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1. Juni 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 22 Ausgabe: Nr. 22 » June 1, 2011

Die libanesische Raketenkrise

Moshe Arens zur Lage in Israel, June 1, 2011

Die Unruhen in Syrien haben die Aufmerksamkeit in Israel auf unsere Nachbarn im Norden – Libanon und Syrien – gelenkt, und ganz speziell auf die Hizbollah, die in Libanon über rund 50 000 Raketen verfügt, die jeden Flecken Israels erreichen können und dessen ganze Zivilbevölkerung gefährden. Wenn diese Raketen effektiv abgeschossen würden, könnten sie unermesslichen Schaden verursachen.



Diese ständig über den Israeli hängende Bedrohung beeinflusst die strategische Position des Landes auf entscheidende Weise. Seit vielen Jahren hatte ein fundamentales Element der israelischen Verteidigungsdoktrin in der Überzeugung bestanden, dass die Sicherheit der Zivilbevölkerung im Kriegsfall gewährleistet sein würde. Das ist seit der Bestückung Libanons mit diesen Raketen nicht mehr der Fall.

Im September 1962 stand der damalige US-Präsident John F. Kennedy vor einer ähnlichen Situation, als amerikanische Aufklärungsflugzeuge entdeckten, dass die Sowjets ballistische Raketen auf Kuba stationiert hatten. Kennedy war klar, dass sich das strategische Gleichgewicht zwischen den USA und der UdSSR mit den von Kuba aus gegen Amerika gerichteten Raketen wesentlich verschoben hatte. In der anschliessend als Kubakrise bekannt gewordenen Situation zeigte die Androhung von Gewalt von Seiten der USA Wirkung, und Regierungschef Nikita Chruschtschow beorderte die Raketen zurück nach Hause.

Die libanesische Raketenkrise, in deren Rahmen die Raketen fortlaufend an Zahl und Qualität zunehmen, hat sich phasenweise entwickelt, wobei Israels Regierende sie wiederholt ignorierten. Jetzt muss man sich der nicht mehr zu tolerierenden Situation aber stellen. Diese Bedrohung muss aus der Welt geschafft werden. Die Gefahr für die israelische Zivilbevölkerung wächst, und die Raketen bedeuten eine Eskalation des Terrorkriegs gegen Israel.
Dieser Zustand sollte auch die libanesische Bevölkerung in Sorge versetzen. Israelische Militäraktionen zum Zweck der Zerstörung der Hizbollah-Raketen – etwas, das früher oder später zwangsweise geschehen wird – würden auch für Libanon beträchtliche Zerstörung bedeuten. In anderen Worten: Solange diese Raketen sich in der Hand der Hizbollah befinden, sitzt das ganze Zedernland auf einem Pulverfass. Die Hiz¬bollah spielt sich zwar als Beschützerin Libanons auf, kreiert effektiv aber eine ernste Gefahr für dieses Land und seine Einwohner.

Saad Hariri, der durch die Manöver der Hizbollah als libanesischer Premierminister abgesetzte Politiker, meinte kürzlich: «Die Waffen der Hizbollah sind zu einem nationalen Problem geworden, das nach einer nationalen Lösung ruft.» Offensichtlich brachte Hariri seine Sorge darüber zum Ausdruck, dass die Hizbollah ihre Waffen benutzten könnte, um ihre politische Position in Beirut zu stärken und ihre politischen Gegner umzubringen. Auf diese Weise untergräbt die Miliz das politische System in Libanon.

Hariri sollte aber begreifen, dass diese Waffen bedeutend mehr gefährden als nur das libanesische System. Da die Raketen eine Gefahr für die israelische Zivilbevölkerung sind und entfernt werden müssen, schaffen sie ein physisches Risiko für Libanon und dessen Bevölkerung. Es ist wichtig, dass die Libanesen dies verstehen und für eine Entfernung der von der Hizbollah über das ganze Land verteilten Raketen sorgen.

Damit es so weit kommt, benötigt Libanon internationale politische Unterstützung. Man sollte meinen, der Uno-Sicherheitsrat würde die nötigen Resolutionen zu diesem Zweck verabschieden. Dass von der Hizbollah kontrollierte Land Libanon ist heute Mitglied des Sicherheitsrats. Es steht zu hoffen, dass US-Präsident Barack Obama sich dieser explosiven Situation annimmt.   

Moshe Arens, Likud-Mitglied, war früher Knessetabgeordneter und Verteidigungsminister.




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