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15. April 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 15/16 Ausgabe: Nr. 15 » April 15, 2011

Die spannendste Zeit

Von Joël Wüthrich, April 15, 2011
Ein jüdischer Fussballer sorgt für Furore in der deutschen Bundesliga, und in den USA gibt es derzeit vier grosse Sport-Themen: den Strafprozess gegen das Baseball-Idol Barry Bonds, die Golf Masters 2011 und die Playoffs in der National Basketball Association und in der National Hockey League. Und bei all diesen Höhepunkten des Frühjahrs sind auf irgendeine Weise jüdische Exponenten dabei.
AMARE STOUDEMIRE New York liegt dem jüdisch-afroamerikanischen Basketballer derzeit zu Füssen

Wenn die Bärte bei den Eishockey-Profis spriessen, dann ist Playoff-Zeit. Für manche jüdischen Eishockeyprofis der besten Liga der Welt, der Nordamerikanischen National Hockey League (NHL), heisst es demnach «Rasieren verboten», bis man im Rennen um den begehrten Stanley Cup ausgeschieden ist. So hoffen manche darauf, dass es eine, im wahrsten Sinne des Wortes, haarige Angelegenheit wird in den kommenden Wochen. Mit im Rennen um die begehrteste Trophäe im Clubeishockey sind die beiden Montreal-Canadiens-Spieler Jeff Halpern und Michael Cammalleri. Auch dabei ist der sehr talentierte Torwart Cory Schneider (Vancouver Canucks), dem eine grosse Zukunft vorausgesagt wird. Die Playoffs beginnen am 13. April.



Jüdische Stars und Staranwälte

Eine besondere Geschichte liefert derzeit der Basketball-Superstar Amare Stoudemire. Er hat einen afroamerikanischen Vater und eine Mutter mit jüdischen Vorfahren. Er selbst begann vor zwei Jahren intensiv die Thora zu studieren und Iwrit zu lernen. Ein Besuch in Israel und seine Recherchen haben ihn in seiner Überzeugung gestärkt. Stoudemire gehört seit fast einem Jahrzehnt zu den begnadetsten Basketball-Profis der USA und ist wohl der Schlüsselspieler der New York Knicks, die erstmals seit vielen Jahren eine der Topmannschaften der besten Profiliga der Welt, der National Basketball Association (NBA), stellen. New York liegt ihm derzeit zu Füssen und die zahlreiche jüdische Bevölkerung der Region hat einen neuen Liebling.
Zwei andere jüdische Basketball-Profis der NBA werden in den Playoffs nicht vertreten sein: Jordan Farmar von den New Jersey Nets und Omri Casspi von den Sacramento Kings. Allen Ruby ist einer der fünf Anwälte, die eine «mission impossible» auferlegt bekamen: Sie müssen im zivilen Strafprozess wegen schweren Doping- und Rauschmittelvergehen den ehemaligen Baseball-Superstar Barry Bonds vor dem Gang ins Gefängnis bewahren. Ruby wird einiges zugetraut, seine Klienten sind meist sehr populäre Personen oder Organisationen aus dem Sportsektor. Unter anderem vertritt er auch die National Football Liga (NFL) gegen gewisse Milliardeklagen von Teambesitzern oder Spielergewerkschaften.
Einen überragenden Erfolg konnte diese Woche der südafrikanische Top-Profi-Golfer Charl Schwartzel verbuchen. Beim 75. US Masters in Augusta siegte der 26-jährige Schwartzel nach einem packenden Schlusstag. In Europa relativ unbekannt, ist Schwartzel in Nordamerika und Asien sowie in seinem Heimatland eine populäre Persönlichkeit. Wie beispielsweise der Rugby-Held aus den neunziger Jahren Joel Stransky gehört er der jüdischen Gemeinschaft Südafrikas an.

Zwei Cohens auf Erfolgskurs

Während einige jüdische NHL-Profis in den Playoffs Jagd auf den Stanley-Cup-Sieg machen, darf Colby Cohen nun in den Urlaub. Nach einigen erfolgreichen Saisons in der National Collegiate Athletic Association schaffte er zwar den Sprung in die NHL, aber mit den Colorado Avalanche blieb das Erreichen der Playoffs in weiter Ferne. Derweil kämpft Almog Cohen in einer anderen Sportart, im Fussball, in der deutschen Bundesliga um die Qualifikation für einen europäischen Clubwettbewerb. Almog Cohen ist israelischer Nationalspieler. Nach Gal Alberman und Roberto Colautti ist er der dritte Israeli, der sich in den letzten Jahren in der 1. Bundesliga versucht. Er verbucht aber mit Abstand den grössten individuellen Erfolg. Beim 1. FC Nürnberg gehört er zu einer Mannschaft, die in diesem Jahr alle Experten begeisterte. Nürnberg war vor der Saison 2010/11 als möglicher Kandidat für den Abstieg gehandelt worden, kämpft nun jedoch um einen Europacup-Platz. Almog Cohen spielt dabei eine wichtige Rolle mit seiner unerbittlichen Kampfkraft. «Almog ist ein lustiger Typ, der viele Scherze macht», sagt der Kapitän des 1. FC Nürnberg, Andreas Wolf. Aber auf dem Platz «ging er gnadenlos dazwischen». Nürnberg-Trainer Dieter Hecking nennt andere Qualitäten des Spielers von Maccabi Netanya. «Almog füllt die Lücken und kann taktische Marschrouten optimal umsetzen», wird der Kapitän zitiert. Das rustikale Einsteigen Cohens ist in der Bundesliga gefürchtet. Cohen, in einem Fachmagazin zitiert: «Ich versuche immer, den Ball zu erwischen, dass man sich ab und zu die gelbe Karte einzieht, gehört eben dazu.» Allerdings scheint der Nationalspieler inzwischen genau zu wissen, wann er sein Temperament zügeln muss. Und er hat auch Prinzipien: «Ich würde alles für den Erfolg in meinem Beruf tun. Einzig an Jom Kippur, da ist Fussball für mich nicht die wichtigste Nebensache der Welt.»   



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