Der wahrscheinliche Fahrplan
Morgen Dienstag, wenn alle elektronischen Medien Israels ausser den Wetterprognosen und einiger Werbespots kaum etwas anderes als Berichte und Kommentare über Gilad Shalits Heimkehr nach fast fünfeinhalb Jahren im Gefängnis der Hamas (ohne jeden Kontakt zur Aussenwelt) ausstrahlen werden, dürfte die Freilassung der über tausend palästinensischen Terroristen und Shalits sich - Pannen und Überraschungen vorbehalten - in etwa wie folgt abwickeln:
- Shalit wird am Dienstag früh freigelassen und entweder von einem Vertreter des Roten Kreuzes oder einem ägyptischen Offiziellen in Empfang genommen.
- Sobald Shalits Freilassung bestätigt ist, setzt Israel 27 weibliche Gefangene auf freien Fuss.
- Hamas transferiert Shalit via den Übergang Rafah nach Ägypten. Von dort wird der Soldat auf dem Landweg nach Israel gefahren.
- Nach Bestätigung des Transfers entlässt Israel die ersten Gefangenen in den Gazastreifen und die Westbank.
- Auf einer Luftwaffenbasis nahe zur ägyptischen Grenze und zum Gazastreifen telefoniert Shalit mit seiner Mutter. Zu diesem Zweck übergibt die IDF ihm sein altes Mobil-Telefon, das seit über fünf Jahre nicht mehr benutzt worden ist.
- Shalit unterzieht sich ersten ärztlichen Untersuchungen.
- Transfer des befreiten Soldaten zur Luftwaffenbasis Tel Nof.
- Weitere medizinische Tests.
- Treffen mit Premier Binyamin Netanyahu, Verteidigungsminister Ehud Barak und Generalstabchef Benny Gantz in Tel Nof. Anschliessend begleiten die drei Persönlichkeiten Shalit zum Wiedersehen mit seiner Familie.
- Wenn Gilad Shalit gesund und in guter Verfassung ist, erfolgt der Transport der ganzen Familie per Militärhelikopter an den Wohnort Mizpe Hila in Galiläa.
Die Operation, die auf israelischer Seite nur von je einem Kamermann der Armee und des staatlichen Pressebüros festgehalten werden wird, sollte planmässig am Dienstagnachmittag beendet sein. Vermutlich wird die Hamas schon vorher Fotos der freigelassenen Geisel verbreiten. Schon gestern Sonntag sind die freizulassenden Palästinenser in dutzenden von Autobussen aus 15 Gefängnissen in zwei Haftanstalten im Süden und Zentrum des Landes überstellt worden. [JU]


