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Juli 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 7 Ausgabe: Nr. 7 » July 7, 2011

Denkanstösse

July 7, 2011

«Nachts, wenn es dunkel ist und niemand zuschaut», zeichnet der New Yorker Eli Valley Comics. Diese waren bislang etwa im Traditionsblatt «Forward» zu sehen, für das Valley als «artist in residence» arbeitet. In den USA findet seine Arbeit grosse Aufmerksamkeit, weil er antisemitische Klischees auf- oder schwungvoll in jüdische Debatten eingreift. Indem er etwa dem einflussreichen Offiziellen Abe Foxman tyrannisches Verhalten unterstellt, gibt Valley Denkanstösse, die nicht überall gerne aufgenommen werden.



Diese Ausgabe ist jungen und nicht mehr ganz so jungen Kreativen gewidmet, die neue Ideen entwickeln und in Kunst, Kultur und Wissenschaft Denkanstösse geben. Wie im Fall des Zeichners Valley kommen diese nicht jederzeit und überall gut an. So muss sich auch Rachel Rosenfield mit Widerständen auseinandersetzen, auch wenn diese ganz anderer Natur sind. Sie hat aus ihrer Auseinandersetzung mit der jüdischen Tradition den Anstoss gezogen, Gemeindeinstitutionen im Grossraum New York zu «vergrünen».
Rosenfield war massgeblich an der Entwicklung eines Programms beteiligt, das Angestellte jüdischer Institutionen zu Agenten des Wandels macht. Von Stadt und Staat New Yorks begeistert unterstützt, verwandeln Rosenfield und ihre Mitstreiter jüdische Einrichtungen in Vorbilder mit Strahlkraft weit in die breitere Gesellschaft. So werden Gemeindeinrichtungen zu Hoffnungsträgern in einer politischen Szenerie, die das Thema Klimawandel auf Bundesebene zunächst auf Eis gelegt hat. Auch hier wollen jüdische Verbände bald aktiv werden.

Die junge Journalistin Rachel Gilman aus Colorado setzt sich derweil im amerikanischen Westen mit dem Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Natur auseinander. Den Weg an die Öffentlichkeit suchen auch der Mediziner Brad Spellberg und der Fotograf Adam Nadel. Spellberg schreibt hier über seine Arbeit auf dem Feld der Antibio¬tika. Seit seinem Bestseller «The Rising Plague» (2009) ist der Kalifornier zum prominentesten Kopf im Kampf gegen Mikroben zumal in Krankenhäusern geworden, die auf herkömmliche Medikamente nicht mehr ansprechen und jährlich allein in den USA etwa Hunderttausend Menschenleben fordern. Spellberg plädiert für eine «Breitband»-Initiative, die staatliche Zulassungsmechanismen novellieren, aber auch neue Anreize für die Pharmaindus¬trie geben würde, die sich aus dem nicht sonderlich profitablen Antibiotika-Geschäft zurückgezogen hat.

Mit den Mechanismen der modernen Medienindustrie setzt sich der Fotograf Adam Nadel auseinander. Er wurde in der Branche zunächst als Agentur-Fotograf bekannt, ehe er internationale Anerkennung als Kriegsfotograf fand. Doch Nadel stiess sich bald am Umgang mit seinen Aufnahmen vor allem aus Palästina, die von seinen Auftrag¬gebern zur Illustration vorgefasster Sichtweisen des Konfliktes verwandt wurden. Sein Bestreben, die von ihm Fotografierten nicht von ihrer eigenen Geschichte zu trennen, hat Nadel nicht nur zu formellen Experimenten geführt, sondern zu der Entwicklung thematischer Serien. Diese waren «Noncombattants» – also Zivilisten in Kriegszonen – ebenso gewidmet wie zuletzt Akteuren und Betroffenen im Kampf
gegen die Menschheitsgeissel Malaria. Auch Nadels Arbeiten sind hier zu sehen – und geben Ihnen hoffentlich Denkanstösse.



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