Manor, als Verkäuferin in der Abteilung Herrenmode. Auch sie tanzte gerne. Eine Freundin lud Rose an den Sportball in der Mustermesse ein, wo sie Victor Goldfarb begegnete.
Das Schicksal meinte es gut mit den beiden. Victor und Rose wurden ein Paar. Rose half dem jungen Victor in der Freizeit in seinem Geschäft. Sie half ihm beim Aufbau, eigentlich wollte sie immer einen Millionär heiraten, wie sie später stets ihren Freunden sagte. Mit Victor geriet sie an einen armen jungen Mann. Liebe macht bekanntlich blind. Doch Rose hatte einen starken Willen und wusste, was sie wollte. Sie spürte, dass im Pelzgeschäft viel Potenzial lag. Sie heiratet ihn trotz Armut. Er war wirklich mausarm. Rose war die Frau, die einzige, die ihm beim Aufbau des Geschäfts geholfen hat. Gemeinsam waren sie stark. Mit nur 200 Franken geliehenem Startkapital gründeten sie das Geschäft.

Eine Erfolgsgeschichte

Der Erfolg liess nicht auf sich warten. Schon bald musste das Geschäft vergrössert werden, ein neues Lokal wurde gemietet, im Barfüsserhof, wo sich heute das Café Huegenin befindet. Ein elegante Boutique im Parterre mit grossem Schaufenster zog auch Laufkunden an. Die Goldfarbs verkauften Modeschmuck und andere Accessoires. Im hinteren Teil des Lokals war das Pelzgeschäft untergebracht, wohin die Kunden auch zur Anprobe kamen. Anfänglich nähte Victor Goldfarb die Pelze selbst. Die Werkstatt befand sich im zweiten Stock des Gebäudes. Grosse Fenster vorne und auf der Seite mit gingen auf den Barfüsserplatz. Bekannte Dekorateure gestalteten die Schaufenster. Damals war der «Barfi» noch ein Parkplatz. Künstler Jean Tin­guely entwarf für das Weihnachts-Schaufenster Drahtesel. Beschäftigt wurden zunächst drei bis vier Angestellte. Das Geschäft florierte. Bald beschäftigte Goldfarb 25 bis 30 Angestellte. Später ­expandierte er mit einer Filiale an den noblen Paradeplatz in Zürich. Noch später kam eine Boutique gegenüber beim Palace St. Moritz dazu.

Goldfarb überliess nichts dem Zufall

Er reiste regelmässig und überwachte seine Geschäfte, alles sehr aufwendig. Er arbeitete hart, er hatte sich gemeinsam mit seiner Frau ein hohes Ziel gesteckt. Um sich und Rose zu entlasten, stellte er Geschäftsführer ein. Die Angestellten fühlten sich wohl bei ihm. Er war fair und bezahlte sie anständig. Es hat sich für ihn gelohnt, denn jahrelang arbeiteten die gleichen Leute für ihn. Goldfarb suchte eine Lehrtochter. Irma Fehlbaum, damals 26-jährig, meldete sich auf sein Inserat. Sie erhielt die Stelle. «Ich wusste sofort, das ist der richtige Platz für mich», wie sie gegenüber tachles betont.
1959 erhielt sie einen Lehrvertrag, besuchte die Fachschule Basel mit Materialkunde und half nebenbei im Geschäft. «Ich habe als Jahresbeste das Diplom geschafft», sagt sie nicht ohne Stolz. Auch sie habe gewusst, was sie wolle, habe sich hohe Ziele gesteckt. Sie meint weiter: «Insofern passten wir alle gut zusammen.» Sie blieb auch nach dem Diplom bei Goldfarb. Die Arbeit gefiel ihr gut und sie lernte täglich dazu. 1959 heiratete sie Rolf Leimgruber. 1980 starb Victor, er hinterleiss ein beträchtiches Vermögen. Rose übernahm die Filialen in Zürich und St. Moritz. 1978 kaufte Irma Leimgruber-Fehlbaum das Geschäft von Victor Goldfarb. Seit 1979 ist es eine Aktiengesellschaft. 1980 verstarb Rose.

Zum heutigen Pelzbusiness

Die Erfahrungen mit Kunden seien sehr positiv, so Leimgruber-Fehlbaum. Sie nehme sich für die Kunden viel Zeit. Unter ihren Kunden seien, wie auch schon bei Goldfarb, Kunden aus besseren Kreisen, vom «Basler Daig», aber auch einfache Menschen, die sich etwas gönnen, sparen, bis sie sich den Luxus leisten können. Viele Ausländer fanden den Weg nach Basel. Die Pelze stammen aus Nordamerika und Kanada.
Frauen wie Männer nähen Pelze. Die Ausbildung in diesem Handwerk ist schwierig. Um Pelz zu nähen, braucht es Spezialnähmaschinen. Die Säume werden von Hand genäht, was viel Kraft braucht. Heute gibt es nur noch wenige, die das Fach beherrschen. Europa steht in direkter Lohnkonkurrenz mit Asien.
In den späten sechziger Jahren begann das Debakel um Pelze. In der Schweiz sei der Handel mit geschützten Tieren wie etwa Leoparden und Ozeloten aus Mittelamerika, verboten. Irma Leimgruber erzählt weiter: «Victor Goldfarb hatte eine Sauwut auf die verlogene Pelzkampagne, er sagte immer, das sei eine Neidkampagne.» Goldfarb sei es immer wichtig gewesen, sich strikt an alle Auflagen zu halten, unter dem Motto: Fair im Umgang mit Mensch und Tier, so Leimgruber weiter. «Unsere Schuhe, Mappen oder Koffer sind aus Leder, das auch von Tieren stammt», betont Leimgruber. «Wo liegt denn der Unterschied?», fragt die heutige Besitzerin von Goldfarb. Die Antwort lässt auf sich warten.

Neue Strategie
«Nachdem es in der Pelzbranche schwierig wurde, begannen wir mit Herstellen von Haute Couture, dem Verarbeiten von edlen Materialien. Regelmässig veranstalteten wir im Geschäft Modeschauen, die immer ausgebucht waren. Man liess es sich nicht nehmen, dabei zu sein. Der bekannte Journalist Minu berichtete regelmässig von unseren Modeschauen. Als Dienstleistung bieten wir unsern Kunden die Pelzaufbewahrung und Änderung derselben an.»
Rolf Leimgruber, der Sohn von Irma, hat das Geschäft übernommen. Er erinnert sich gut an Victor Goldfarb: «Er liess mich als Kind im Laden mit Fellen spielen.» Leimgruber junior hat eine Banklehre absolviert, das hilft ihm nun das Geschäft zu führen. Mutter Leimgruber geht auch heute noch täglich ins Geschäft. Pelze, schicke Haute Couture und der Kontakt mit Kunden sind ihre Leidenschaft.



» zurück zur Auswahl