Architektur und Staat Israel
Bereits in den Eröffnungsreden an der Vernissage wurde klar, dass die Besucher keine umfassenden Erklärungen von der Ausstellung erwarten dürfen, die das ehrgeizige Ziel verfolgt, den Aufbau des Staates Israel als einzigartiges Projekt in der Geschichte der Moderne zu zeigen. Die Verantwortlichen verwiesen darauf, dass die Besucher gefordert seien, mit- und weiter zu denken. Die Schau basiert auf einem Forschungsprojekt, das der anwesende Gastkurator aus Tel Aviv, Zvi Efrat, mit einem Team von Studierenden, Architekten und Fotografen 1994 begonnen hat und das bis heute andauert. Zum ersten Mal wurde «The
Israeli Project 2000/2001» im Tel Aviv Museum of Art präsentiert. Das Architekturmuseum in Basel zeigt nun einige Filme und mehrere hundert Bilder – Erläuterungen zum Thema fehlen weitestgehend. Und so fühlt sich der Betrachter inmitten der Fotos, die sowohl vertikal an Stelltafeln gezeigt werden, wie auch horizontal in Schubladen ausliegen, etwas alleingelassen, wenn es darum geht «die komplizierte Dialektik zwischen ‹Land› und ‹Staat› zu ergründen, die «die der Ausstellung zugrunde liegende Matrix» ist, wie Efrat erklärt. Auch der Titel der Ausstellung «The Object of Zionism» erschliesst sich auf den ersten Blick nicht wirklich.
Im Eingangsbereich der Ausstellung werden unter anderem Theodor Herzl und David Ben Gurion zitiert, die sich mit der komplizierten Dialektik von «Land» und «Staat» befassten. In den grossen Ausstellungsräumen sind die Fotos zahlreichen Schlag wörtern zugeordnet wie «Block», «Kibbuz», «New Towns», «Luxus» oder «Brutalism». Die einzelnen Schlagwörter werden in einer ausliegenden Broschüre auf rund 60 Seiten – kleingedruckt – erklärt. In diese müssen sich die Besucher einlesen, wollen sie die Zusammenhänge und die spezifischen Aspekte der israelischen Architekturgeschichte verstehen. Zum Begriff «Brutalism» heisst es beispielsweise: «Brutalismus ist nicht als ein originärer israelischer Stil zu verstehen, charakteristisch für die Architektur des Landes ist er aber allemal.» So habe sich der Stil, der Mitte der fünfziger Jahre in Israel aus anderen Ländern übernommen wurde, «unverzüglich mit dem Selbstverständnis der in der jungen Heimat geborenen Israelis» verbunden. Zum Thema «Block» steht geschrieben: «Die Dominanz des Wohnblocks in Israel wäre nicht verständlich ohne die enge Beziehung zu einem politischen System, dass die Kontrolle über Land, Infrastruktur, Planung, Gesetzgebung, (…) Information und Bevölkerung ausübte.» Thesen wie diese werden nicht genauer erläutert, und so bleiben den Besuchern vor allem zahlreiche Schwarz-weiss-Fotos von Gebäuden im Gedächtnis, die zum Grossteil auch an anderen Orten der Welt stehen könnten.
Die Ausstellung ist bis zum 22. Januar 2012 zu sehen. www.sam-basel.org


