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4. November 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 44 Ausgabe: Nr. 44 » November 4, 2011
IAEA-BERICHT

Schwerste Beschuldigungen gegen Teheran

November 9, 2011
Iran soll seit dem Jahre 2003 am Bau einer Atombombe arbeiten.
Der Atomreaktor bei Arak im Iran.

 

Seit 2003 arbeitet Iran am Bau einer Atombombe. Diese Beschuldigung erhebt die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) in ihrem mit Spannung im Nahen Osten und über ihn hinaus erwarteten Bericht, aus dem die Zeitung «Haaretz» am Mittwoch Einzelheiten zitiert. Der Bericht führt als Beweise eine Reihe von Tests, Materialeinkäufe und Technologien ins Feld, die alle darauf hindeuten, dass Teheran seit 2003 kontinuierlich mit der Produktion einer Nuklearwaffe beschäftigt ist. Laut einer diplomatischen Quelle in Wien, dem IAEA-Hauptsitz, die «Haaretz» am Mittwoch zitiert, handelt es sich um den «am meisten verurteilenden Bericht, den die IAEA je publiziert hat, und der nur eine Schlussfolgerung zulässt: Iran arbeitet am Erhalt einer Atomwaffe». Wörtlich liest man demzufolge in dem Bericht: «Die Agentur hegt ernsthafte Besorgnis hinsichtlich möglicher militärischer Dimensionen des iranischen Nuklearprogramms.» Unter Berufung auf «glaubwürdige» Informationen sagt die Agentur, die Daten würden darauf hinweisen, dass Iran Aktivitäten verfolgt, die für die Entwicklung eines «nuklearen Sprengkörpers» relevant seien. Im Jahr 2007 hatten amerikanische Geheimdienste vermutet, dass Teheran vier Jahre zuvor die direkte, auf «Waffenherstellung» ausgerichtete Forschung eingestellt habe, gleichzeitig aber die Bemühungen fortsetzte, die für nukleare Sprengkörper benutzbare Technologien zu beherrschen. Als «besonders Besorgnis erregend» bezeichnet die IAEA Informationen von zwei Mitgliedstaaten der Agentur, denen zufolge Iran in den Jahren 2008 und 2009 computergesteuerte Studien im Zusammenhang mit Atomwaffen durchgeführt hat. «Die Anwendung solcher Studien zu anderen Zwecken als für nukleare Sprengkörper ist der Agentur unklar», liest man unter anderem in dem Bericht. Die erhaltene Information weise auch darauf hin, dass Iran im Militärkomplex Parchion südöstlich von Teheran einen grossen Behälter für Explosivstoffe gebaut habe, der hydrodynamischen Experimenten dienen würde. Das alles seien «starke Indikatoren für eine mögliche Waffenentwicklung». Iran selber, der fünftgrösste Erdölexporteur der Welt, behauptet immer wieder, sein Programm zur Urananreicherung sei für ein künftiges Netz nuklearer Kraftwerke bestimmt, die einer schnell wachsenden Bevölkerung Strom liefern würden. Das würde Iran gestatten, grössere Quantitäten seines Öls und Gases zu exportieren. – Iran selber weist den Bericht als «politisch motiviert» zurück, und auch Russland kritisiert ihn. Ali Asghar Soltanieh, der Delegierte Teherans zur IAEA, wird sinngemäss dahingehend zitiert, der Bericht sei «unausgewogen, nicht professionell und politisch motiviert». Zudem würde er keine neuen Erkenntnisse enthalten. Victoria Nuland dagegen, die Sprecherin des US-State Departments, bezeichnete die IAEA als eine der «glaubwürdigsten, gründlichen und wichtigsten Organisationen der Uno». Der iranische Staatspräsident Ahmadinejad erklärte am Dienstag in einer klaren Eskalation des verbalen Schlagabtausches mit praktisch der ganzen Welt, Irans Bündnispartner würden «Israel zerstören», sollten die «Zionisten» sein Land angreifen. - Laut einem Bericht in der «Jerusalem Post» haben israelische Geheimdienstinformationen bei der Verfassung des IAEA-Berichts eine «Schlüsselrolle» gespielt. [JU]

 





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