logo
12. August 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 32 Ausgabe: Nr. 32 » August 12, 2011
WIRTSCHAFT

Stiglitz erwartet «L-förmige Malaise»

August 11, 2011
In einem Interview mit Yahoo.Finance hat Joseph Stiglitz gestern eine düstere Prognose für die USA abgegeben. Der Wirtschaftsnobelpreisträger erwartet für die kommenden Jahre schlimmstenfalls eine Serie von Rezessionen. Das optimistische Szenarium des Professors an der New Yorker Columbia University ist dagegen eine «L-förmige Malaise nach japanischem Vorbild», also ein steiler Absturz des Wirtschaftswachstums gefolgt von einer langen Stagnation.
Nobelpreisträger Joseph Stiglitz zeichnet düstere Progrnosen

 

Joseph Stiglitz hält das jüngste Abkommen in Washington über die Beschränkung staatlicher Ausgaben für eine Katastrophe. Wachstum sei in den USA unter heutigen Umständen nur mit staatlichen Stimuli oder durch eine Entschuldung privater Haushalte mit Hilfe der öffentlichen Hände möglich. Dies gelte in erster Linie für die Millionen Hausbesitzer, die immer noch nicht zur Bedienung ihrer Hypotheken in der Lage seien. Die Obama-Regierung habe 2009 den für die Immobilienkrise verantwortlichen Banken auf die Beine geholfen, aber ihr Versprechen für entsprechende Hilfen für die breite Bevölkerung nicht eingelöst. Öffentliche Budgetkürzungen würden dagegen zu einer Verschlechterung der Konjunktur beitragen, so Stiglitz.

Der Ökonom gab sich sehr pessimistisch über die Aussichten der USA und führte die Ursachen der heutigen Malaise auf bekannte Ursachen zurück: Die massiven, von George W. Bush 2001 durchgesetzten Steuersenkungen, die zu einer Finanzierung der Kriege in Afghanistan und im Irak auf Pump geführt habe, sowie die ebenfalls von Bush – und beiden Parteien im Kongress – beschlossenen Ausdehnung der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Diese kommt laut Stiglitz in erster Linie der Pharmaindustrie zugute und werde ebenfalls nur durch Kreditaufnahmen finanziert.

Der Ausweg aus der Krise ist für Stiglitz offensichtlich: Ein neues, staatliches Konjunkturprogramm, Steuererhöhungen, ein rascher Abschluss der militärischen Abenteuer in Übersee und eine drastische Begrenzung der Unternehmensgewinne im Gesundheitswesen. Dass die Obama-Regierung und die Demokraten im Kongress heute weder den Willen, noch die Macht zur Ausführung dieser Schritte besitzen, erwähnte Stiglitz nicht. Aber in seiner pessimistischen Perspektive hat er diese Erkenntnis schon vorweggenommen. [AM]

 





» zurück zur Auswahl