Grosses Interesse in Israel
Verständlicherweise auf starkes Interesse stossen in Israel die ersten ägyptischen Parlamentswahlen seit dem Sturz Hosni Mubaraks, zu denen heute Montag rund 80 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Nilrepublik an die Urnen gerufen sind. Zu den israelischen Medienschaffenden, die zur Berichterstattung über dieses Ereignis nach Kairo gereist sind, gehört auch der Journalist Anshel Pfeffer von der «Jerusalem Post». Am Montag berichtete er unter anderem davon, dass die ägyptischen Behörden Wahlberechtigte, die von ihrem Recht nicht Gebrauch machen, mit einer Strafe von 500 ägyptischen Pfunden büssen wollen. Für viele Ägypter entspricht das einem Monatslohn. Von Pfeffer auf dem Tahrir-Platz interviewte Studenten kritisierten die Wahlen als «traurigen Witz». In Israel selber beeinflusst der Kairoer Urnengang offenbar auch politische Entscheidungen. So erteilte Premier Netanyahu im letzten Moment die Anweisung, die für Sonntag geplant gewesene Demolierung der zum Tempelberg führenden Mughrabi-Brücke zu verschieben, weil man offenbar nicht nur in Jordanien sondern vor allem auch in Ägypten negative Reaktionen radikal-islamistischer Kreise fürchtet. Während Jerusalem die Brücke als «baulich unsicher» bezeichnet, werfen arabische Stelle den Israeli vor, die Brücke erweitern zu wollen, um den eigenen Sicherheitskräften den Zugang zum Tempelberg zu erleichtern.In den ägyptischen Wahlen bewerben sich in der ersten von total drei Runden über 3800 Kandidaten für 168 Parlamentssitze in neun der total 27 ägyptischen Bezirken. Allgemein wird, wie schon zuvor in Tunesien und Marokko, ein klarer Sieg der Muslimischen Bruderschaft erwartet, ohne dass diese aber die absolute Mehrheit erringen dürfte. In den letzten Tagen vor den Wahlen haben sich Vertreter dieser Organisation in den Medien besonders kritisch und feindselig Israel gegenüber geäussert. Die Wahlen ziehen sich über mehr als einen Monat hin. [JU]


