Diskussionen um Schule, Sicherheit und Jugendleitung
Es ist mittlerweile drei Jahre her, seitdem die Projektgruppe Sicherheit ihre Vorschläge innerhalb der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) vorgestellt hat – heute scheinen, nach zeitlicher Verzögerung auch aufgrund inhaltlicher Unstimmigkeiten innerhalb IGB, zumindest die technischen Details des mit 322 000 Franken budgetierten Projekts umgesetzt worden zu sein. Dennoch gelangt das Thema Sicherheit mit dem Rücktritt von Louis Bloch wieder in die Diskusion. Bloch, der innerhalb seines Berufslebens für die Sicherheit bei Manor verantwortlich zeichnete und heute noch beratend auf diesem Gebiet wirkt, habe sehr hohe Ansprüche, wie IGB-Präsident Guy Rueff gegenüber tachles betont. Er bedauere den Rücktritt und werde sich in den kommenden Wochen mit Bloch zusammensetzen, um Differenzen zu klären: «Ich würde mich freuen, wenn er seinen Entschluss rückgängig machen würde», so Rueff. Er könne die perfektionistischen Zielsetzungen Blochs gut nachvollziehen, so der IGB-Präsident, die IGB sei aber mit einem Unternehmen wie Manor nicht vergleichbar. Nach allen Verzögerungen laufe die Sicherheitsanlage nun, so Rueff, es gäbe wenig Reklamationen, weshalb auch allein kleinere Korrekturen angebracht werden müssten. Fakt ist, dass das Areal der IGB nun 24 Stunden überwacht wird, auch das Call-Center ist theoretisch jederzeit aktivierbar; jeder, der – in welcher Form auch immer – sein Unwesen auf dem Gelände der Gemeinde treiben will, muss nun damit rechnen, dass die Polizei sofort eingeschaltet wird.
Louis Bloch erkennt all dies an, er meint aber auf Nachfrage gegenüber tachles: «Sicherheit wird nicht nur durch eine gut funktionierende Technik garantiert.» Aus seiner Sicht ist das rund 30 Seiten umfassende Sicherheitskonzept über Verhalten in ausserordentlichen Situationen noch nicht ausreichend umgesetzt. «Sicherheit ist sehr komplex», erklärt Bloch, eine Schulung der IGB-Mitarbeitenden ist daher aus seiner Sicht unabdingbar, damit jeder Einzelne weiss, was man «im Falle eines Ereignisses» zu tun hat. Dieser inhaltliche Part des Konzepts sei ebenso wichtig wie die Technik, so Bloch. Abgeschlossen ist das Thema für ihn aber offenbar nicht, auch er spricht von einem erneuten gemeinsamen Treffen mit Guy Rueff.
Verschärfte Situation durch Harmos
Weniger konkrete Neuigkeiten als auf dem Gebiet der Sicherheit gibt es bisher von der Jüdischen Primarschule Leo Adler (JPS) zu berichten. Die Existenz der Schule ist nach wie vor gefährdet, zurzeit wird offenbar an einem Konzept gearbeitet, das Lösungsansätze zur Sicherung der Bildungsinstitution beinhaltet soll. Dies aber ist nicht neu: Die Präsidentin der Schule Iris Sobol präsentierte bereits im Dezember 2007 an einem extra einberaumten Orientierungs- und Diskussionsabend verschiedene gangbare Wege für die JPS. Berichtet wurde von Seiten der IGB seitdem nicht viel Neues – offenkundig ist aber, dass die Situation durch die im Kanton Basel-Stadt beschlossene Schulreform Harmos verschärft wird. So wird die Primarschulzeit im Kanton Basel-Stadt künftig nicht mehr wie bisher vier Jahre dauern, sondern sechs. Betroffen seien bereits die Kinder, die heute die erste und zweite Klasse der JPS besuchten, so Iris Sobol. Guy Rueff sagt: «Jeder, der die Zahlen kennt und rechnen kann, sieht schnell, dass die Kosten des ohnehin defizitären Betriebs um einen sechsstelligen Betrag wachsen werden.» Der Unterhalt der Schule betrug jährlich bislang 490 000 Franken. Die Institution wurde aufgrund der angespannten Lage bereits im Jahr 2007 mit 100 000 Franken aus Legaten des Vereins La Charmille unterstützt. Diese Zahlung war einmalig. Bis Ende 2007 sollte allerdings von einer extra ins Leben gerufenen Taskforce ein Weg gefunden werden, die Schule vor dem finanziellen Aus zu retten – bis heute wurde keine Lösung präsentiert. Ein neuer Sponsor, der, wie Iris Sobol im Dezember 2007 betonte, gefunden werden sollte, ist bisher nicht in Sicht.
Ein neues Schulkonzept
Die Bedeutung der traditionellen Institution für die IGB steht ausser Frage, die Schülerzahlen sind niedrig, aber konstant. Sobol, die bestätigt, dass die Leitung der Schule zurzeit nach verschiedenen Möglichkeiten Ausschau halte, die Weiterführung der Schule zu garantieren, betont: «Wir haben momentan 17 Kinder in der JPS, welche sich alle sehr wohl fühlen. Betreffend die Zukunft unserer Schule und die Einführung von Harmos kann ich keine Details geben. Ich kann aber sagen, dass wir mit Volldampf am Planen sind.» Nähere Informationen möchte sie nach aussen zurzeit nicht geben.
Guy Rueff verweist darauf, dass das neue Konzept, auf das sich auch Iris Sobol beruft, an der nächsten Generalversammlung präsentiert werden soll. In der Diskussion sei nach wie vor auch, die JPS in einen anderen Schulbetrieb zu integrieren, so Rueff. Man würde mit den städtischen Primarschulen abklären, ob der Schulbetrieb dort integriert werden könnte. Dies aber nur für den Fall, dass wirklich keine eigenständige Lösung mehr möglich wäre, betont der IGB-Präsident. Diese Idee ist alles andere als neu: Bereits vor drei Jahren wurden verschiedene Wege in die Zukunft der Schule präsentiert – unter anderem auch die Integration in eine andere Schule – und eine baldige Lösung zugesagt. Das Einzige, was aufgrund der dürftigen Informationen heute offenbar feststeht, ist, dass nach wie vor kein Sponsor gefunden wurde und nach wie vor offen ist, wie die Schule in den kommenden Jahren weitergeführt und finanziert werden soll.
Gespräche führen
Ebenso zurückhaltend, was die Informationen nach aussen angeht, zeigt sich Iris Sobol bei der Frage nach den personellen Unruhen der Jugendkommission, dessen Präsidentin sie ist. Nach der Neuwahl von Leonardo Leupin zum neuen Jugendleiter traten alle Kommissionsmitglieder geschlossen zurück (vgl. tachles 33/10), da sie sich für einen anderen Bewerber ausgesprochen hatten, der IGB-Vorstand ihr Anliegen aber nicht berücksichtigte. «Ich kann die Kommissionsmitglieder verstehen. Sie wurden übergangen», so Rueff, der als Präsident selbst nicht mitgestimmt hat und sich zu Personalentscheidungen grundsätzlich nicht äussern möchte. Er sagt nur, dass er mit beiden Bewerbern gut hätte leben können, mit der derzeitigen Situation aber zufrieden sei und über Leonardo Leupin nach den ersten Wochen seiner Amtszeit ausschliesslich positives Feedback erhalten habe. «Nach den ersten 100 Tagen werden wir ein erstes Resümee ziehen», so der IGB-Präsident. Die Jugendkommission ist nach wie vor unbesetzt, um neue Mitglieder muss sich Iris Sobol kümmern, die, so Rueff, Gespräche mit Interessierten führt und in naher Zukunft zwei bis drei neue Kommissionsmitglieder präsentieren wird.


