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8. April 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 14 Ausgabe: Nr. 14 » April 8, 2011

Ein neues Gemeinde-Bistro

Nicole Dreyfus, April 8, 2011
Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich erhält ein fleischiges Restaurant unter ihrer eigenen Aufsicht. Das hat die Gemeinde am vergangenen Montag in der ausserordentlichen Gemeindeversammlung entschieden.

Ein viel gehörtes Statement am Montagabend in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) war: «Ich habe noch nie so viel über das Essen geredet und hatte so wenig davon». Doch das Ausharren hat sich gelohnt. Schon bald können in der neuen «Olive Garden»-Lounge im Gemeindehaus ein ICZ-Fitnessteller oder andere grössere oder kleinere Mahlzeiten bestellt und zu sich genommen werden. An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung wurde beschlossen, dass die ICZ wieder ein eigenes Restaurant erhält. Es soll ein modernes koscheres Bistro sein, das unter Aufsicht des ICZ-Rabbinats hauptsächlich ICZ-Mitglieder aber auch jüdische Touristen und Geschäftsleute ansprechen will.



Beste Qualität gewährleisten

Die Gemeindeversammlung zog sich in die Länge, denn obwohl die rund 220 anwesenden, stimmberechtigten Mitglieder transparent über die vier möglichen Gastronomiekonzepte, die zur Debatte standen (tachles berichtete), informiert wurden, blieben stets Unklarheiten. Viele Fragen mussten vom Vorstand oder von der sogenannten Expertengruppe beantwortet werden. Nach einigen Diskussionen und Klarstellungen wurde in einer mehrrundigen Abstimmung, dem sogenannten Cup-Verfahren, Variante gegen Variante ausgespielt, bis zum Schluss noch die Variante «Lounge mit kleinem fleischigem Angebot» und die Variante «Fleischiges Bistro» zur Wahl standen. Mit 109 gegen 62 Stimmen hat sich die Gemeinde schliesslich für ein Restaurant entschieden, in dem alle Mahlzeiten täglich frisch vor Ort zubereitet werden. Um beste Qualität zu gewährleisten, muss die hauseigene Produktionsküche allerdings erst noch eingebaut werden. André Bollag, Co-Präsident der ICZ, versicherte, dass zuerst ein passender Restaurantbetreiber gesucht werden muss: «Wir bauen nicht drauflos, sondern fangen erst zu bauen an, wenn wir auch jemanden gefunden haben, der in unser Konzept passt.»
Will heissen: Die ICZ führt das Restaurant und übernimmt die Personalkosten, und der angestellte Restaurateur muss sich an die vorhandenen Gegebenheiten anpassen. Denn man wolle nicht mehr die Fehler der Vergangenheit wiederholen, liess der Vorstand einstimmig verlauten. Deshalb wird dieser nun eine Kommission ins Leben rufen, die mit der Aufgabe betraut wird, den richtigen Restaurateur zu suchen. Zum jetzigen Zeitpunkt sei noch niemand in petto.

Ein eigenes Catering?

Finanziell getragen wird das ganze Projekt von der ICZ selbst, die Gemeindeversammlung hat auch den Antrag von 200 000 Franken für den Küchenbau und 148 400 Franken für die Betriebskosten auf das Jahr und 2011 pro rata angenommen. Es besteht kein Zweifel, dass der Verlust bei dieser Bistro-Variante voraussichtlich am höchsten und der Umsatz von den ICZ-Mitgliedern abhängig ist. Der Verlust liesse sich jedoch bei grösserem Umsatz am schnellsten reduzieren, wurde am Montagabend immer wieder betont. Ausserdem geht der Vorstand davon aus, dass mit einem Bistro die Ausbaumöglichkeiten beim Catering vergrössert werden. Ein eigenes Catering im Haus würde zusätzlich die koschere Catering-Konkurrenz auf dem Platz Zürich ankurbeln. Von dieser Idee ist auch André Bollag überzeugt, der mit dem Ausgang der Abstimmung zufrieden ist: «Es ist ein richtiger und mutiger Entscheid. Nun steht und fällt natürlich alles, ob auch unsere Gäste kommen. Wir bemühen uns um gutes Essen und das Publikum um gute Besucherzahlen.» In diesem Sinne: Bon Appétit!   



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