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21. Januar 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 03 Ausgabe: Nr. 3 » January 21, 2011

Ein schwarzer Fleck

Von Daniel Zuber, January 21, 2011
Der politische Einzelkämpfer Edouard Wahl engagiert sich für die Würdigung Max Emdens auf den Brissago-Inseln.

Seit über 60 Jahren gibt es auf den Brissago-Inseln im Lago Maggiore einen botanischen Garten. Bevor dieser entstanden ist, gehörten die Inseln dem Kaufhausbesitzer Max Emden (vgl. tachles 48/ 2010). Emden erwarb die Inseln im Jahr 1927 und errichtete auf der grösseren der beiden einen imposanten Palazzo. Im Juni des Jahres 1940 verstarb Emden sehr plötzlich an einem Herzinfarkt. Alleinerbe des väterlichen Vermögens wurde sein einziger Sohn Hans Erich Emden. Für nur 600 000 Franken verkaufte dieser die Inseln mitsamt den darauf errichteten Bauten im Jahr 1949 schliesslich an den Kanton Tessin, die umliegenden Gemeinden Ascona, Brissago, Ronco sopra Ascona, Locarno sowie den Schweizer Heimatschutz und den Naturschutzbund (heute Pro Natura).



Einspruch erhoben

Im letzten Jahr haben nun der Kanton Tessin und die anliegenden Gemeinden eine Vorlage präsentiert, welche vorsieht, die Inseln und die darauf befindlichen Bauten für etwa sechs Millionen Franken zu renovieren. Diese Vorlage hat der 87-jährige Edouard Wahl, welcher für die freie Liste Farsi coraggio im Gemeinderat von Brissago sitzt, zum Anlass genommen, auf einen schwarzen Fleck in der ganzen Geschichte hinzuweisen: das moralisch zweifelhafte Verhalten des Kantons, der besagten Gemeinden und Organisationen beim Kauf der Inseln.
Max Emden, der 1934 das Schweizer Bürgerrecht erhielt, erlebte nicht sonderlich viel Unterstützung von den hiesigen Behörden. So setzten diese sich nicht für ihn ein, als die Nazis durch sogenannte «Grundstücksentjudungen» einen grossen Teil seines Besitzes in Deutschland raubten. Nach Max Emdens Tod ging das Unrecht weiter. Die Schweizer Behörden weigerten sich Emdens Sohn Hans Erich die Schweizer Staatsbürgerschaft zu gewähren. Ausgebürgert von den Deutschen, blieb ihm keine andere Wahl, als nach Chile zu emigrieren. Noch vor seiner Emigration bat er um Erlaubnis, die Brissago-Inseln an Mary Lilian Baels, oder an Aga Khan III. verkaufen zu dürfen, was von den Schweizer Behörden abgelehnt wurde. Der Enkel von Max Emden, Juan Carlos Emden, sieht in diesem Vorgehen der hiesigen Behörden ein strategisches Komplott mit dem Ziel, Emden zum Verkauf der Brissago-
Inseln für die sehr geringe Summe von 600 000 Franken zu bringen. Hans Erich Emden war auf Geld angewiesen, nachdem er von den Nazis um den grössten Teil seines Erbes gebracht und staatenlos geworden war.

Kampf für Restitution

Seit Jahren kämpft Juan Carlos Emden für die Restitution verschiedener Besitztümer, welche die Nazis seinem Grossvater geraubt haben. Gegenüber tachles gibt er sich verbittert über die «Skrupellosigkeit und Geldgier», welche die Schweizer Behörden einem Menschen in Not entgegenbrachten. Auch Edouard Wahl stösst sich an dem heutigen Umgang der Behörden mit dem offensichtlichen Unrecht. Mit der geplanten Renovierung der Brissago-Inseln hat er nun endlich einen Anlass, sich für die nachträgliche Würdigung des Bauherrn Max Emden einsetzen zu können. Zwar wurde ein von ihm eingereichter Rekurs abgelehnt, die symbolische Restitution, welche zumindest in Form einer Gedenktafel auf den Inseln gefordert wird, ist jedoch noch nicht vom Tisch.   



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