Judentum und Islam
Der Palästina-Konflikt und die Spannungen zwischen Israel und Iran überlagern eine reiche, gemeinsame Geschichte von Islam und Judentum. Dies zeigt das jüdische Monatsmagazin aufbau in seiner neuen Ausgabe. Unter den Autoren finden sich Experten wie Mordechai Piron, ehemals Oberrabbiner der israelischen Streitkräfte, und der Kölner Orientalist und Schriftsteller Navid Kermani. Piron erläutert, dass die im muslimischen Spanien geltenden Anordnungen zu einer Benachteiligung der Juden in der Regel nicht eingehalten wurden. Er führt dies auf die Überzeugung arabischer Stämme zurück, von Abraham abzustammen. Daher hätte viele Muslime ihre Religion als Fortsetzung «des reinen Monotheismus im abrahamischen Sinne» betrachtet.
Kermani hebt die Nähe jüdischer, christlicher und muslimischer Traditionen im arabisch geprägten Orient hervor. Dort seien die Literaturen, die Künste und die religiösen Traditionen historisch so eng miteinander verflochten gewesen, dass sie nur im Zusammenhang studiert und dargestellt werden könnten. Dass diese Geschichte gerade in Europa weithin unbekannt ist, erklärt Kermani mit der sachfremden Aufspaltung der Untersuchung dieses Kulturraums in Disziplinen wie Judaistik und Islamwissenschaft.
Im aktuellen aufbau kommt zudem der Basler Journalist Andreas Schneitter zu Wort, der den «Mythos Al-Andalus» näher unter die Lupe nimmt. Der niederländische Judaist Emile Schrijver untersucht dagegen den Alltag und die wissenschaftlichen Leistungen der Juden unter dem Islam im Mittelalter. Fokussiert Schrijver auf den arabischen Raum, wendet sich die Slawistin Regula Heusser-Markun der Geschichte der Juden im
zentralasiatischen Buchara zu. Sie kamen unter muslimischer Obrigkeit bedeutend besser aus, als später unter der stalinistischen und haben das heutige Turkmenistan daher meist nach dem Ende des Sowjetimperiums verlassen.
Dass die Grenzen zwischen Islam und Judentum zumindest durchlässig sind, belegt derweil die Hamburger Publizistin Katja Behling mit der spannenden Lebensgeschichte von Muhammad Asad. Dieser wurde im Jahr 1900 als Leopold Weiss im galizischen Lemberg geboren und konvertierte 1927 zum Islam. Asad entwickelte eine enge Freundschaft zu dem späteren König Ibn Saud und machte nach 1946 Karriere im diplomatischen Dienst Pakistans. Ein aktueller Beitrag aus den USA rundet diesen lesenwerten Überblick ab. Dort betreibt eine Handvoll – nicht selten jüdischer – Agitatoren seit einigen Jahren eine erstaunlich effektive Hetzkampagne gegen Muslime, die Amerika angeblich unter die Knute der Scharia zwingen wollen.
Lektüre auf www.aufbau.eu oder redaktion@aufbau.eu


