Die jüdische Kosmetik-Königin und der antisemitische Konzern
Helena Rubinstein sei eine geniale Verkäuferin von Fiktionen gewesen, schreibt die britische Kulturhistorikerin Ruth Brandon in ihrem neuen Buch «Ugly Beauty. Helena Rubinstein, L’Oréal and the Blemished Story of Looking Good (HarperCollins, New York). Zu Deutsch: «Hässliche Schönheit. Helena Rubinstein, L’Oréal und die unreine Geschichte des Guten Aussehens.»
Flucht aus Krakau
Laut Brandon flüchtete die 24jährige polnische Jüdin Helena Rubinstein, älteste von acht Töchtern eines armen Petrolhändlers, 1896 aus Krakau zunächst zu Verwandten nach Australien. 20 Jahre später habe sie ein Haus an der eleganten Park Avenue in New York besessen und sei Millionärin gewesen. Gesegnet mit einem wunderbaren Teint habe sie ihren Kundinnen ihre Gesichtscremes und anderen Produkte zu hohen Preisen verkaufen können. Als Hitler an die Macht kam, forderte sie ihre Verwandten in Polen auf, nach Amerika zu kommen, sie habe genügend Arbeitsstellen für sie. Eine einzige Schwester lehne ab und wurde später in einem Vernichtungslager ermordet. Nach dem Krieg unterstüzte Helena Rubinstein Israel. 1928 habe sie ihr Imperium an Lehman Brothers verkauft, es gleich darauf wieder zurück gekauft und geführt, bis sie 1965 mit 93 Jahren starb.
Einen Kronprinzen hatte die Kosmetik-Königin nie aufgebaut, auch nicht unter ihren Kindern aus verschiedenen Ehen. So konnte es kommen, dass der Konzern L’Oréal 1988 die Marke Helena Rubinstein schlucken konnte. Ausgerechnet – denn der Gründer von L’Oréal, Eugène Schueller, der 1957 mit 76 Jahren starb, habe die «arische Ästhetik» der Nazis grenzenlos bewundert. Grosszügig unterstützte er eine gewalttätige, rechtsextreme Organisation namens «La Cagoule» (die Kapuze) seines Freunes Eugène Deloncle. Gemeinsam gründeten sie das Mouvement Social Rßevolutionnaire (MSR), das im Oktober 1941 Bombenanschläge auf sieben Pariser Synagogen verübt habe. Bei La Cagoule habe Schueller einen jungen Mann namens André Bettencourt gefunden, der seine Tochter Liliane heiratete und Präsident von L’Oréal wurde.
Entlassung des jüdischen Verwaltungsratsmitglied
Kaum hatte L’Oréal das Kosmetikimperium Helena Rubinstein gekauft, geriet der Konzern auf die Boykott-Liste der Arabischen Liga. Um daraus getilgt zu werden, wurden umgehend alle jüdischen Verwaltungsratsmitglieder entlassen, schreibt Ruth Brandon. Die Rubinstein-Filiale in Israel sei in Interbeauty umbenannt worden. Ein ehemaliger Cagoule-Mann wurde Chef der Konzern-Abteilung Helena Rubinstein.
Heute, so kann man immer wieder mal in den Klatschspalten lesen, liefern sich die hochbetagte Liliane Bettencourt, nach dem Tod ihres Mannes noch immer Chefin von L’Oréal, und ihre Tochter erbitterte Gerichtsgefechte, weil die alte Dame viele Millionen Euro einem «Künstler» schenkte und ihr die Tochter deshalb die Mündigkeit absprechen lassen will. Auch Nicolas Sarkozy habe von ihrem Geld profitieren können, heisst es . [GB]


