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29. September 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 39 Ausgabe: Nr. 39 » September 29, 2011

Demokrat gerät in Betrugskandal

Von Andreas Mink, September 28, 2011
EIN RAUBEINIGER DEMOKRAT Barney Frank gerät zunehmend unter Druck

Ein einflussreicher Demokrat aus Massa­chusetts steckt mitten im Betrugskandal um die Online-Poker-Firma Full Tilt Poker.
Schwere Zeiten für den demokratischen Kongressabgeordneten Barney Frank. Die von ihm und Senator Chris Dodd 2010 nach langen Mühen durch das Parlament bugsierte Finanzreform gerät zunehmend unter den Druck der Wall-Street-Lobby, die beispielsweise auf die Lockerung der Regeln für den Derivats-Handel dringt. Dabei lässt «Dodd-Frank», wie das Gesetz in Washington genannt wird, nach Meinung vieler Experten der Finanzbranche schon jetzt zu viel Spielraum für Spekulationen. Aber inzwischen haben sich auch die republikanischen Präsidentschaftskandidaten auf das Reformwerk eingeschossen, das angeblich die Unternehmungslust der Finanzbranche und damit die Schaffung neuer Arbeitsplätze lähmt.



Legalisierung von Online-Poker

Um Arbeitsplätze geht es bei der zweiten Krise, die dem raubeinigen Demokraten aus Massachusetts zu schaffen macht. Frank setzt sich seit Jahren für die Legalisierung von Online-Poker in den USA ein, um nach Irland und auf britische Kanalinseln abgewanderte Firmen zurück auf das amerikanische Festland zu locken. Die Industrie ist darüber so erfreut, dass sie Franks Wahlkampkasse regelmässig mit Spenden füllt. So hat die von den prominenten Spielern Rafael Furst, Howard Lederer und Chris Ferguson 2004 gegründete Online-Firma Full Tilt Poker (FTP) Frank mit über 30 000 Dollar unterstützt. Doch seit dem Frühjahr gehen Ermittlungsbehörden gegen das von Irland aus operierende Unternehmen vor. Am vergangenen Freitag hat die Bundesstaatsanwaltschaft in New York gegen Lederer, Ferguson und eine Reihe von FTP-Angestellten Anklage erhoben.
Die Behörde wirft FTP vor, ein «Ponzi-System» nach «Madoff-Muster» betrieben und insgesamt 444 Millionen Dollar an Einsätzen von Spielern veruntreut zu haben. Lederer und Ferguson allein sollen jeweils 42 und 25 Millionen Dollar abgezockt haben. Da Online-Poker in den USA illegal ist, hatten Ferguson und Lederer ein kompliziertes System entwickelt, dass amerikanischen Bürgern Einsätze in «Phantomgeld» erlaubte, das reale, über ausländische Banken an FTP geleitete Guthaben reflektierte. Diese «Phantom-Gewinne» wurden dann aus den «echten» Guthaben ausbezahlt. Nun ist auf den FTP-Konten anscheinend nur noch «Phantom-Geld» vorhanden. FTP war noch bis ins Frühjahr in der Lage, Gewinne auszuzahlen oder Abbuchungen aus Spieler-Konten nachzukommen. Doch im April hat die Firma den Zahlungsverkehr eingestellt. Nun verlangt die Staatsanwalt die Rückerstattung unrechtmässig entnommener Beträge an das Unternehmen, um Spieler wieder in den Besitz ihre Einlagen zu setzen.

Kaltblütige Reaktion

Barney Frank reagiert auf diese Misere mit vertrauter Kaltblütigkeit. Er hat der Staatsanwaltschaft zunächst geraten, sich um die durch die Immobilienkrise geschaffenen «leeren Häuser» zu kümmern, statt um die «full houses» von FTP. Dann gab der 70-Jährige seiner tiefen Enttäuschung über die Betrügereien der Poker-Asse Ausdruck. Inzwischen hat Frank angekündigt, dass er die FTP-Spenden zurückzahlen will. Aber dazu muss erst ein Gericht über die Einrichtung eines Kontos entscheiden, aus dem die von FTP betrogenen Spieler ihre Einsätze wiederbekommen können. 



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