Religionen sind ihr Geld wert
Daniel A. Rothschild (Mitte), in der Diskussion
Die Studie «Dienstleistungen, Nutzen und Finanzierung von Religionsgemeinschaften in der Schweiz» wurde im Rahmen des Nationalfondsprojekts Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft (NFP58) vom Büro Ecoplan in vierjähriger Arbeit erstellt. Im Mittelpunkt standen die beiden grossen Landeskirchen, während Muslime und Juden punktuell erfasst wurden. Herausgegriffen wurden hier die jüdischen Gemeinden von Basel (IGB) und La Chaux-de-Fonds als Beispiele für öffentlich-rechtlich anerkannte und zum Einzug von Steuern berechtigte beziehungsweise eine auf freiwillige Beiträge angewiesene private Vereinigungen. Da-rüber hinaus wird festgehalten, dass das
religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Leben der Juden insbesondere in den
städtischen Zentren Zürich, Basel, Bern, Lausanne und Genf «sehr lebendig» sei.
Kantonale Unterschiede
Daniel A. Rothschild, in der Geschäftsleitung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds für Finanzen zuständig, erklärte als Mitglied der Begleitgruppe der Studie, für Juden sei es selbstverständlich, dass sie ihre Friedhöfe, Schulen und sozialen Dienste selbst finanzierten und so die Staatskasse entlasteten. Hingegen würden sie eine Beteiligung der öffentlichen Hand an den Sicherheitskosten erwarten, die allein für die IGB fünf bis zehn Prozent des Budgets oder rund 200 000 Franken pro Jahr ausmachten.
Bei allen Religionsgemeinschaften bestehen eklatante Unterschiede zwischen den einzelnen Kantonen. Während etwa die evangelisch-reformierte Kirche im Kanton Bern mit Einnahmen von rund 450 Franken pro Mitglied und Jahr rechnen kann, sind es bei der römisch-katholischen Kirche im Kanton Neuenburg nur 86 Franken. Im interkonfessionellen Vergleich an der Spitze steht hier die Israelitische Gemeinde Basel mit rund 2300 Franken pro Kopf.
Gegen Privilegierungen
Die Untersuchung zeige, dass die beträchtliche öffentliche Finanzierung der Landeskirchen ihren sozialen Dienstleistungen entspreche, fasste Projektleiter Michael Marti zusammen. Allerdings sei nicht zu begründen, weshalb die Landeskirchen gegenüber anderen Religionsgemeinschaften privilegiert werden; auch islamische, jüdische und freikirchliche Gruppen würden soziale Dienstleistungen erbringen, deren finanzielle Unterstützung der Staat prüfen könnte.
Michael Marti , Eliane Kraft, Felix Walter: Dienstleistungen, Nutzen und Finanzierung von Religionsgemeinschaften in der Schweiz, Bern 2010.


