Die Stadt Köln finanziert Jüdisches Museum
Die Stadt Köln war bis zu einer Serie blutiger Pogrome um 1420 ein Zentrum jüdischen Lebens und jüdischer Kultur am Rhein. Dass die älteste Gemeinde nördlich der Alpen auch für die Stadt insgesamt grosse Bedeutung hatte, lässt sich schon daran ablesen, dass das Judenviertel im Herzen Kölns lag und nicht wie andernorts etwa am Rande. Vor einiger Zeit wurden bei Bauarbeiten am Rathausplatz Überreste dieses Bezirks freigelegt. Dies löste eine Diskussion über den Umgang mit diesen im heutigen Deutschland naturgemäss auch politisch sensiblen Kulturzeugnissen aus. Doch jüngst hat der Stadtrat entschieden, das Judenviertel mit Überresten von Synagoge, Taufbad, Hospital, Bäckerei und Tanzhaus freizulegen und mit einem Museum zu überbauen. Die Kosten sollen sich auf über 50 Millionen Euro belaufen.
Da ein privater Sponsorenverein nicht in der Lage war, auch nur einige Millionen zu sammeln, hat sich die Stadt nun entschlossen, 37 Millionen Euro für das Projekt aufzubringen. Das Land Nordrhein-Westfallen kommt für den Rest auf.
Angesichts leerer Kassen kommt der Entschluss einem kleinen Wunder gleich, deutet aber auch die epochale Bedeutung dieses Fundes an. Das 10 000 Quadratmeter grosse Ausstellungsareal in der Altstadt trägt inzwischen den Namen «Archäologische Zone» und wird nach Abschluss der Grabungen nicht nur in Mitteleuropa seinesgleichen suchen. So erklärte Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD), die Wiederentdeckung des historischen Erbes der Stadt stelle einen «auch international beachteten kulturellen Höhepunkt» dar, der Besucher aus aller Welt an den Rhein ziehen dürfte. Die Grabungen auf dem Gelände zwischen dem Historischem Rathaus und dem Wallraf-Richartz-Museum laufen seit 2007 und sollen mindestens noch zwei Jahre andauern. Bereits heute ist in der Grube ein Labyrinth von Gassen und Stiegen erkennbar, deren Enge auf die knappen Platzverhältnisse in einer ummauerten Stadt des Mittelalters hinweist.
Während der Diskussion hatte es Missklänge gegeben. So musste sich der CDU-Fraktionschef im Stadtrat, Winrich Granitzka, für eine Presseerklärung entschuldigen, in der es fälschlicherweise geheissen hatte, die Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg und der Kreis der Direktoren der jüdischen Museen in Deutschland hätten sich gegen ein eigenständiges Jüdisches Museum in Köln ausgesprochen. AM


