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Masal Tov Ausgabe: Nr. 34 » August 26, 2011

«Auf Simches!»

Von Nicole Dreyfus, August 26, 2011
Es gibt tausend Möglichkeiten, ein Fest zu feiern. Ob in einem Hotel, einem Restaurant oder unter freiem Himmel – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wo aber gibt es in der Schweiz den schönsten Raum? Und bei wem das beste Essen? Diesen und anderen Fragen ging tachles nach und stellte eine Auswahl zusammen.
OB IM BALLSAAL ODER IM GEWÄCHSHAUS Locations für eine Feier gibt es viele

Wer kennt es nicht: Ein Saal mit wunderschön gedeckten Tischen, Blumendekorationen, soweit das Auge reicht, und Essen wie im Schlaraffenland. Das alles und noch viel mehr gehört für viele zu einem rauschenden Fest. Lieber zu viel als zu wenig, so die Devise. Schliesslich soll man die Feste feiern, wie sie fallen, so das Sprichwort. Gerade in der jüdischen Tradition ist das Fest, die «simcha», ein wichtiger Orientierungspunkt im Jahres-, ja im Lebenszyklus. Darum verbringen viele Familien die Zeit vor einer Hochzeit oder Bar Mizwa damit, Abklärungen zu treffen: Wo soll das Fest stattfinden? Im Ausland? In der Schweiz? Und wenn ja, wo? Sind diese Fragen einmal geklärt, kommen schon die nächsten hinzu: Wer liefert gutes Essen? Wo kriegt man die schönste Dekoration? Für die Eventmanagerin Denise Sachs-Rothschild steht daher die richtige Organisation an erster Stelle: «Oft ist der Kunde aufgrund der Flut an Informationen zu Lokalitäten, Catering, Dekoration und Entertainment überfordert und es fällt ihm schwer, einen Anlass zusammenzustellen, der die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten erfüllt.» Aus diesem Grund hat sich die erfahrene Eventmanagerin vor einigen Jahren selbstständig gemacht. Sie ist stets darum bemüht, ihrer Kundschaft ein tolles Fest zu ermöglichen. Denn der Kunde verlange schliesslich eine optimale Unterstützung für den bevorstehenden Anlass. So sei es ihr wichtig, dass der Auftraggeber bei Koordination, Organisation und Durchführung des Events durch ihre Arbeit entlastet werde und somit entspannter Gastgeber sein könne. «Ich organisiere alles, was das Herz des Kunden begehrt», ist Sachs-Rothschilds Leitmotto. In jüdischen Kreisen bereite sie vor allem Hochzeiten, Bar und Bat Mizwot, Grossanlässe für wohltätige Institutionen, aber auch Geburtstage oder Firmenanlässe vor. Der entscheidende Vorteil eines jüdischen Eventmanagements ist für Sachs-Rothschild die Tatsache, dass sie die Gepflogenheiten, die Bräuche, die traditionellen Abläufe, den religiösen Hintergrund sowie die Regeln der «kaschrut» kenne. Im Gegensatz zu ihrem Tätigkeitsfeld wird die Arbeit des klassischen «Wedding Planner», wie er uns aus den USA bekannt ist, in der Schweiz aber kaum verlangt. Hochzeitsplanerin Sarit Frenkel musste bereits die Erfahrung machen, dass die Nachfrage hier im Gegensatz zu anderen Ländern nicht so gross ist. Dennoch ist das Angebot vorhanden und Frenkel von der Tatsache überzeugt, dass sich ein Brautpaar viel Geld und Stress ersparen würde: «Nur schon ein paar Tipps in die richtige Richtung helfen, grosse Fragen zu beantworten.»



Feier im Hotel

Ob mit oder ohne Unterstützung von aussen stellt sich für alle Gastgeber die Frage, welcher Ort für ein jeweiliges Fest am geeignetsten ist. Möchte man Feier und Übernachtung kombinieren, bieten sich mehrere Dutzend Hotels in Zürich, Basel, Bern oder Luzern an. Das Hotel Baur au Lac in Zürich gehört beispielsweise zu den Traditionshäusern der Stadt und wurde kürzlich einer umfassenden Renovierung unterzogen. Besonders anziehend auf Brautpaare wirkt der Garten, der sich im Sommer für ein Hochzeitsfest nur so anbietet. Und sollte das Wetter eine Feier im Garten nicht zulassen, stehen diverse Bankettsäle als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung.
Nicht weniger traditionell ist das Hotel Widder mitten in der Zürcher Altstadt. Die acht historischen Häuser wurden vor Kurzem sorgfältig renoviert und bieten ein einmaliges Ambiente. Etwas für Romantiker ist das kleine Dreisterne-Hotel Florhof nahe beim Kunsthaus. Die Zimmer im Laura-Ashley-Look vermitteln pure Gemütlichkeit. Der Weinkeller im romantischen Kellergewölbe wurde speziell für kleinere Anlässe bis 20 Personen eingerichtet – für grosse jüdische «smachot» leider eher ungeeignet. Einen moderneren Stil vertreten das Hotel Marriott, das Crowne Plaza und das Park Hyatt, letzteres in der Nähe des Kongresshauses im Zürcher Enge-Quartier gelegen. Alle drei Hotels sowie auch das kürzlich total renovierte Dolder Grand auf dem Zürichberg bieten sich für grössere Hochzeitsgesellschaften an. All ihre modern eingerichteten Ballsäle mit zum Teil über 390 Quadratmetern sind ideale Orte für ein rauschendes Hochzeitsfest. Wer Aussicht geniessen möchte, dem sei das Hotel Belvoir in Rüschlikon empfohlen. Als Geheimtipp, gar als «Leuchtturm in der Branche», wird das erst im April dieses Jahres wieder eröffnete Hotel am linken Zürichseeufer in den Medien gepriesen. Vor allem mit der umwerfenden Aussicht über den Zürichsee, vom Bürkliplatz bis zu den Glarner Alpen, kann die Konkurrenz auf dem Platz Zürich nicht mithalten. Das Hotel Palace in Luzern oder das Hotel Jungfrau Victoria in Interlaken können in Sachen Ausblick und Komfort dem Zürcher Konkurrenten allerdings problemlos das Wasser reichen. Wer seine Simcha im Herzen der Schweiz plant, ist sicherlich mit dem Palace in Luzern sehr gut beraten. Den Blick auf den Vierwaldstättersee und die malerische Kulisse der Innerschweiz wird wohl kein Gast so schnell vergessen. Eine bezüglich Komfort ausgezeichnete Alternative bietet auch das Hotel Bellevue Palace in Bern, das für seinen ausgezeichneten Service und seine Routine mit jüdischen Anlässen bekannt ist. Doch wer aus praktischen Gründen auf Bergkulissen in der Innerschweiz und Nähe zur Politprominenz verzichten muss, dem öffnen sich zum Beispiel in der Rheinstadt ausgezeichnete Alternativen. Das Hilton Basel nahe dem Bahnhof oder das Le Plaza bieten für jüdische «smachot» das perfekte Ambiente. Und wer sich gerne dort trauen möchte, wo der geistige Vater Israels seine Vision eines jüdischen Staates hatte, der kann sich im Grand Hotel Les Trois Rois feiern lassen. Für das verheiratete Paar steht selbstverständlich auch Herzls ehemalige Suite für Übernachtungen zur Verfügung – mit Balkon und Sicht auf den Rhein.

Exotisch oder klassisch

Aber nicht nur Hotels versprechen mit ihren Ballsälen die passende Umgebung für unvergessliche Festanlässe. Mittlerweile existieren in der Schweiz viele Locations, insbesondere im Raum Zürich, die für Festaktivitäten jeglicher Art ausgerichtet sind. So kann man sich bei romantischer Atmosphäre zwischen Pflanzen und schönster Dekoration im Giardino Verde am Fuss des Üetlibergs in Uitikon sogar religiös trauen lassen. Der Ort erinnert stark an die in Israel typischen Hochzeitsgärten, die es sonst hierzulande nicht gibt, und liefert genügend Platz für das anschliessende Festessen. Auch die Blumenhalle in Zürich-West kann in eine Oase von Orchideen verwandelt werden. Sie ist ebenfalls ein Ort, der keine Wünsche offen lässt und wohl jedes Fest unvergesslich macht. Wer lieber in der Nähe des Stadtzentrums feiern möchte, dem bieten der Festsaal des Kaufleuten und der Börsensaal direkt beim Paradeplatz genügend Raum für Bankett und Party. Ebenso stilvoll wie geräumig für einen grossen Anlass ist der Grosse Saal der ICZ. Seit der früher eher dunkle und fensterlose Raum in neuem Glanz erstrahlt, hell und lichtdurchflutet, gilt er wohl als einer der geeigneten Säle, um Familienfeste, Hochzeiten oder andere «smachot» zu feiern. Wem dieser allerdings immer noch zu klein ist, da sein Fest noch grössere Dimensionen annimmt, der weicht wohl am besten auf das Kongresshaus aus. Dessen Ballsaal ist wohl der optimale Ort für Grossanlässe, auch im privaten Rahmen. Dor haben bis zu 3000 Personen Platz.

Fest für die Sinne

Bleibt noch die Frage, wo es das beste Catering gibt. Sie lässt sich nicht einhellig beantworten, gibt es doch in der Schweiz einen kleinen, aber qualitativ sehr hochstehenden Markt für koscheres Essen an Festanlässen. Für Judith Cohen und ihr Catering Taam we reach gilt es als die oberste Maxime, mit Ästhetik und Qualität ein Fest für die Sinne hinzuzaubern. Phantasie heisst ihr Zauberwort. Cohen lässt sich gerne auch mal vom Internet über die neusten Trends unterrichten. «Ich gehe auf jeden Kundenwunsch ein, solange er umsetzbar ist», sagt die routinierte Köchin. Bei einem Anlass von maximal 700 Personen gelangt ihre Kapazität aber an ihre Grenzen. Auch für den Inhaber des Basler Restaurants und Cateringservices Topas, Albert Dreyfuss, ist es das wichtigste Gebot, Qualität und Kulinarik auf einen Nenner zu bringen. Bisher war das Unternehmen vor allem für Bankette und Dinners zuständig. «Je nach Veranstaltung gibt es aber immer mehr Anfragen für Buffets und Stehlunchs», sagt Dreyfuss und freut sich über die steigende Nachfrage nach Alternativen zum klassischen Diner. Doch auch für ihn und sein Team ist es ein Unterschied, ob man seine Gäste drei bis fünf oder sechs bis neun Stunden bedient. «Es wird dann automatisch mehr von uns erwartet und wir versuchen, dem so gut es geht gerecht zu werden», sagt er. Anspruchsvolle Kundschaft hat auch Ziri Fein in Zürich, die sich mit wunderschön angerichteten Buffets einen Namen gemacht hat. Im Durchschnitt bereitet sie Essen für 600 Gäste zu. Sollte die Zahl mal etwas grösser sein, findet auch sie noch eine Lösung. Ihr ist vor allem wichtig, dass jeder zu einer schönen «simche» kommt und ihn weder Preis noch Leistung daran hindern. Mit Erfahrung und ebenso viel Herz geht es, wie auch den anderen, Ziri Fein darum, die Kundschaft glücklich zu machen. «Schliesslich will jeder die schönste ‹simche› haben.»



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