New Yorker Geheimnisse
Fans von «Sex and the City» mögen sich an die Episode erinnern, in der Carrie Bradshaw um eine Hypothek zum Kauf eines Apartments in New York nachsucht. Da die von Sarah Jessica Parker gespielte Kolumnistin nicht einmal 1000 Dollar auf der Bank hat, wird der Antrag abgeschmettert. Im wirklichen Leben hat sich die Schauspielerin den Traum vom Wohneigentum am Hudson bereits mehrfach erfüllt. Zumindest spekuliert die New Yorker Presse darüber mit Leidenschaft. Denn Parker und ihr Gatte Matthew Broderick gaben sich grosse Mühe, ihren Wohnsitz in New York geheim zu halten. Wer will beim Verlassen seiner Bleibe ständig auf Fans und Paparazzi stossen? So hat das Paar vor wenigen Monaten eine Korporation namens «Heirloom Trust» gegründet, um für knapp 19 Millionen Dollar ein historisches Haus an der Zehnten Strasse im East Village von Manhattan zu erwerben. Die Tarnung flog jedoch auf, weil der Name von Parkers Manager Frank Selvaggi auf den öffentlich zugänglichen Dokumenten der Transaktion erschien. Das notwendige Kapital erlösten Parker und Broderick aus dem Verkauf eines Penthouse-Apartments westlich des Central Parks, das ihnen 21 Millionen Dollar einbrachte.
Nachdem die neue Adresse des Paares einmal bekannt war, fiel es den Medien nicht mehr schwer, auf den Websites von Maklern Innenansichten des 165 Jahre alten Hauses von Parker und Broderick zu entdecken. So präsentiert die populäre Immobilien-Website «curbed.com» eine ganze Galerie von Bildern aus dem eleganten Gebäude. Deshalb legen Prominente aus der Unterhaltungsbranche, Wirtschaft und Politik grossen Wert auf Anonymität, wenn sie in New York eine Wohnung erwerben – auch wenn sie ansonsten das Scheinwerferlicht suchen. So berichten Makler von Celebrities, die spätnachts zu einer Besichtigung erscheinen, nachdem sie sich zuvor schriftliche Vertraulichkeit haben zusichern lassen. Besonders beliebt ist die Gründung von Korporationen oder Investmentvehikeln (in den USA «Limited Liability Company» oder LLC genannt). Diese ermöglichen Transaktionen, ohne dass Investoren dabei namentlich auftreten.
Anonyme Käufer unbeliebt
Experten zufolge treten in Manhattan bei jedem dritten Verkauf hochwertigen Wohneigentums LLCs auf. Aber wie Parkers Beispiel zeigt, garantiert das noch lange nicht die erhoffte Anonymität.
So nannte die Schauspielerin Jennifer Aniston ihre LLC nach dem Namen ihres geliebten Corgi-Terrier-Mischlings «Norman‘s Nest». Zudem erschien auch der Name von Anistons Manager auf den Kaufdokumenten, als sie vor wenigen Wochen ein Apartment im West Village von Manhattan erstand. So wurde rasch bekannt, dass die ehemalige Lebensgefährtin von Brad Pitt für insgesamt sieben Millionen Dollar gleich zwei Apartments an der 299 West 12th Street erstanden hat. Juristen warnen vor weiteren Nachteilen beim Einsatz von LLCs für Wohnungstransaktionen: Bei einem profitablen Verkauf können erhebliche Steuernachteile entstehen. Und die besonders unter vermögenden Männern weitverbreitete Hoffnung, Immobilien im Falle einer Scheidung über LLCs vor dem Zugriff der ehemaligen Gattin zu schützen, erweist sich meist als vergeblich. So erklärt der prominente Anwalt Luigi
Rosabianca, vor New Yorker Gerichten ginge es bei Scheidungsfällen «wie im Wilden Westen» zu: Selbst ausgeklügelte Rechtskonstruktionen böten dann keine Garantie für die Kontrolle über Wohneigentum und andere Vermögenswerte.
LLCs können sich jedoch auch bei einer anderen New Yorker Eigenheit als problematisch erweisen. Gerade in Manhattan und dort in gesuchten Vierteln wie der Upper West Side oder der Upper East Side können sogenannte «Co-op Boards» ein gewichtiges Wort bei der Entscheidung über den Verkauf von Apartments in Gebäuden mitzureden haben. So gehören am Central Park West legendäre Wohnhäuser wie das Dakota, vor dem John Lennon 1981 erschossen wurde, «Co-ops» oder «Housing Cooperatives». Diese Eigentümer-Gemeinschaften haben das Recht, Interessenten abzulehnen und nehmen es mit der Auswahl neuer Nachbarn häufig ausserordentlich ernst. So sind mehrere Runden von Interviews keine Ausnahme, in denen Eigentümer-Räte mögliche Käufer nach Lebensgewohnheiten und persönlichen Ansichten fragen. So sollen spätere Konflikte über Lärm oder nervenaufreibende Politik-Debatten im Fahrstuhl vermieden werden. Es liegt auf der Hand, dass Co-op Boards Interessenten, die sich hinter LLCs verstecken, in der Regel nicht wohlgesonnen sind. Zudem haben gerade gut situierte New Yorker wenig Interesse an dem Rummel, den Prominente mit sich bringen. Dies stellt Pamela Liebman, Präsidentin der bedeutenden Immobilienfirma Corcoran Group, klar: «Eigentümer-Gremien, die ihre Pflichten ernst nehmen, wollen den Namen eines zukünftigen Nachbarn auf dem Kaufvertrag sehen.»
Diverse Luxus-Anwesen
Doch nicht alle Prominenten unternehmen derartige Anstrengungen zur Wahrung ihrer Anonymität. So hat die Rocksängerin Courtney Love über Monate versucht, ein Haus im Süden Manhattans zu finden, indem sie sich «curbed.com» anvertraute. Doch die Publizität hat Verkäufer abgeschreckt und so musste sich die skandalumwitterte Witwe von Kurt Cobain nun mit einer Mietwohnung an der West 10th Street abfinden, die «curbed.com»zufolge immerhin mit 28 000 Dollar im Monat zu Buche schlägt. Diese Summe dürfte den Financier Steven Schwarzman kaum beeindrucken, der im Jahr 2000 etwa 30 Millionen Dollar für ein dreistöckiges Apartment an der Adresse 740 Park Avenue bezahlte. Vorher unter anderem im Besitz von John D. Rockefeller, enthält die Luxusbleibe neben elf Kaminen, Sauna, Billardzimmer, Vorführraum und einer separaten Dienstboten-Unterkunft auch das grösste Wohnzimmer Manhattans. Schwarzman besitzt daneben Anwesen auf Jamaika sowie in St. Tropez, in Palm Beach und den Hamptons – für letzteres bezahlte er 38 Millionen Dollar. Das Wochenend-Häuschen verfügt über einen Landeplatz für Schwarzmans Hubschrauber. Vor Publicity scheut sich der Investor dabei nicht: Schwarzman hat zumindest seine Wohnung an der Park Avenue wiederholt den Medien zugänglich gemacht


