Am Webstuhl der Sprache
Schalom, mi at? Ani Rina. We atta? Mi atta? Ani Dani.
Mit diesen und anderen einfachen Sätzen werden Iwrit-Lernende am Institut für Jüdische Studien bereits in der ersten Stunde dazu animiert, selbst zu reden und die Umgebung auf Hebräisch zu entdecken. Mit den Vokabeln werden die ersten Buchstaben eingeführt, und nach sieben Wochen ist das ganze Alphabet bekannt. Mit einem Grundwortschatz von etwa 150 Vokabeln lassen sich bereits die ersten kleinen Dialoge inszenieren.
Sinnvolle Inhalte
Der Unterricht orientiert sich am Lernmodell der Hebrew University in Jerusalem. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass die Übungstexte die Lernenden als erwachsene Menschen ernst nehmen. Jeder sprachlich noch so einfache Text hat einen sinnvollen Inhalt, und so vermittelt das Lehrbuch «Hebrew from Scratch» von der ersten Lektion an viel Wissenswertes zur israelischen und jüdischen Kultur, Geschichte und Religion. Die witzigen Karikaturen erhöhen zudem das Lernvergnügen und erhellen oft den Text an Stellen, wo ohne Bild lange Erklärungen nötig wären. Obschon Arbeitsanweisungen, Grammatikerklärungen und Vokabelübersetzungen in Englisch abgedruckt sind, animiert das Buch in hohem Mass, Hebräisch durch Hebräisch («iwrit be iwrit») zu lernen. Wie in Israel wird im Unterricht sobald als möglich nur noch Hebräisch gesprochen und die Studierenden werden so wenigstens während der Lektionen der Sprache in verschiedenen Kontexten ausgesetzt. Nach zwei Jahren sind die Studierenden fähig, einfache Texte auf Hebräisch zu lesen, zu verstehen und ihre Meinung dazu schriftlich und mündlich auszudrücken. Nicht wenige besuchen anschliessend einen Ulpan in Israel.
Fremde Schrift
In Israel wird der Sprachunterricht in sechs Stufen eingeteilt: Aleph-Bet-Gimel-Dalet-He-Waw. In Basel wird während der vier Semester (à drei Wochenstunden) die Stufe Aleph abgeschlossen. Diese ist erfahrungsgemäss die zeitintensivste. Iwrit – im Gegensatz zu Englisch – ist am Anfang schwer und wird dann immer leichter. Die fremde Schrift bildet eine erste Hürde: Bis es vom Buchstabieren zum Erkennen von Wörtern kommt, dauert es oft Wochen. Eine gewisse Fremdheit bleibt lange bestehen und wirkt sich verlangsamend auf das Lesetempo aus. Eine zweite Hürde sind die Vokabeln: Wie kann ein Anfänger oder eine Anfängerin sich z. B. merken, dass «lesapper» «erzählen» heisst? Oder «machschew» «Computer»? Das Lernen der ersten Vokabeln ist wie das Einrichten eines Webstuhles, bei dem die Längsfäden gespannt werden müssen. Mit der Zeit kommen die Querfäden dazu: «sippur» – «Erzählung», «sefer» – «Buch», «sifrija» – «Bibliothek» oder «lachschow» – «denken», «cheschbon» – «Rechnung». Diese Vokabeln sind mit den oben genannten verwandt und deshalb schon nicht mehr ganz so schwer zu lernen. Wenn dann wie bei einem wachsenden Stoffstück Muster sichtbar werden, von denen sich andere Vokabeln und Verbformen ableiten lassen, macht sich das beglückende Gefühl breit, die Fremdheit der Sprache überwunden zu haben.


