Zwangsurlaub in Griechenland
Die sogenannte «Freedom Flotilla II», die von griechischen Häfen aus mit zehn Schiffen humanitäre Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen will, ist bereits vor ihrer Abfahrt in stürmische Gewässer geraten. Zuerst legte ein Streik der griechischen Gewerkschaften infolge der drängenden Haushaltsdebatte den Athener Hafen in Piräus lahm, danach wurden gemäss der Online-Plattformen der beteiligten propalästinensischen Aktivistengruppen die Schiffsschrauben zweier Schiffe sabotiert. Seither blockieren die griechischen Behörden das Auslaufen (vgl. S. 12). Begründung: Das versuchte Durchbrechen der israelischen Seeblockade des Gazastreifens könne das Leben der beteiligten Aktivisten gefährden. Beim ersten Flottenversuch vor einem Jahr starben bei der Erstürmung des türkischen Schiffs «Mavi Marmara» durch die israelische Armee neun Personen. Griechenland hat in Absprache mit der Uno den Aktivisten als Kompromiss angeboten, die Hilfsgüter auf griechische Schiffe umzuladen und über offizielle Kanäle nach Gaza zu bringen. Der Vorschlag wurde abgelehnt. Stattdessen versuchten zwei Schiffe, die kanadische «Tahrir» und die amerikanische «Audacity of Hope», ohne Bewilligung der Hafenbehörde die griechischen Gewässer zu verlassen. Sie wurden von der Küstenwache zur Umkehr gezwungen und nach Athen zurück eskortiert. Einzig die kleine französische Motorjacht «Dignité al Karama» soll es mit acht Passagieren an Bord in internationale Gewässer geschafft haben.
Man will heim
Währenddessen ist die Zahl der Aktivisten von rund 1000 Personen auf gut 300 geschrumpft. Zerka Sahnoune der Genfer Organisation Droit pour tous, die mit einem aus Spenden finanzierten Frachtschiff und medizinischen Hilfsgütern von Athen aufbrechen wollte, ist selbst wieder zurück in der Schweiz – wie alle anderen Schweizer Aktivisten und Aktivistinnen, die tagelang in Griechenland ausharrten. «Das war eine frustrierende Erfahrung», sagt Sahnoune, «aber die Aktion war kein Fehlschlag. Die Medienaufmerksamkeit war hoch, die Öffentlichkeit hat erfahren, wie wir ohne zwingende Begründung an der Abreise gehindert wurden.» Wie lange die restlichen Aktivisten noch in Athen warten wollen, darüber kann Sahnoune nur spekulieren. «Vor meiner Abreise hörte ich, dass ein Abbruch der Aktion in Erwägung gezogen wurde. Der Erfolg des französischen Schiffs hat jedoch neuen Mut verliehen.» Hilfsgüter kommen damit zwar nicht nach Gaza. «Aber der symbolische Gehalt ist bedeutender: Die Personen demonstrieren Willen zur Unterstützung.»
Freiheitssymbol
Damit wird deutlich, dass es nie in erster Linie um die materielle Unterstützung ging. Nathan Finkelstein vom Genfer Collective urgence Palestine, zu dem auch Droit pour tous gehört, sagt: «Niemand hat erwartet, dass die geplanten 2000 Tonnen Hilfsgüter an der Situation in Gaza etwas ändern. Die Flotte steht symbolisch für die Möglichkeit des freien Personen- und Warenaustausches.» Wäre das Ziel gewesen, die isra¬elische Seeblockade zu durchbrechen, so müsse man, bekennt Finkelstein, nach heutigem Stand von einem «Misserfolg» ausgehen. «Immerhin haben sich die Medien des Themas prominent angenommen. Man hat nun viel erfahren über die Flotte, über das griechische Aussenministerium und die Propagandabemühungen der israelischen Regierung – jedoch wenig über die Situa¬tion in Gaza», fügt er kritisch an. Sitzt der Frust tief? «Wir haben die Schiffe noch», entgegnet Finkelstein, «vor einem Jahr wurden sie von den israelischen Behörden konfisziert. Eine dritte Flotte müsste also nicht bei null beginnen.».


