Nüchterne Depeche
Ron Prosor, Israels UNO-Gesandter und einer der profiliertesten Diplomaten des Landes, sandte letzte Woche eine klassifizierte Depesche an das Aussenministerium, wonach Israel keine Chance habe, genügend Staaten dazu zu bewegen, die Resolution zur Anerkennung des Palästinenserstaates anlässlich der Vollversammlung vom 20. September zu verhindern. Aus dem Büro des Premierministers sickerte derweil durch, dass Netanyahu der Vollversammlung möglicherweise fern bleibe und stattdessen Präsident Peres teilnehmen werde. Er soll dort Israels Standpunkt möglichst konziliant und gemässigt darstellen. Das Aussenministerium geht zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass ungefähr 130 der UNO-Mitgliedstaaten die Anerkennung Palästinas unterstützen werden. Während die Mehrheit der israelischen Offiziellen die UNO-Abstimmung analog zum Goldstone-Bericht als etwas Unvermeidliches betrachtet, das verurteilt werden muss, gibt es eine Minderheit, die dafür plädiert, den Text der Resolution so zu beeinflussen zu versuchen, dass er zumindest eine Verpflichtung der Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Israel beinhaltet. [TA]


