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28. Oktober 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 43 Ausgabe: Nr. 43 » October 28, 2011

Schweizer Kandidaten?

Von Gisela Blau, October 28, 2011
Die erste Liste mit «Kandidaten» für das Europäisch-Jüdische Parlament macht das Projekt eher unglaubwürdig.
EINE LACHNUMMER? Komiker, darunter auch Rowan Atkinson («Mr. Bean»), sollen für die Europäisch-Jüdische Union kandidieren

Unseriös und als Lachnummer wirkt die «Kandidatenliste» für das Europäisch-Jüdische Parlament, ein Projekt der ukrainischen Milliardäre Igor Kolomoisky und Vadim Rabinovitch (tachles berichtete). Kolomoisky hatte geplant, im Handstreich das Präsidium des European Council of Jewish Communities zu übernehmen, wo Rabinovitch Vizepräsident war. Als dies nicht gelang, gründeten die beiden flugs die Europäisch-Jüdische Union. Kürzlich riefen sie eine ehrgeizig wirkende Online-TV-Station namens Jewish News One oder JN1 ins Leben.



Eine Promi-Liste

Seit einer Woche sind die Kandidatenlisten von mehr als 50 Ländern auf www.eju.org zu lesen. Sie wirken unglaubwürdig, denn da stehen Prominente, die kaum Abgeordnete sein wollen und neben die sich andererseits kaum jemand setzen möchte, wie Dominique Strauss-Kahn in Frankreich. Auch seine Frau Anne Sinclair figuriert auf der Liste. Für England starten angeblich der Fussballgott David Beckham und die Modeschöpferin Stella McCartney sowie die Komiker Sacha Baron Cohen und Rowan Atkinson («Mr. Bean»). Laut JTA wurden einige besonders fragwürdige Namen entfernt. Etliche unfreiwillig Nominierte verlangten dies selber, nachdem sie darauf aufmerksam gemacht worden waren.

Eine Kandidatenkür

Beispielsweise forderte die Plattform der liberalen Juden der Schweiz (PLJS), diese Woche die Löschung der Namen ihrer Präsidentin Nicole Poëll und des Vizepräsidenten Jean-Marc Brunschwig von der Liste, was umgehend und mit einer Entschuldigung geschah. Zweifelhaft ist auch die Herkunft anderer der ursprünglich 15 Namen auf der Schweizer Liste. Wer sie eintragen liess, ist unbekannt. Sogar Eugen David steht darauf, CVP-Ständerat aus St. Gallen, der nicht mehr zum zweiten Wahlgang antritt, sowie einige Leute, die kaum aus der Schweiz stammen. Ein Ende der Kandidatenkür für die geplanten 120 Parlamentssitze ist nicht absehbar, was das Projekt unglaubwürdig erscheinen lässt.   



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