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29. April 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 17 Ausgabe: Nr. 17 » April 29, 2011

Nach Oslo-Massaker hetzt Beck hetzt weiter

July 28, 2011
Der rechte Radio-Moderator Glenn Beck hat die Opfer der Anschläge von Oslo mit der Hitler-Jugend verglichen.
Glenn Beck spricht vor der Jahresversammlung der Konferenz der «Christian United for Israel conference» in Washington im Juli 2011.

In seiner populären Radio-Show hat Glenn Beck das Massaker auf der norwegischen Ferieninsel Utoyoa als «Schiesserei in einem politischen Ferienlager» bezeichnet. Dies erinnert den Rechtspopulisten «ein bisschen an die Hitler-Jugend: Wer kommt denn sonst auf die Idee, seine Kinder in ein politisches Lager zu schicken?»

Der Affront war typisch für Beck, der seine Verschwörungstheorien und Lügen entweder mit unschuldigem Gesicht nach dem Motto «man wird doch mal fragen dürfen» oder in der Pose des Hobby-Historikers verbreitet. Zuletzt hat er mit antisemitischen Äusserungen für Furore gesorgt. Dies hat Anfang Jahr Fox TV dazu bewegt, die Fernsehsendung von Beck aus dem Programm zu nehmen. Zuvor hatten 400 amerikanische Rabbiner aus allen Strömungen des Judentums in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige gegen «monströse» antisemitische Klischees von Beck protestiert. Der zum Mormomentum übergetretene Beck hatte dem Finanzier und Philantropen George Soros eine Reihe von TV-Sendungen gewidmet. Der Moderator hat Soros als «Blutsauger» und «Puppenmeister» mit einer geheimen, sozialistischen Agenda bezeichnet. Beck spricht gerne von einer «grossen Lüge», mittels derer ein Kreis von neun Männern die Amerikaner angeblich ihrer Freiheit berauben will. Acht davon sind jüdisch, darunter Sigmund Freud, George Soros und der Obama-Berater Cass Sunstein.

Neuerdings kapriziert sich Beck jedoch als Freund Israels und der «aus allen Ländern der Erde gejagten Juden». So liess er sich in den letzten Wochen von einem Kongress christlich-fundamentalistischer Israel-Freunde in Washington und von der Knesset bejubeln. Am 24. August will Beck eine Massenveranstaltung in Jerusalem abhalten, um seine Solidarität mit Israel zu demonstrieren.

Seit seiner Kündigung durch Fox konzentriert sich Beck wieder auf seine Radiosendung. Diese wird über das «Premiere Radio Networks» ausgestrahlt, das weitere Rechtspopulisten wie Sean Hannity und Rush Limbaugh unter Vertrag hat. Premiere Radio ist ein Tochterunternehmen des Mediengiganten Clear Channel Communications, der seit 2008 von den Hedge Funds Bain

Capital und Thomas H. Lee Partners kontrolliert wird. Dabei ist bemerkenswert, dass Bain Capital von dem heutigen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner Mitt Romney gegründet wurde. Romney ist längst bei Bain ausgeschieden, erhält aber dem Vernehmen nach als «pensionierter Partner» weiterhin Gewinnanteile. Clear Channel hat bislang keine Anstalten gemacht, Beck zu massregeln. [AM]

 

 





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