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Stadt mit Zukunft

Von Ranit Nahum-Halevy, September 16, 2011
Akko, die lange vergessene Küstenstadt im Norden Israels arbeitet an ihrem Comeback. Beispiele dafür sind unter anderem ein neues Einkaufszentrum, geplante neue Wohnviertel und die unaufhaltsam steigenden Preise für Wohnungen in der Altstadt.
AKKO AM MITTELMEER Immobilienhaie haben die Stadt entdeckt

Zurzeit ist die Hafenstadt Akko im Norden Israels daran, sich ihres Images als verschlafenes Städtchen an der Peripherie zu entledigen. Derzeit wird die Stadt von Immobilienmaklern belagert, befinden sich doch nicht weniger als sieben neue Wohnviertel in verschiedenen Phasen des Bauprozesses. Führend in der Entwicklung ist die Azrieli-Gruppe, die demnächst ein neues Einkaufszentrum in der Stadt eröffnen wird.
Auf die Frage, ob sich eine Investition in Akko lohne, meint Bürgermeister Shimon Lankri lakonisch: «Wenn Azrieli bis hierher gekommen ist, dann können Sie Ihre eigenen Schlussfolgerungen daraus ziehen.» Azrieli, dessen drei nach ihr benannte Türme in Tel Aviv inzwischen zu einem architektonischen Wahrzeichen der Stadt geworden sind, sieht ihr 150-Millionen-Projekt in Akko als Bestandteil einer neuen Investitionswelle in der Stadt. Die Supermarktkette Super-Sol baut ein Einkaufszentrum, und ein Detailgrosshändler will ein Handelszentrum errichten. Die Firma A. Levi Investment & Construction hat kürzlich die Ausschreibung der israelischen Bodenverwaltung für den Bau von 50 Wohnungen im Stadtzentrum gewonnen, und die Konzerne Peretz Bonei Hanegev, B. Gaon Holdings und Almog C.D.A.I. planen ebenfalls Projekte.
Einige Jahrzehnte lang gehörte die Stadt praktisch alleine der Baufirma E. Abada, die sozusagen jede Ausschreibung in der Gegend gewann. «Bis vor Kurzem gab es fast nur einen einzigen Bauherren in Akko», sagt Bürgermeister Lankri. «Erst in letzter Zeit sind andere Anbieter hinzugekommen. Noch vor wenigen Jahren hatte die Bodenverwaltung nur wenig Gelände in der Stadt zu niedrigen Preisen verkauft. So gewann Abada im Oktober 2001 eine Ausschreibung für rund 53 000 Schekel pro Wohneinheit und im Mai 2007 konnte die gleiche Firma zwei weitere Ausschreibungen für etwa 66 000 Schekel pro Einheit einstreichen. Vor allem weil weitere Anbieter dazu gekommen waren, war die vorerst letzte Ausschreibung im März 2011 interessanter. Die Preise pro Wohneinheit stiegen raketenhaft auf 130 000 Schekel.



Weniger Abwanderung

Dank seiner Monopolstellung in der Vergangenheit ist Abada heute in der Lage, eher zu verkaufen als zu kaufen und dabei stolze Gewinne zu erzielen. Das gilt insbesondere für das den Bau von rund 1000 Wohnungen ermöglichende Terrain in Akko. «Vor zwei Jahren», so Firmeninhaber Ernest Abada, «konnten wir eine neue 120 Quadratmeter grosse Wohnung für 650 000 Schekel verkaufen, heute erreichen solche Objekte Preise von bis zu 810 000 Schekel. Wir arbeiten in dieser Stadt seit 1987 und haben 4000 Wohnungen gebaut. Seit einigen Jahren haben wir das Gefühl, die Abwanderung von Stadtbewohnern in andere Ortschaften konnte gebremst werden und dies trotz der steigenden Preise.»
Die strategisch wichtige Lage der antiken Hafenstadt Akko zwischen Haifa im Süden und Nahariya im Norden war seit jeher ein Anziehungspunkt für Besiedlung, Handel und Eroberer.
Das Spektrum der Besitzansprüche in der Stadt leitet sich von ihrer langen Geschichte ab: Da gibt es das Eigentum des muslimischen Waqf, Eigentum der Kirche, Objekte im Besitz der Old Acre Development Company und Übertragungsurkunden aus der osmanischen Periode.
Die staatliche Liegenschaftsverwaltung Amidar hält 900 Wohneinheiten innerhalb der ummauerten Altstadt. Deren Bewohner, die «Schlüsselgeld» gezahlt haben, sind geschützt und haben Vorrechte im Falle eines Verkaufs der Einheiten. Obwohl das Verkaufen und Kaufen von Amidar-Wohnungen eine komplexe Angelegenheit ist, sind solche Transaktionen zur Routine geworden, und in den letzten Jahren sind die Preise sogar gestiegen. Kaufte man etwa Mitte 2008 eine Wohnung von 162 Quadratmetern für eine halbe Million Schekel, erreichte der Preis anderthalb Jahre später bereits 886 000 Schekel. Und unlängst wechselte ein Objekt von 160 Quadratmetern in der Nähe des Meeres für über eine Millionen Schekel den Besitzer. «Der Liegenschaftsmarkt in der Altstadt von Akko», so Anwalt Doron Goshen, Rechtsberater der Old Acre Development Company, «ist für Investoren, die hohe Profite anstreben, attraktiv geworden, wobei Mietwohnungen eine Rendite von bis zu 10 Prozent erzielen.»
Zur Auffrischung Akkos gehören Investitionen in Tourismusprojekte wie zum Beispiel zehn Millionen Schekel in das Effendi Palace Hotel. Geplant sind zudem die Renovation des Boutique-Hotels Akkotel oder die Umwandlung des Khan es-Shuna (Getreideherberge) aus der Kreuzritterperiode in ein 200-Zimmer-Hotel sowie die Restaurierung des Nordflügels des historischen Gefängnisses in der Stadt. Auch der alte Hafen soll renoviert werden.
In der auf einer Halbinsel angesiedelten Altstadt von Akko blüht das Immobiliengeschäft. Die teuersten Zonen befinden sich rund um den Fishermen-Platz direkt am Meer und in der leicht zurückgesetzten Gegend des Leuchtturms. Am Fishermen-Platzgibt es kaum noch Objekte zum Kaufen, und die Preise für eine authentische 90 Quadratmeter grosse Wohnung mit hohem Plafond und Mosaikböden haben die  Grenze von einer Million Schekel bereits überschritten. Vor allem Käufer aus dem Landesinneren suchen solche Wohnungen.

Akkos Veränderung

Die gegenwärtige Einwohnerzahl Akkos von rund 47 000 Personen soll mit Hilfe von rund 2000 neuen Wohneinheiten in sieben neuen Vierteln erhöht werden. Ein Hochhaus der Gruppe Shikun & Binui (der Unternehmerin Shari Arison) soll 400 Wohneinheiten, 400 Hotelzimmer und einen Country Club enthalten. Zudem werden im Stadtzentrum drei 20-stöckige Hochhäuser gebaut. Die Vier-Zimmer-Wohnungen werden zu je 820 000 Schekel angeboten. Exklusive Dachwohnungen  und Lofts mit je 170 bis 220 Quadratmetern kosten jeweils über 2,2 Millionen Schekel.
Trotz seiner reichen Geschichte und einzigartigen kulturellen Stätten war es Akko bisher nicht gelungen, eine obere Mittelklasse anzuziehen. Während Jahren galt die Stadt als wirtschaftlich rückständig. Sie litt chronisch unter Budgetdefiziten und hatte Mühe, die Löhne der städtischen Angestellten pünktlich zu zahlen. Im Jahr 2001 jedoch verlieh die UNESCO Akko den ersehnten Aufschwung, indem sie die Altstadt in die Liste ihres Weltkulturerbes aufnahm. Zwischen 2003 und 2005 lancierte Bürgermeister Lankri ein ökonomisches Rehabilitierungsprogramm, entliess Arbeiter und unterzog die Abteilung für Steuereinkassierung einer gründlichen Reform. Lankri gelang es, vom Staat über 700 Millionen Schekel zu mobilisieren; er brachte 40 neue Betriebe in die Stadt, investierte rund 540 Millionen Schekel in Infrastruktur und Entwicklung und verbesserte die Rate der städtischen Steuereintreiberei von 50 auf heute 90 Prozent. Der Haushalt der Stadt wuchs sukzessive von 150 auf 240 Millionen Schekel. Das brachte Investoren nach Akko, und die wiederum treiben die Wohnungspreise in die Höhe.   



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