Zeuge
Eigentlich wäre Julius Margolin in Sicherheit gewesen, denn der am 14. Oktober 1900 in weissrussischen Pinsk Geborene war 1937 nach Palästina ausgewandert. Doch unglücklicherweise besuchte Margolin seine alte Heimat 1939 kurz vor Kriegsausbruch und konnte nicht mehr zurückkehren. 1940 von der Geheimpolizei in Pinsk verhaftet, folgten für den in Berlin promovierten Philosophen bis 1946 Jahre unter härtesten Arbeitsbedingungen in verschiedenen stalinistischen Gulags. Nach der Rückkehr nach Palästina begann Margolin, seine
Erfahrungen niederzuschreiben. Doch sehr schnell musste er merken, dass viele
Politiker und Intellektuelle nichts davon hören wollten, dass der Mann, der bis vor Kurzem ihr Verbündeter im Krieg gegen Hitler gewesen war, selbst ein System von ungeheuerlicher Brutalität etabliert hatte. Lange vor Alexander Solschenizyns «Archipel Gulag» legte
Margolin Zeugnis über die Unmenschlichkeit ab. Sein Bericht liegt bis heute nur in einer Übersetzung («Voyage au pays des Ze-Ka») vor,
herausgegeben vom Verlag Le Bruit du temps. Julius Margolin starb vor 40 Jahren am 21. Januar 1971.


