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7. Januar 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 52 Ausgabe: Nr. 52 » January 7, 2011

Quo vadis jüdische Erziehung?

von Valerie Wendenburg, January 7, 2011
Quo vadis jüdische Erziehung? Die Israelitische Gemeinde Basel hat nun eine zweite Task Force ins Leben gerufen, die mögliche Wege in die Zukunft für die Jüdische Primarschule Basel suchen soll. Die aktuelle Situation wirkt nach aussen wie ein Déja-vu, da die Situation seit nunmehr vier Jahren unverändert scheint – abgesehen davon, dass die Existenz der Schule nun offenbar tatsächlich auf dem Spiel steht.
Die wahl der richtigen Schule. Für viele Eltern gibt es keine Alternative zur Jüdischen Primarschule Basel

Die Gemeindemitglieder der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) werden nun nicht, wie vorerst angekündigt, in der Generalversammlung am 17. Januar über die Zukunft der gefährdeten Jüdischen Primarschule (JPS) informiert. Vielmehr wird das Thema in das Frühjahr hinein verschoben, da sich erneut eine Task Force mit der Situation der Schule befassen will. Die erste Task Force zur Rettung der JPS wurde im Jahr 2007 eingesetzt; schon damals war die Situation bedenklich und die Schule erhielt aufgrund der angespannten finanziellen Situation eine einmalige Spende von 100 000 Franken aus Legaten des Vereins La Charmille. Die Ergebnisse der ersten Task Force wurden der Öffentlichkeit bislang nicht präsentiert, konkrete Pläne über die weitere Existenz der Institution, die in diesem Jahr ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert, gibt es nicht.
Die Annahme der Schulreform Harmos stellt laut JPS-Präsidentin Iris Sobol ein Problem dar, da sich die Primarschulzeit von vier auf sechs Jahre verlängert (vgl. tachles 40/10 und 46/10). Auch der IGB-Vorstand betont in seinem Schreiben vom 17. Dezember 2010, dass die Harmonisierung der Schulsysteme die JPS vor eine «sehr schwierige Aufgabe stellt». Nun sollen erneut die «aktuelle Situation analysiert» und «mögliche Wege für die Primarschule gesucht» werden. Es heisst, die Task Force wolle sich «in einem ersten Schritt ein Bild über die Situation machen und die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten evaluieren». Im Frühjahr soll die Gemeinde über die Ergebnisse der Task Force informiert werden – eine Gemeindeversammlung ist nach Informationen von Gemeindepräsident Guy Rueff nicht geplant. Allen Mitgliedern der IGB wird aber heute zugesichert, dass die JPS wie gehabt bis zum Sommer 2012 weitergeführt wird – allfällige Neuerungen sollen erst dann eingeführt werden.
Unlösbare Probleme?
Offenbar werden Gespräche mit der Privatschule Minerva geführt, was bedeuten könnte, dass die JPS in eine private Primarschule integriert werden würde. Auch eine Integration in eine öffentliche Primarschule scheint möglich – neben der wohl von allen Beteiligten favorisierten Möglichkeit, die Schule weiterzuführen wie bisher, was aber deutliche Mehrkosten für die IGB bedeutend würde, die die Schule zurzeit mit 150 000 Franken pro Jahr subventioniert (gemäss Budet 2010). Der Schulleiter der Minerva-Schulen Chris¬tian Straub äusserte sich wie folgt gegenüber tachles: «Wir sind so verblieben, dass Iris Sobol Sie informieren wird.» Sowohl Iris Sobol als auch der Vorstand der IGB haben sich gegenüber tachles aber trotz mehrerer Nachfragen nicht zum Thema geäussert, da erst eine Sitzung der Task Force am Dienstag, 11. Januar, abgewartet werden soll. Nach diesem Treffen werden Vertreter der Task Force, die vornehmlich aus IGB-Mitgliedern zusammensetzt ist und keinen Bildungsexperten ausweist, Ergebnisse kommunizieren. Eine Lösung muss schnell gefunden werden, dies schreibt auch Hans Georg Signer, Leiter Bildung des Erziehungsdepartements Basel-Stadt auf Nachfrage: «So wie sich die Staatsschulen an die von der Politik beschlossenen Umstrukturierungen anpassen müssen, müssen sich auch die Privatschulen auf den Weg machen, um die auch für sie geltenden neuen gesetzlichen Bestimmungen anzupassen.» Er betont weiter: «Auf Wunsch bietet das Erziehungsdepartement gerne Beratung an. Wir haben noch von keiner Privatschule Hinweise auf unlösbare Probleme erhalten.»
Keine Alternative
Die problematische Situation der JPS wird durch Harmos verschärft, sie existiert aber seit Jahren. Dies ist auch den Eltern klar, die ihre Kinder der Schule anvertrauen. Eine Mutter, die ihren Namen nicht nennen möchte, betont gegenüber tachles, dass sie sehr beunruhigt über die aktuelle Situation sei, aber darauf hoffe und vertraue, dass die Schule erhalten bleibe. Die Rektorin und die Lehrerinnen würden «tolle Arbeit» leisten und der Unterricht sei sehr gut. Ihrer Meinung nach hätten die Verantwortlichen aber früher nach Lösungen suchen sollen, anstatt so lange zu warten, bis die Existenz der Schule auf dem Spiel steht. Sie sagt: «Für viele Eltern gibt es keine Alternative zur JPS, die Kinder fühlen sich geborgen und wohl, und sie bekommen viel jüdisches Wissen vermittelt.» Sie wisse von Eltern, die ihre Kinder auch in den kommenden Jahren auf die Schule schicken möchten. Die Institution sei aus ihrer Sicht aus einer Gemeinde wie der IGB nicht wegzudenken – und ein wichtiger positiver Faktor für junge jüdische Familien, die nach Basel ziehen möchten.





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