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3. Dezember 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 48 Ausgabe: Nr. 48 » December 3, 2010

Ein bisschen Liberalisierung

Von Andreas Schneitter, December 3, 2010
Seit bekannt ist, dass EasyJet ab Dezember von der Schweiz aus Tel Aviv anfliegen wird, haben Swiss und El Al ihre Preise markant gesenkt. Der Markeintritt des Billigfliegers bedeutet das Ende einer Tarifpolitik der hohen Preise, die jahrzehntelang durch ein Staatsabkommen legitimiert war.
KONKURENZ LAUERT Noch dominieren Swiss und El Al die Flugstrecken nach Israel, aber EasyJet ist auf dem Vormarsch

Am kommenden Sonntag, 5. Dezember, wenn kurz vor 8.00 Uhr der Flug 1191 von Basel nach Tel Aviv abheben wird, werden die «künstlich hoch gehaltenen Flugpreise» der Vergangenheit angehören, sagt Thomas Haagensen. Haagensen muss es wissen, er ist Verkaufsdirektor für Nordeuropa bei der Fluggesellschaft EasyJet Switzerland, und überall, wo EasyJet neue Linien anbietet, fallen bei der Konkurrenz die Preise.
Für die Flugstrecken zwischen der Schweiz und Israel heissen die Konkurrenten El Al und Swiss. Vor Bekanntgabe des Markteintritts von EasyJet vor wenigen Monaten bewegten sich die Standardtarife zwischen 600 und 700 Franken, seither sind sie um ein Drittel gesunken – bei El Al sind Retourflüge für 402 Franken zu haben, Swiss bietet One-Ways für 190 Franken an. «Wenn ein anderer Anbieter kommt, müssen wir reagieren. Bisher wurden diese Strecken nur von zwei Gesellschaften abgedeckt, da lohnt sich ein Preiskampf nicht, weil auf jede Preissenkung des Konkurrenten reagiert wird», sagt Jürg Schwarz von El Al Zürich. Und Sonja Ptassek, Sprecherin der Swiss, betont zwar, dass die Auslastung der Swiss-Flüge nach Israel weiterhin gut sei, allerdings werde nur ein Teil dieser Flüge tatsächlich in der Schweiz gebucht. In der Mehrzahl handle es sich um Passagiere aus europäischen Drittländern oder den USA, die via Zürich nach Tel Aviv fliegen. Auf diesen Strecken sei die Konkurrenz grösser, die Preise der Swiss daher vergleichsweise tiefer als bei Schweizer Buchungen.



Legale Absprache

Tatsache ist: El Al und die Swiss (als Nachfolgerin der Swissair) konnten 50 Jahre lang die Flugpreise zwischen den beiden Ländern künstlich hochhalten, denn der Markt war geschlossen. Im Luftverkehrsabkommen zwischen der Schweiz und Israel, das 1952 beschlossen wurde, steht, dass pro Vertragsstaat eine Luftverkehrsgesellschaft für den Betrieb der vereinbarten Linien bezeichnet wird, die sich wiederum über die
Tarifhöhe gegenseitig verständigen. Der freie Wettbewerb wurde damit bewusst und kartellrechtlich einwandfrei ausgesperrt. Das Kartellgesetz selbst sieht diese Einschränkung vor, sagt Carole Söhner-Bührer von der Wettbewerbskommission: Dabei handle es sich um Vorschriften, «die eine staatliche Markt- oder Preisordnung begründen oder die einzelne Unternehmen zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten. In den fünfziger Jahren stand wohl vor allem die Ermöglichung eines Flugverkehrs zwischen diesen Ländern durch die häufig staatlichen Fluggesellschaften im Vordergrund.» Nach die­ser Vorschrift wären El Al und Swissair legitimiert gewesen, sich über ihre Tarife abzusprechen: das Abkommen behielt bis ins neue Jahrtausend und auch nach dem Untergang der Swissair und der Gründung der Swiss im Jahr 2002 seine Gültigkeit.

Neues Abkommen

Zur Tarifverständigung geben beide Gesellschaften keine Auskunft. Allerdings dürften die Zeiten der Absprachen so oder so vorbei sein: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat 2006 begonnen, mit Israel das jahrzehntealte Luftverkehrsabkommen neu auszuhandeln. «Das Abkommen ist grundsätzlich ausgehandelt und wird in der Praxis bereits angewendet», sagt Anton Kohler vom BAZL. Weil «Detailfragen» noch Gegenstände von Diskussionen seien, könne das Dokument noch nicht öffentlich vorgestellt werden. «In ihm herrscht jedoch ein viel liberalerer Geist als im Vorgängerabkommen. Jetzt herrscht der freie Markt.»
Das stimmt nur bedingt. Tatsächlich sind die Monopolstellungen von El Al und Swiss aufgebrochen, was seit 2009 neuen Unternehmen den Markteintritt ermöglicht – aus Israel versuchte es die Gesellschaft Israir, die von Basel aus Tel Aviv anzufliegen begann und den nach Branchenkennern dilettantisch vorbereiteten Versuch nach sechs Flügen wieder abbrach, in der Schweiz wird nun EasyJet siebenmal pro Woche aus Genf und Basel Israel ansteuern. Weitere Gesellschaften werden vorläufig nicht nachziehen können, sagt Thomas Haagensen von EasyJet Switzerland: «Das neue Abkommen erlaubt statt bisher je einem nun zwei Unternehmen pro Vertragsland den Flugbetrieb.» Somit wird der Verkehr auf drei, höchstens vier Gesellschaften beschränkt bleiben. Ein gutes Geschäft für die bekannte Marke EasyJet, die auf dieser Strecke im Low-cost-Bereich wohl konkurrenzlos bleiben wird.




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