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1. Juli 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 26 Ausgabe: Nr. 26 » July 1, 2011

Rudolf Franks vielfältiges Schaffen

Von Esther Müller, July 1, 2011
32 Jahre nach dem Tod Rudolf Franks ist in der Universitätsbibliothek Basel unter dem Titel «… ein sehr lebhaftes Vielerlei» eine kleine, aber feine Ausstellung über den Theatermann und Schriftsteller Rudolf Frank zu sehen, die Leben und Werk des Vielfachbegabten porträtiert.

Ein mannshohes, aufgeklapptes Buch zieht den Blick des Besuchers auf sich, wenn er die Ausstellung betritt. Es ist der 1931 erschienene Kriegsroman «Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua». Hinter dem heute etwas seltsam anmutenden Titel verbirgt sich die Geschichte eines 14-jährigen polnischen Jungen, der sich im Ersten Weltkrieg deutschen Soldaten anschliesst und im Verlaufe der Geschichte lernt, den Krieg mit anderen Augen zu sehen. Eine Geschichte, die den Nationalsozialisten ebenso missfiel wie ihr jüdischer Autor Rudolf Frank – so wurde der Antikriegsroman 1933 verboten und verbrannt.
Die Neuauflage als Jugendbuch mit dem Titel «Der Junge, der seinen Geburtstag vergass» 1979 wurde mehrfach ausgezeichnet und ist bis heute erhältlich – eine rare Ausnahme unter den vielen Texten, die der 1886 in Mainz geborene Rudolf Frank geschrieben hat. Ursprünglich promovierter Jurist, arbeitete er an diversen Bühnen, entdeckte unter anderem Brechts erstes Theaterstück «Trommeln in der Nacht» 1922 für die Münchner Kammerspiele und brachte Karl Valentin und Liesl Karlstadt aus dem Kabarett ins Theater. Auch arbeitete Rudolf Frank als Theaterkritiker und Feuilletonist, war schon in jungen Jahren als Herausgeber tätig und verfasste ab den frühen dreissiger Jahren Hörspiele und Drehbücher.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten beendete Franks Karriere; mit Berufsverbot belegt, konnte er nur noch in jüdischen Verlagen publizieren. In seinem 1936 erschienenen, kontrovers diskutierten Auswanderer-Roman «Ahnen und Enkel» forderte Frank seine deutsch-jüdischen Landsleute auf, das Land zu verlassen. Er selbst ging 1936 in die Emigration: zuerst nach Österreich, 1938 in die Schweiz, wo schon seine zwei Söhne lebten. Auch hier durfte Frank offiziell nicht arbeiten; er umging mit diversen Pseudonymen das Verbot und übersetzte unter anderem Autoren wie Lewis Sinclair, Louis Bromfield und John Steinbeck aus dem Englischen ins Deutsche, ohne die Sprache jemals regulär in der Schule gelernt zu haben oder im englischen Sprachraum gewesen zu sein. 1943 von einem Schweizer Kollegen denunziert, verbrachte Frank die restlichen Kriegsjahre in verschiedenen Lagern interniert, da die aufgrund seiner verbotenen Berufstätigkeit verhängte «lebenslängliche Ausweisung» undurchführbar war. Nach Kriegsende erhielt Rudolf Frank in der Schweiz Dauerasyl und liess sich in Binningen nieder.
Erst sehr spät erinnerte sich die Bundesrepublik an Frank und zeichnete ihn 1966 mit dem Bundesverdienstkreuz aus, die Stadt Mainz verlieh ihm 1971 die Gutenberg-Plakette. Der von Winfried Weinke kuratierten Ausstellung, die bereits in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt und der Universität in Giessen zu sehen war, gelingt es, mit Bild-, Film-, Ton- und Textdokumenten Leben und Werk von Rudolf Frank spannend nachzuzeichnen. Was bleibt, ist neben der Faszination über die Vielfältigkeit von Franks Schaffen der Wunsch, manch einer der vorgestellten Texte würde neu aufgelegt werden.    


Bis 1. September, Universitätsbibliothek, Schönbeinstrasse 18–20, Basel. www.ub.unibas





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