logo
9. September 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 36 Ausgabe: Nr. 36 » September 9, 2011

Abschied von der Kindheit

Von William Stern, September 9, 2011
Im Jüdischen Museum der Schweiz in Basel fand am vergangenen Donnerstag die Vernissage zur Ausstellung «Am Übergang – Bar Bat Mizwa» statt. Die Sonderausstellung widmet sich der Thematik des Übertritts von der Kindheit ins Erwachsenenalter in jüdischen Gemeinschaften.
VERNISSAGE IM JÜDISCHEN MUSEUM Gaby Knoch-Mund führt in das Thema der Sonderausstellung ein

In einem Seitenraum des Jüdischen Museums der Schweiz – begleitend zur ständigen Ausstellung – wird dem Besucher der Sonderausstellung «Am Übergang – Bar Bat Mizwa» ein Einblick gewährt in diesen für die jüdische Kultur essenziellen Initiationsritus. Anhand von persönlichen Gegenständen, Wunschlisten, Dankesbekundungen, Einladungsschreiben und Interviews erfährt man von neun jüdischen Kindern nähere Hintergründe über die Zeit vor, während und nach der Bar und Bat Mizwa. Anhand von zwei in der Mitte des Raumes angeordneten Tischen wird symbolhaft die Aufteilung in den weltlichen und den religiösen Teil der Bar und Bat Mizwa abgebildet. Dabei beschränkt sich die Ausstellung nicht nur auf zeitgenössische Darstellung: verschiedene Memorabilien – Schulhefte mit Schreibübungen, Stiche,  Illustrationen und Briefe schlagen die Brücke zur Vergangenheit und lassen erahnen, welchen Stellenwert die Bar und Bat Mizwa im 18., 19. und 20. Jahrhundert hatten. Ebenfalls wird Wert gelegt auf eine Erwähnung der Traditionen und Riten der anderen monotheistischen Religionen hinsichtlich des Übergangs von der Kindheit zum Erwachsenenalter.



Das Persönliche im Mittelpunkt

Wie die Leiterin des Museums, Gaby Knoch-Mund, in ihrer Eröffnungsrede erläuterte, soll die Ausstellung vor allem auch dazu dienen, nicht jüdischen Kindern und Jugendlichen die Kultur ihrer jüdischen Altersgenossen näher zu bringen. Dieser Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen: Bereits jetzt sollen zahlreiche Schulklassen ihr Interesse an einem Besuch der Ausstellung bekundet haben. Die geschickte Nutzung von modernen Medien in Form der eingangs erwähnten Interviews mag ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, dass das Museum vermehrt von jüngeren Besuchern und Besucherinnen frequentiert werden wird. Ein weiterer Pluspunkt ist die Fokussierung auf das Persönliche: Wie Gaby Knoch-Mund auf Nachfrage ausführt, soll der Mensch – in diesem Fall die jüdischen Kinder und Jugendlichen – im Zentrum des Interesses stehen. Eine willkommene Abwechslung zu den oftmals etwas trockenen Museumsinhalten.

Klein, aber fein

Man wünscht sich denn auch fast, dass die Platzverhältnisse ein wenig grosszügiger bemessen wären: Ein grösserer Ausstellungsraum hätte dem Thema sicherlich ein wenig mehr Entfaltungsmöglichkeiten gewährt. So beschränkt sich die Schau auf eine kleine, aber feine Auswahl von Gegenständen und Schriftstücken. Für Besucher, die sich eingehender mit der Thematik auseinandersetzen wollen, existiert begleitend eine Publikation des Museums, in der verschiedene Autoren, Jugendliche und Eltern zu Wort kommen. Filmvorführungen und ein interreligiöses Podiumsgespräch im kommenden März runden das reichhaltige Programm ab. Die Ausstellung dauert noch bis zum 30. April 2012. 



» zurück zur Auswahl