Blüten auf blutigem Grund
Wer vom Westen her über die Landzunge zwischen dem Ashley und dem Cooper River in das Zentrum von Charleston fährt, erlebt eine für die USA einzigartige Zeitreise. Am schma-len «Genick» der Halbinsel führt die Autobahn an modernen Hafen- und Industrieanlagen vorbei und trifft dann auf die quer über die Oberstadt laufende Schnellstrasse zwischen den Brücken an beiden Seiten Charlestons. Im Norden hebt sich mit der Arthur Ravenel Jr. Bridge imposant das neueste Wahrzeichen der 1680 gegründeten Stadt über den Cooper River. Der Name der 2005 eingeweihten Brücke gibt bereits einen Einblick in die Geschichte der Südstaatenmetropole, die über Generationen die reichste Kommune Nordamerikas war. Die Ravenel-Sippe stammt von hugenottischen Flüchtlingen unter den ersten Siedlern ab: Nur mit New York vergleichbar, entstand «Charles Towne» als vitale, weltoffene Hafenstadt. Die Kolonie beruhte auf einer vom Aufklärer John Locke geschriebenen Verfassung, die – von Katholiken abgesehen – explizit «Heiden und Angehörige anderer Religionen» als der anglikanisch-protestantischen willkommen hiess. Unter diesen Andersgläubigen fanden sich von Anfang an auch sephardische Juden, die aus der Karibik in die «Carolinas» kamen und hier als Kaufleute und Finanziers bald so reich wurden wie ihre christlichen Nachbarn.
Östlich der Brücke geht die Autobahn in Strassen mit historischen Namen wie King und Meeting Street über, die bis hinunter an die Spitze der Halbinsel das Rückgrat von Charleston bilden. Nun begegnet der Besucher zunächst maroden Wohnvierteln aus der Zeit nach 1945, die den Zufahrtsstrassen weichen mussten und heute auf neue Bebauung warten. Doch rasch tauchen meist weiss oder hellgelb gestrichene Holzhäuser aus dem späten 19. Jahrhundert auf, die eng aneinander zwischen Palmen und blühenden Sträuchern stehen und das Auge mit schön gearbeiteten Fassaden und Veranden in den Bann ziehen. Um das 1776 gegründete College of Charleston herum dienen derartige Häuser heute als Studentenwohnheime. Das College liegt im Zentrum der Halbinsel, nördlich und östlich davon erstreckt sich das Geschäfts- und Büroviertel bis hinunter zur Broad Street.
Hier werden die Strassen enger, die Gebäude dagegen grösser und prächtiger. Der Besucher ist im historischen Kern der Stadt angekommen, wo Plantagenbesitzer und Kaufleute nach 1700 mehrstöckige Familiensitze inmitten üppiger Gärten errichteten. Typisch für diese Anwesen sind auf allen Etagen breite Veranden zumindest an der Südseite, die Schatten bieten und in der kühlenden Seebrise liegen. Etliche von ihnen stehen heute Besuchern offen. Andere sind immer noch im Besitz von Familien wie den Pinckneys, Rhetts oder Manigaults, die sich als Aristokratie verstehen und ihre Namen etwa als Signatoren der Unabhängigkeitserklärung in der amerikanischen Geschichte verewigt haben. Viele der durchweg makellos gepflegten Bauten haben jedoch in den letzten Jahren die Besitzer gewechselt. So residieren Sue und Robert Prenner heute im Stadthaus des Grosskaufmanns Moses Cohen Mordecai an der Meeting Street, dessen Postdampfer «Isabel» im Bürgerkrieg die Blockade der Unions-Flotte vor der Küste von South Carolina durchbrach. Die Prenners haben Anwaltskarrieren in New York aufgegeben, um das Textilhaus «Ben Silver» in Charleston fortzuführen. Ihr «Flag Ship Store» an der King Street bietet heute exquisite Damen- und Herrenmode für die alte und neue Elite Charlestons. Einige Schritte weiter hält mit dem 1900 gegründeten «Berlin´s» ein weiteres Textilgeschäft eine alte jüdische Stadttradition aufrecht.
Sehnsucht nach elitärem Status
Südlich der Broad Street endet der Asphalt, und die Pferdedroschken mit Touristen rumpeln über ungleichmässiges Pflaster: Ballast-Steine aus dem Bauch der Segelschiffe, die von England und der Karibik nach Charleston kamen. An den Werften entlang des Cooper River luden die Dreimaster zunächst die «Buck Skins» (Rehhäute), die zum Spitznamen des Dollar wurden. Nach 1710 gingen jedoch vor allem Reis, Indigo und Baumwolle von Charleston in das britische Empire und nach Europa. Die Einheimischen kürzen den historischen Kern der Stadt mit SoB ab – «South of Broad». Wie der Lokalhistoriker Harlan Greene erklärt, bildet die Broad Street bis heute die Grenzlinie zwischen «longing and belonging» – zwischen Zugehörigkeit und der Sehnsucht nach elitärem Status.
Von der Broad Street aus ist der Weg dann nicht mehr weit an die «Battery», die von einer Steinmauer abgestützte Uferpromenade an der Spitze der Landzunge. Hier richten Kanonen immer noch ihre Mündungen auf das im Hafenausgang liegende Fort Sumter, mit dessen Beschuss am 12. April 1861 der amerikanische Bürgerkrieg begann (vgl. Artikel Seite 28). Rund 20 Jahre danach bewunderte der britische Autor Oscar Wilde bei einem Abendspaziergang entlang der «Battery» den Mond über der Bucht. Ein älterer Herr aus der Stadt sagte zu ihm: «Vor dem Krieg war er schöner.» Für Harlan Greene stellt die Anekdote ein Portal zum tieferen Verständnis der Stadt dar, die den Besucher zunächst mit ihrer üppigen Schönheit, dem südlichen Klima und ihrer Sinnenfreude überwältigt.
Greene, ein schmaler, lebhafter Mann um die 50, ist Archivar in der Bibliothek des College of Charleston, die nach dem jüdischen Unternehmer Nathan Addlestone und seiner Frau Marlene benannt wurde. Hell und grosszügig bemessen, enthält der moderne Bau auch eine grosse Sammlung zu der langen jüdischen Geschichte Charlestons. Greene ist als Sohn von Holocaust-Überlebenden in Charleston aufgewachsen und kann die Begeisterung für die Schönheit seiner Geburtsstadt nachvollziehen. Aber er lässt keinen Zweifel an der Herkunft dieser Reize: «Die bezaubernden Blüten gedeihen auf blutigem Grund. Der Reichtum von Charleston ist aus der Plantagensklaverei erwachsen.» Diese Epoche ging mit dem Bürgerkrieg 1865 zu Ende. Nach einer jahrelangen Belagerung von den Nordstaaten erobert, glich die Wiege der Sezession nun einem Trümmerhaufen. Aber die goldenen Jahre Charlestons lagen damals bereits viele Jahrzehnte zurück. Dies hat mit dem Aufkommen der Dampfer zu tun, die nach 1820 Segelschiffe verdrängten und von nun an eher New York, Philadelphia oder New Orleans anliefen.
Charleston verdankt seine Entstehung nicht zuletzt einer idealen Position im transatlantischen Kreislauf der Passat-Winde. Diese ermöglichten den «Dreieckshandel», der von 1500 an Schiffe aus Europa nach Westafrika und von dort über den Atlantik in die Karibik und weiter an die amerikanische Südostküste führte. Ohnehin mit einem geschützten Hafen gesegnet, lag Charleston im Einzugsbereich dieser «Handelswinde», die im Sommer aus dem Westen und Segler zurück nach Europa bliesen. Die Natur hat die gesamte Küstenregion des sumpfigen «Low Country» von Georgia bis North Carolina zudem mit ausserordentlich fruchtbaren Böden ausgestattet, die ideal für den Anbau von Reis und der besonders langfädigen und daher wertvollen «Sea Island»-Baumwolle geeignet sind.
Rasch wachsende Stadt
Dass die 1670 in den Carolinas eintreffenden britischen Siedler das Potential der Region erkannten und dann ausnutzten, lag an ihren Motiven. Sie kamen im Gegensatz zu den neuenglischen «Pilgervätern» nicht aus religiösen, sondern dank ihrer Beziehungen zu der britischen Karibik-Kolonie Barbados aus rein kommerziellen Gründen. Wie der Charlestoner Historiker und Anwalt Robert Rosen in seinem Standardwerk zur Stadtgeschichte erklärt, war Barbados eine Sklavenhaltergesellschaft, die durch den Zuckerbau enorm reich geworden und Mitte des 17. Jahrhunderts bereits überbevölkert war. 1660 lebten 26000 Weisse und 27000 afrikanische Sklaven auf der Zuckerinsel. Unter den Händlern in der Karibik fanden sich sephardische Juden, die später vor allem auf Jamaika in die Pflanzeraristokratie aufstiegen. Eine ähnliche Entwicklung sollte sich in den Carolinas abspielen.
Für die Briten auf Barbados lag daher die Suche nach neuen Siedlungsmöglichkeiten nahe, und dank der Passatwinde bot sich die Küste von South Carolina als natürliches Ziel an. Obwohl Spanien seit geraumer Zeit Anspruch auf die Gebiete nördlich seiner Besitzungen in Florida erhoben hatte, traf 1670 mit der «Carolina» ein erstes Schiff mit Siedlern aus England am Ashley River ein. Viele dieser Pioniere hatten Wurzeln in Barbados, und ein Grossteil der in den folgenden Jahrzehnten eintreffenden Neuankömmlinge stammte von dort. Sie brachten aus Barbados schwarze Sklaven, das auf Plantagen-Sklaverei gegründete Wirtschaftsmodell, eine dem heissen Klima gerechte Architektur und – für Weisse – liberale politische Institutionen mit. 1680 gründeten die Siedler im Südosten der Landzunge das nach dem sinnenfrohen König Charles II. benannte «Charles Towne». Vor spanischen Angriffen, feindseligen Indianern und dem berühmten Piraten Blackbeard durch eine Mauer geschützt, wuchs die Stadt rasch. Aber erst nach einigen Experimenten fanden Siedler um 1710 mit Reis eine «Cash Crop» (Geld-Ernte), die dem Zuckeranbau vergleichbare Profite abwarf.
Historiker vermuten heute, dass die ersten Reiskörner mit westafrikanischen Sklaven über den Atlantik kamen. Fest steht jedoch, dass diese Afrikaner speziell für ihre Kenntnisse des Reisanbaus «importiert» wurden, der von Sierra Leone bis Angola bereits viele Jahrhunderte lang etabliert war. Mit diesen Zusammenhängen befassen sich Experten wie Dale und Theodore Rosengarten, die wie Greene am College of Charleston arbeiten und sich – wie ihre Kollegen am jüdischen Studienzentrum dort – aufbau gegenüber als ausserordentlich freundlich und hilfreich erwiesen haben. Dale Rosengarten hat in Büchern und Ausstellungen die aus Westafrika stammende Kunst des Korbflechtens dargestellt, die zunächst der Reiskultur diente und sich seit der Zeit um 1900 zu einem blühenden Handwerk entwickelt hat. Die mit Palmblattstreifen vernähten Körbe aus Marschgras, Binsen und Piniennadeln werden meist von Afroamerikanerinnen hergestellt und an Strassenständen in Charleston und dem nördlichen Nachbarort Mount Pleasant feilgeboten. «Sweetgrass Baskets» sind längst in Museumssammlungen zu finden. Allerdings ist diese Kunst heute von der Vernichtung der Marschlandschaften durch Feriensiedlungen und Einkaufszentren bedroht, die alteingesessene Afroamerikaner verdrängt.
Der Reisanbau war enorm arbeitsaufwändig und machte jeweils im Juli die Überflutung der im Marschland angelegten Felder notwendig. Diese stillen Gewässer boten den ohnehin reichlich vorhandenen Moskitos ideale Biotope und führten damit zu Fieberepidemien, die Weisse in die Flucht schlugen. Daher stammt das Sprichwort, die Küstenregion sei «im Frühling ein Paradies, im Sommer die Hölle und im Herbst ein Spital». Darum verbrachten die Pflanzer die warme Jahreszeit in Charleston in Tavernen und Theatern, mit Glückspiel und den von Zeitgenossen besungenen «willigen Witwen». Die Sklaven aus Westafrika erwiesen sich als weitgehend resistent gegen Malaria, was ihre brutale Ausbeutung auf den Reisfeldern überhaupt erst ermöglichte. Die Plantagen um Charleston hatten bald einen derart hohen Bedarf an Sklaven, dass die Stadt zum wichtigsten Zielhafen für Menschenhändler in den USA wurde. Seit 2007 erinnert das in einem ehemaligen Auktionshaus für Sklaven etablierte «Old Slave Mart Museum» am Cooper River an diese Geschichte.
Die Arroganz der Charlestonians
Reis entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einem solchen Exportschlager, dass Charleston schon um 1730 zur reichsten Stadt Amerikas wurde. Die Vermögen von Pflanzern, Grosshändlern und Bankiers schufen nicht nur die einzigartige Stadtlandschaft Charlestons, sondern verliehen dieser Oberschicht auch politische Macht und ein kräftiges Selbstbewusstsein. Im Unabhängigkeitskrieg boten die Charlestonians einer britischen Flotte die Stirn, die im Juli 1776 an dem rasch aus Palmstämmen gebauten Fort Moultrie am Hafeneingang scheiterte. Auch hier kann der Besucher heute lange Reihen mächtiger Kanonen bewundern, die auf Fort Sumter gerichtet sind. Dass es zu der Kanonade kam, erklärt Harlan Greene jedoch mit der Arroganz der Charlestonians: Diese hätten ihrer Stadt mit besonderer Aggression gegen die Nordstaatler etwas von der verlorenen Grösse wiedergeben wollen.
Für jüdische Akademiker am College of Charleston wie Greene, die Rosengartens oder den aus Südafrika stammenden Historiker Adam Mendelsohn stellt die Geschichte Charlestons eine schwierige Herausforderung dar. Mendelsohn erklärt beim Interview in seinem Büro am Sylvia Vlosky Yaschik Jewish Studies Center, die Charlestoner Juden hätten wie diejenigen in Südafrika die Chancen wahrgenommen, die sich ihnen in diesen rassistischen Gesellschaften geboten hätten. Dabei kam ihnen die liberale Verfassung Charlestons entgegen. Aber wie Greene erklärt Mendelsohn diese Inklusivität durch eine weisse Solidarität, die zwangsweise aus der überwältigenden Mehrheit der Schwarzen in der Bevölkerung der Stadt hervorging. Diese weisse Solidarität hat rassistische Denkmodelle hervorgebracht, die sich lange in den Südstaaten – und in Südafrika – gehalten haben. Die Sklaverei wandelte sich für deren Apologeten zu einem wohltätigen System, das die von der Natur zum Dienen bestimmten Schwarzen der Fürsorge geistig überlegener Weisser unterstellte. Diese selbstgerechte Sichtweise gerann zu der sentimentalen Sehnsucht nach einer goldenen Vergangenheit, die in der Anekdote von Oscar Wilde greifbar wird.
Laut Greene war diese Ideologie noch vor 50 Jahren evident. Seinerzeit habe Charleston den 100. Jahrestag der Sumter-Kanonade als glanzvolle Feier begangen. Heute würdigen die Museen in der Stadt und die historischen Plantagen der Umgebung das Leid der Schwarzen und ihren Beitrag zum Wohlstand Charlestons sorgfältig und detailliert. Eine Ausnahme stellt das Confederate Museum an der Meeting Street dar, vor dem bis heute die Südstaaten-Flagge weht. Das Haus wird von älteren Damen mit blasser Haut betrieben, die sich als Mitglieder der United Daughters of the Confederacy vorstellen und Besucher freundlich, aber bestimmt das Fotografieren untersagen. Die Damen stammen von Soldaten der Südstaaten ab. Ihr Museum bezeichnet den Bürgerkrieg als «Krieg der nördlichen Aggression» und ignoriert die Sklaverei vollständig. Stattdessen sind in dem klassizistischen Bau Haarlocken, Waffen und die grauen Uniformen zu sehen, die konföderierten Truppen den romantischen Beinamen «Gallant Greys» gaben.
Greene erklärt, dass auch das College Schwarzen erst seit 1970 offensteht. Doch heute studieren dort mit 800 von etwa 10000 Immatrikulierten mehr jüdische als afroamerikanische Studenten. Dies geht auf den rasanten Aufschwung der Stadt unter dem langjährigen Bürgermeister Joseph P. Riley zurück, ist aber auch Martin «Marty» Perlmutter zu verdanken, dem ausserordentlich tüchtigen Direktor des Jewish Studies Center. Der Demokrat Riley leitet die Geschicke der Stadt seit 1975. Der Sohn irischer Einwanderer hat Charleston aus dem Windschatten der Geschichte gesteuert und in ein boomendes Touristen- und Veranstaltungszentrum mit 125 000 Einwohnern verwandelt. Um 1980 lag diese Zahl noch bei 40 000. Riley bewahrte der Stadt das Kapital ihrer historischen Bausubstanz, liess jedoch die zerfallenen Kais am Cooper River durch Parks und einen modernen Kreuzfahrt-Hafen ersetzen. Als Geniestreich Rileys erwies sich der Ableger des italienischen Spoleto Festival, das seit 1977 jeden Juni über zwei Wochen lang Zehntausende von Touristen und hochkarätige Kultur nach Charleston bringt. Darunter sind auch jüdische Musiker, Künstler und Theaterleute zu finden, die häufig in Zusammenarbeit mit dem Jewish Studies Center an dem Festival teilnehmen. Aber gleichzeitig hat der Touristen- und Immobilienboom die schwarze Bevölkerungsmehrheit aus Charleston ins Umland vertrieben, wo Mieten, Grundstückspreise und Steuern deutlich günstiger sind.
Das Jewish Studies Center wird seit 1991 von Marty Perlmutter geleitet. Der Philosoph ist als Sohn von Berliner Naziflüchtlingen in Washington Heights in Manhattan aufgewachsen und kennt den aufbau aus seiner Jugend. Er kam 1978 an das College of Charleston. Von anderen Gesprächspartnern als unermüdlich und kreativ gerühmt (vgl. Interview mit Rabbiner Stephanie Alexander, S. 13), wirkt Perlmutter bei der persönlichen Begegnung eingangs freundlich und zurückhaltend. Aber binnen Minuten stellt er Kontakte her und gibt wertvolle Ratschläge. Gemeinsam mit Adam Mendelsohn hat der Philosoph Ende Mai auch einen lehrreichen Kongress über die amerikanischen Juden im Bürgerkrieg ausgerichtet, der uns zu dieser Ausgabe angeregt hat. Perlmutter hat das Angebot des Jewish Studies Center beharrlich ausgebaut und damit Studenten aus dem Norden angelockt, die meist ebenso überrascht wie beeindruckt von der jüdischen Geschichte Charlestons sind. Als erfolgreicher Spendensammler legt er derzeit die finanziellen Fundamente für die Erweiterung des erst 2003 eingeweihten Studienzentrums.
Vermutlich nicht zuletzt dank seiner eigenen Familiengeschichte betrachtet Perlmutter Charleston aus einem anderen Blickwinkel als Greene: «Selbstverständlich war die Region hier ein einziges Sklavenarbeits-Lager. Aber wir sollten darüber nicht die weltoffene Tradition von Charleston vergessen. Diese hat schon vor 330 Jahren eine Koexistenz der Religionen ermöglicht, von der andere Weltgegenden bis heute nur träumen können.» ●
Andreas Mink ist US-Korrespondent der JM Jüdische Medien AG.


