Nur wenige können Wohnungen kaufen
Zu einem für die Mehrheit der poten-ziellen israelischen Wohnungskäufer wenig erfreulichen Ergebnis gelangt eine Studie des Technion Haifa. Nur die reichsten 30 Prozent aller Israeli können sich den Kauf einer Wohnung leisten und zu diesem Zweck eine Hypothek zu vernünftigen Bedingungen aufnehmen. Entsprechende Einzelheiten haben Danny Ben-Shahar und Yaavoc Varshavsky von der Fakultät für Architektur und Städteplanung an einer Konferenz an der Tel Aviv University vorgelegt.
In Israel besagt die allgemein akzeptierte Definition für eine vernünftige Hypothek, dass der Betrag des Kredits 60 Prozent des durchschnittlichen Wohnungspreises von einer Million Schekel (umgerechnet etwas über 250 000 Franken) nicht übersteigt. Hypothekaranleihen übersteigen daher
in der Regel den Wert von 600 000 Schekel nicht. Auf der anderen Seite wird die Höhe der monatlichen Rückzahlungsquote für eine Hypothekaranleihe dann als vernünftig bezeichnet, wenn sie 30 Prozent des verfügbaren Monatseinkommens eines Käufers nicht übersteigt. Im vergangenen Oktober hat der israelische Zentralbankgouverneur Stanley Fischer die Konditionen für Hypotheken äusserst strikt gestaltet, wenn sie 60 Prozent des Werts einer Immobilie übersteigen.
Das Forscherteam des Technions ist bei seiner Arbeit zum Schluss gelangt, dass nur die reichsten 30 Prozent der israelischen Haushalte in der Lage seien, ein Wohnobjekt mit einer Hypothek käuflich zu erwerben, deren Wert erstens 60 Prozent des Kaufpreises der Wohnung nicht übersteigt. Zweitens sind diese Glücklichen in der Lage, ihre monatlichen Zahlungsraten auf maximal 30 Prozent des verfügbaren Monatseinkommens zu beschränken. Andere potenzielle Käufer würden sich zu einer Monatsrate verpflichten müssen, die über diesen 30 Prozent liegen würde. Die Forscher gelangten ferner zur Ansicht, dass die Hälfte der israelischen Haushalte in der Lage sei, ein Heim mit einer Hypothek von bis zu 80 Prozent von dessen Wert zu erwerben.
Massive Verteuerung
Gemäss weiterer Resultate der Technion-Studie haben die Löhne der ärmsten Einkommensklassen in den letzten 20 Jahren nicht Schritt halten können mit der Entwicklung der Wohnungspreise im Berichtszeitraum. Im Jahr 1989 entsprach der durchschnittliche Wohnungspreis 51,7 Monatslöhnen. Heute liegt diese Zahl bereits bei 90,7 Löhnen – ein Anstieg von 75 Prozent. Für Personen im untersten Einkommensbereich belief sich diese Zahl 1989 auf 108,6 Monatslöhne, im vergangenen Jahr aber schon auf 214,7 Löhne. Hier betrug der Zuwachs stolze 98 Prozent. «Diese Resultate», so fassen die Forscher ihre Arbeit zusammen, «unterstreichen die Notwendigkeit für weitreichende Reformen, welche die Möglichkeiten der Bürger, Eigenheime zu kaufen, drastisch verändern würden». Das sei nicht einfach ein Problem, das sich im Verlauf der letzten paar Jahre entwickelt habe, als die Immobilienpreise stark anstiegen. Das Problem habe sich vielmehr während der letzten zwei Jahrzehnte immer klarer manifestiert.
Häuser in der Peripherie
Die hohen Wohnungskosten waren an der letzten Wohnungsmesse in Tel Aviv klar spürbar. Die alljährlich durchgeführte, vom israelischen Bauzentrum betreute Messe wartete dieses Jahr mit dem üblichen Mix von Bauherren und Bauteams auf, doch an den Ständen genossen jene Firmen besondere Aufmerksamkeit und Beliebtheit, die Wohnungen oder Häuser in der Peripherie des Landes offerierten.
«Wir haben den Traum von einem Heim mit Garten im Zentrum des Landes nicht aufgegeben, aber der Traum hat uns aufgegeben», sagte ein jugendlicher Besucher der Messe, der sich für neue Wohnungen im Negev im Süden des Landes interessierte. Ein anderer Besucher fügte hinzu: «Sie offerieren in Galiläa für 1,3 Millionen Schekel Häuser auf einem Gelände von 500 Quadratmetern. Etwas Vergleichbares sucht man vergeblich im Zentrum Israels oder in Jerusalem.»


