«Stefan Raab der Schweiz»
Die Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein: Sie war bis zum 11. Dezember eine vergleichsweise unbekannte Sängerin – seit sich Anna Rossinelli aber bei der Schweizer Vorausscheidung zum 56. Eurovision Song Contest gegen ihre elf Konkurrenten hat durchsetzen können, wird sie europaweit in den Medien als «neue Lena» und als künftiger Star der Schweiz gefeiert. Entdeckt wurde Anna Rossinelli mit ihrer Band per Zufall vom Basler Komponisten David Klein: «Ich hörte, wie Anna mit ihrer Band in der Freien Strasse in Basel sang, und war sofort beeindruckt». Als er kurz darauf erfuhr, dass man sich neu selbst für den Eurovision Song Contest bewerben könne und die Kandidaten nicht wie bisher von einer Jury ausgewählt werden, rief er Anna Rossinelli an. «Sie sagte sofort zu. Also schrieb ich einen Song für sie und wir spielten ihn in meinem Wohnzimmer ein» so Klein. Eingegeben hat er den Song «In Love For A While» in letzter Sekunde. Selbst vom Erfolg des Lieds überwältigt, freut sich Klein, der sich in der Vergangenheit vor allem mit Jazz, Filmmusiken, der Vertonung von Gedichten und dem Album «My Marilyn» einen Namen gemacht hat. Gegenüber tachles betont er: «Ich bin vor allem stolz auf die Schweizer. Sie haben für einen guten Song gestimmt und sich nicht von den anderen Shows beeindrucken lassen.» In der Tat steht Anna Rossinelli eher unspektakulär in ihrem schwarzen Kleid auf der Bühne, ihre Stimme und ihr Song bestechen mehr als ihr Auftritt, mit dem sie nicht versucht, sich in die Reihe der Feuerwerk-Inszenierungen zum Eurovision Song Contest einzureihen.
Auf die Frage, was Anna Rossinellis Erfolg für David Klein persönlich bedeutet, sagt er schmunzelnd: «Na ja, plötzlich fühle ich mich wie der Stefan Raab der Schweiz.» Mit dem Unterschied, das Raab den Song, mit dem Lena in diesem Jahr für Deutschland siegte, gar nicht selbst geschrieben hat. Zudem hat David Klein im Vorfeld nichts unternommen, um Anna Rossinellis Image in der Öffentlichkeit aufzubauen. Die Tatsache, nun auch in der Brache der Unterhaltungsmusik zu Hause zu sein, ist für Klein überhaupt kein Problem. Er hält sich an den Grundsatz von Duke Ellington, der sagte: «Es gibt nur zwei Arten von Musik: gute und schlechte.» Klein legte sich bereits in der Vergangenheit auf keinen bestimmten Stil fest und sagt: «Ich mag jede Art von Musik, solange sie gut ist.» Mit dieser Einstellung war ihm der Erfolg bislang sicher. Der Song, den David Klein für Anna Rossinelli geschrieben hat, ist eingängig und hat zumindest das Schweizer Publikum überzeugt – nun gilt es, weitere Länder für die 23-jährige Neuentdeckung Anna Rossinelli mit «In Love For A While» zu gewinnen, damit sie sich und die Schweiz beim Eurovision Song Contest zum Erfolg singt.


