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8. April 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 14 Ausgabe: Nr. 14 » April 8, 2011

Wohin steuert die IGB?

Editorial von Valerie Wendenburg, April 8, 2011

Rückzug. Sieben von zehn Vorstandsmitgliedern der Israelitischen Gemeinde  Basel (IGB) treten auf die nächsten Wahlen zurück (tachles berichtete), nach nur drei Jahren haben die Gemeindeverwalterin Hélène Loeb-Meyer und inzwischen auch Buchhalterin Corinne Kellenberger gekündigt. Gemäss Informationen von tachles könnte auch eine weitere leitende Mitarbeiterin die IGB in diesen Wochen verlassen. Gegenüber tachles gibt sich Gemeindepräsident Guy Rueff optimistisch. Er sieht in der Suche nach neuem Personal und neuen Vorstandsmitgliedern auch eine Herausforderung. Doch man kann die vielen Weggänge auch anders deuten in einer Traditionsgemeinde, die zurzeit nicht nur personell, sondern auch inhaltlich immer wieder Fragen offenlässt. Viele Menschen in- und ausserhalb der Gremien fragen sich, wohin die IGB steuert. Seit Wochen warten die IGB-Mitglieder auf Informationen der Task Force, die über die Zukunft der Jüdischen Primarschule (JPS) informieren möchte (tachles berichtete). Weitere Themen wie die Beziehungen zwischen der Gemeinde und Chabad oder das Thema Sicherheit stehen im Raume.



Abzug. Am Montag kommender Woche wird sich auch entscheiden, ob Ofek sich von der Gemeinde loslöst und sich stattdessen mit der Jüdischen Liberalen Gemeinde Basel Migwan zusammentut. Seit Jahren herrschen zwischen Ofek und der IGB Differenzen – im Speziellen geht es um die Möglichkeit der Nutzung oder eben auch Nichtnutzung der kleinen Synagoge der IGB durch Ofek (vgl. S. 5). Ofek erwartet mehr Toleranz von der Einheitsgemeinde und Guy Rueff betont gegenüber tachles, dass er es sehr bedauern würde, wenn sich Ofek abwenden würde. Aber, wenn wenn es nicht anders gehe, solle man «Reisende ziehen lassen», räumt er ein. Wenn Ofek sich aber tatsächlich von der IGB loslösen sollte, wäre dies ein Schlag für die IGB.  Zahlreiche Gemeindemitglieder sind aktiv bei Ofek und finden dort jüdische Formen, die die IGB nicht anbietet, vielen aber ein Bedürfnis sind.

Fragezeichen. Und auch hinsichtlich der JPS, die immer wieder «Herzstück» der Gemeinde genannt wird, ist noch offen, welcher Weg künftig eingeschlagen werden soll. Seit einigen Monaten beschäftigt sich eine zweite Task Force (tachles berichtete) mit dem Sorgenkind. Anstatt, wie angekündigt, im Frühjahr Ergebnisse zu präsentieren, teilte die Task Force am Mittwoch auf Anfrage von tachles alte Plattitüden mit: So heisst es, die Zeit bisher sei dazu genutzt worden, «ein Konzept für eine neue Jüdische Primarschule zu erarbeiten. Dabei wurde zum einen ein spezielles Merkmal gelegt auf die erstklassige Ausbildung der Schülerinnen und Schüler sowohl in jüdischen als auch in profanen Fächern. Weiter wurde versucht, die jüdische Atmosphäre der Schule zu erhalten und eine möglichst optimale Vorbereitung auf die weiterführenden Schulen zu erhalten.» Ein ausgearbeitetes Konzept werde den Eltern im Mai «vorgelegt», weitergehende Fragen könnten «vorgängig nicht beantwortet werden». Und so bleibt ein grosses Fragezeichen – hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Schule wie auch der Gemeinde selbst.

Symptome erkennen. Die Gemeinde vereint eine Gemeinschaft, die  offen informiert und  nicht hingehalten werden soll. Die zahlreichen Weggänge von Verantwortlichen sind zumindest ein Anzeichen dafür, dass in den letzten Monaten Problemzonen entstanden. Antworten auf drängende Themen seitens der IGB bleiben aus – die Mitglieder werden, was am Beispiel JPS deutlich wird, nicht in den Entscheidungsprozess miteinbezogen, sondern zu Informationsempfängern gemacht, die Monat für Monat neu vertröstet werden. Eine offenere Informationspolitik und mehr Transparenz stünden der Gemeinde, die gerade jetzt auf neue, engagierte Mitwirkende angewiesen ist, gut an.



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