Schule vor dem Aus?
Es ist seit Jahren ein offenes Geheimnis: Die finanzielle Situation der Jüdischen Primarschule Leo Adler (JPS) in Basel, die 1961 vom damaligen Rabbiner Leo Adler gegründet wurde und bald ihr 50-Jahr-Jubiläum feiern könnte, ist angespannt. Bereits 2007 wurde die Institution bereits mit einer einmaligen Zahlung von 100 000 Franken aus Legaten des Vereins La Charmille unterstützt, zudem wurde eine Task Force zur Rettung der Schule eingerichtet und eine baldige Lösung zugesagt. Diese muss nun dringend gefunden werden, da mit der Annahme der Schulreform HarmoS im Kanton Basel-Stadt nun noch ein äusserer Faktor zu den ohnehin vorhandenen Problemen gekommen ist, der die Verantwortlichen zu einer Entscheidung zwingt (vgl. tachles 40/10).
Ein Dilemma
Der Vorstand der JPS und seine Präsidentin Iris Sobol befinden sich in dem Dilemma, die Mehrkosten durch die Einführung von HarmoS nicht mehr tragen zu können, das jüdische Schulangebot aber erhalten zu wollen. In der Information des Vorstands heisst es: «Es besteht die Meinung, dass ein jüdisches Schulangebot für die Gemeinde von strategischer Bedeutung ist und langfristig für das Fortbestehen der Gemeinde entscheidend sein kann.» Angedacht wurden drei alternative Möglichkeiten, die an der Generalversammlung der IGB im Januar präsentiert werden sollen, über die aber an der GV des Schulvereins entschieden wird – wahrscheinlich in Anlehnung an die Voten aus der IGB, nicht zuletzt wegen allfällig nötigen Subventionen. Bei der GV der IGB wird es aus Sicht von IGB-Präsident Guy Rueff allenfalls um die Frage gehen, inwieweit die Gemeinde bereit wäre, ihre finanziellen Verpflichtungen zu erhöhen – bereits heute subventioniert die IGB die JPS mit 150 000 Franken pro Jahr gemäss Budget 2010.
Drei Varianten
Die erste mögliche Zukunftsvariante, die vom Vorstand der JPS in Erwägung gezogen wird, baut auf eine weitere und künftig höhere finanzielle Unterstützung durch die IGB. «Die IGB kann mit zusätzlichen Mitteln die Mehrkosten, welche durch Harmos entstehen, tragen», heisst es. Sollte diese Möglichkeit kein Wunschtraum bleiben, sondern Realität werden, könnte die JPS erhalten bleiben. Variante zwei sieht eine Integration der JPS in die öffentliche Primarschule vor. Der Unterricht jüdischer Fächer würde während des Religionsunterrichts der Neubadschule stattfinden (OS-Modell). An den beiden freien Nachmittagen könnten die jüdischen Schüler und Schülerinnen in der Gemeinde einen Mittagstisch erhalten und anschliessend weiter in den jüdischen Fächern unterrichtet werden. Variante drei fasst die Integration der JPS in eine private Primarschule ins Auge, es wurden bereits Abklärungen mit der Minerva gemacht. Hier bestünde die Möglichkeit einer Integration, der Stundenplan könnte angepasst werden. Offen ist bisher allerdings, wie die anfallenden Kosten der Varianten zwei und drei getragen werden könnten – ganz zu schweigen von den Mehrkosten, die bei Variante eins auf die IGB zukommen würden.
Die Uhr tickt
Für IGB-Präsident Guy Rueff ist klar, dass die Varianten Weiterführung und Privatschule teurer werden würden als eine Integration in die Primarschule Basel. Er betont, dass die IGB die jüdischen Fächer weiterhin subventionieren werde, und er fügt hinzu: «Ich persönlich hoffe, dass die Schule weiterhin in irgendeiner Form erkennbar bleibt, sei es als starker Nebenzweig der öffentlichen Schule oder weiter in einem privaten Rahmen». In welcher Form die JPS weitergeführt werden kann, ist heute ebenso offen wie vor drei Jahren – und auch die drei genannten möglichen Varianten sind noch nicht konkret. Iris Sobol verweist darauf, dass «detaillierte Informationen zu den Varianten und ihren Kosten» zu «gegebener Zeit» kommuniziert würden. Die Uhr tickt, denn das halbe Schuljahr 2010/11 ist fast verstrichen – und es geht nicht nur um die Zukunft der JPS, sondern auch um die Kinder, Lehrer und Eltern, die einst Vertrauen ist die Institution gesetzt haben und es ihr auch künftig schenken wollen.


