Adieu Madame
Nicht nur Freunde machte sich Micheline Calmy-Rey während ihrer neun Jahre als Aussenministerin. In gewissen jüdischen Kreisen erntete sie Kritik, weil sie auch die palästinensische Position anhörte und vertrat. Mit ihrer Hilfe entstand allerdings in aller Stille die Genfer Initiative, ein Lösungsansatz für den Nahostkonflikt, den Israel als Einmischung empfand. Der wirtschaftlich motivierte Besuch beim iranischen Holocaustleugner Ahmadinejad mit strahlendem Lächeln und weissem Kopftuch wurde nicht nur in Israel heftig kritisiert. Durch ihren Mann hatte die Aussenministerin private Kontakte zu Israel und besuchte mit ihm an Jom Kippur die Synagoge der Liberalen Gemeinde in Genf. Calmy-Rey verfolgte eine «aktive Neutralität». Die international geschätzte Konfliktmediation gehörte zu den Prioritäten der nicht immer diplomatischen Chefdiplomatin. Nach ihrer Rücktrittserklärung sagte sie, die Schweiz werde ihre Interessen noch stärker auf internationaler Ebene verteidigen müssen. [gb]


