Wenig Komplimente für Israel
Der jüngste Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dessen Zahlen sich auf die Jahre 2007 und 2008 beziehen, vergleicht die von jedem Land für die Bildung ausgegebenen Gelder sowie das Funktionieren der verschiedenen Erziehungssysteme. OECD-Mitgliedstaaten wird auf diese Weise Gelegenheit geboten, sich mit anderen Staaten zu vergleichen.
Niedrige Ausgaben in Israel
Im Jahr 2007 hat Israel pro Kindergartenkind 3631 Dollar ausgegeben, 5060 Dollar für jeden Primarschüler und 5741 Dollar für jeden Hochschüler. Die vergleichbaren OECD-Durchschnittszahlen lauten: 6741, 5447 und 8257 Dollar. In den Jahren 1995 bis 2007 nahmen die Ausgaben pro israelischen Schüler um acht Prozent zu, während der internationale Durchschnitt um wesentliche 42 Prozent anzog. Dabei gehört die Zahl der israelischen Hochschulabsolventen zu den höchsten im ganzen OECD-Raum. Der Anteil der Israeli mit Hochschulausbildung liegt unter den 25- bis 44-Jährigen bei 44 Prozent. Nimmt man die Situation aber etwas genauer unter die Lupe, zeigt sich, dass Israel zu den wenigen Staaten gehört, in denen in der Altersgruppe 25–34 der Anteil der Menschen mit höherer Ausbildung (akademische und Berufsausbildung) niedriger ist als jener der Gesamtbevölkerung.
«In der Vergangenheit», schreibt Professor Ruth Klinov von der Hebräischen Universität, welche die Resultate der Studie analysierte, «absorbierte Israel Immigranten, die in ihren Ursprungsländern ihre höhere Ausbildung erworben hatten. Der Beitrag dieses Segments zur Bildung der israelischen Bevölkerung nimmt ab, und das Land wird zunehmend unter dem Einfluss seines lokalen Bildungswesens stehen.» Während die meisten Staaten den Anteil der Menschen mit einem höheren Bildungsgrad steigerten und der Prozentsatz der weniger Ausgebildeten sinke, verändere sich die Situation in Israel laut Klinov nicht.
Fehlende Gelder im Bildungssystem
Der Bericht mit dem Titel «Bildung 2010 auf einen Blick» zeigt auch, dass in Israel die Klassenzimmer stärker belegt sind als anderswo in der entwickelten Welt: Liegt in Israel der Durchschnitt in den Klassenzimmern der Primarschulen bei 27,6 und in den Gymnasien bei 32,5 Schülern, registrierte die OECD Vergleichswerte von 21,6 und 23,9. Wie schon in vergangenen Jahren blieben auch im Berichtsjahr die Lehrerlöhne in Israel weit hinter denen ihrer Kollegen in anderen OECD-Staaten zurück. Der Jahreslohn eines israelischen Primarschullehrers mit 15 Jahren Berufserfahrung betrug 2008 19 868 Dollar. Das ist weniger als die Hälfte des OECD-Durchschnitts von 39 426 Dollar. In den Unter- und Oberstufen der israelischen Gymnasien verdienten israelische Lehrer pro Jahr 22 410 Dollar, ebenfalls bedeutend weniger als in den OECD-Staaten (41 927 bzw. 45 850 Dollar). Das israelische Bildungsministerium macht geltend, dass sich viele der Daten der OECD, wie etwa die Lehrergehälter, auf die Zeit vor der Einführung des Bildungsreformprogramms in Israel beziehen. Trotzdem gibt Bildungsminister Gideon Saar zu, dass Israel immer noch weit davon entfernt sei, «alle Bedürfnisse des Bildungswesens» zu erfüllen. «Wir sind bestrebt», sagte er, «die nationale Prioritätenliste zu ändern, und der letzte Staatshaushalt beweist dies auch. Es ist aber schwer, mit den anderen Staaten zu konkurrieren, investieren diese doch sehr viel mehr als Israel in ihr Bildungswesen.»


