Vermittler mit Herz
Der gebürtige Basler Ruedi Hoffmann, dessen Berufsweg in der Hotellerie begann, kennt «seinen Holbeinhof» sozusagen bis auf die letzte Schraube. Als ehemaliger Leiter des jüdischen Alterheims La Charmille in Riehen war er vertraut mit den Bedürfnissen und Wünschen seiner Pensionärinnen und Pensionäre – gefragtes Know-how bei der Konzeption eines neuen Pflegeheims im Zentrum des jüdischen Basel. Das Projekt Holbeinhof war ein ehrgeiziges Unterfangen, das drei Institutionen und Stifter vereinte: das Alterspflegeheime Leimenklinik, La Charmille sowie die Pflegeabteilung der Altersresidenz Dalbehof. Nicht nur die Bewohner dieser drei Heime, sondern auch das Personal der verschiedenen Institutionen musste sich an ein Miteinander unter neuen Vorzeichen gewöhnen. Dass dies gut und zügig gelungen ist, darauf ist Ruedi Hoffmann stolz.
Ein Vermittler
Frauen und Männer aus 29 Nationen und allen Weltreligionen arbeiten im Holbeinhof. Die wenigsten von ihnen sind mit dem Judentum und seinen Vorschriften vertraut. Deshalb war es stets eine wichtige Aufgabe Hoffmanns, die Angestellten regelmässig zweimal pro Jahr weiterzubilden. Und so ist er auch zu einem Vermittler geworden, der immer wieder Pflegefachklassen oder andere interessierte Gruppen mit dem Konzept des Holbeinhofs vertraut gemacht hat, dessen Ziel ein Mit- und nicht ein Nebeneinander der Religionen ist.
Es war stets Ruedi Hoffmanns Credo, den Holbeinhof wie ein Hotel zu führen. Deshalb hat er Hotelfachangestellte auf den Etagen eingesetzt: «Die Pflege kann sich so auf ihre Aufgaben konzentrieren und der Roomservice ist für alle anderen Wünsche und Bedürfnisse der Gäste da.» Auch hat er den Tagesablauf gelockert. So muss zum Beispiel niemand um acht Uhr frühstücken, denn so Hoffmann: «Wieso sollten wir die Leute aus den Betten holen, wenn sie noch ein wenig schlafen könnten? Frühstücken kann man bis elf Uhr, das ist kein Problem.»
Gute Jahre
Den Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt so viel Freiheit wie möglich und so viel Pflege wie nötig zu geben, darum ging es dem nun pensionierten Heimleiter. Eine Aufgabe, die weit mehr als acht Stunden täglich dauerte und kaum ein geregeltes Wochenende kannte – Zeit, die seiner Frau und den zwei Töchtern abging. Und selbst an Basels drei schönsten Tagen lag der Holbeinhof für den passionierten Fasnächtler und Tabourmajor der Basilisggen auf der Route. Seit der Eröffnung verging kein Jahr, an dem die Clique nicht ein Ständchen im Heim gegeben hätte.
Ein anderer Bereich, der Hoffmann sehr am Herzen lag und in den er viel Aufbauarbeit investiert hat, ist die Restauration. Das öffentliche Café des Holbeinhofs, das vegetarisch geführt wird, und der koschere Speisesaal haben sich im Quartier und in der Gemeinde fest etabliert. Ergänzt wird das Angebot von einem Catering-Service.
Ganz im Ruhestand ist Ruedi Hoffmann noch nicht. Bis zu seiner offiziellen Pension im Januar 2013 arbeitet er weiterhin in Teilzeit für den Verein Jüdisches Heim La Charmille. «Natürlich ist es nicht so einfach, loszulassen, vor allem, weil ich von Beginn an dabei war. Es waren gute Jahre, auch bezüglich der Zusammenarbeit mit der Gemeinde», sagt Ruedi Hoffmann. Da ist viel Herzblut zu spüren, und so verwundert es wenig, wenn er zwei Wochen nach seiner Pensionierung wieder im Holbeinhof war. Dieses Mal allerdings als Gratulant, um einer 100-jährigen Pensionärin alles Gute zu wünschen.


