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22. September 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 38/39 Ausgabe: Nr. 38 » September 22, 2010

Eine neue Touristenstadt

Von Noam Dvir, September 22, 2010
Die Stadtverwaltung von Hadera entwickelt einen Plan zur Errichtung eines neuen Wohnviertels am Nordrand der Stadt entlang der Mittelmeerküste. Neben Wohngegenden soll das Viertel vor allem Hotels beherbergen. Etwas über die Hälfte des rund zwei Millionen Quadratmeter umfassenden neuen Geländes soll offenes Gelände bleiben.

Das neue Wohnbauprojekt von Hadera ist geplant für das Gebiet zwischen der Ortschaft Givat Olga und dem Kraftwerk Orot Rabin. Neben rund 10 000 Wohneinheiten und 1400 Hotelzimmern ist eine Strandpromenade von 2,5 Kilometern Länge vorgesehen. Das geplante Wohnviertel, das den provisorischen Namen Ir Yamim («Stadt der Meere») trägt, ist ein zentrales Element der ehrgeizigen Entwicklungspläne der Stadtverwaltung für den Immobiliensektor von Hadera. Nach Jahren der Stagnation beginnt der Liegenschaftenmarkt der Stadt das Interesse von potenziellen Wohnkäufern und Bauunternehmern zu wecken. Das widerspiegelt sich unter anderem in Immobilienpreisen, die in letzter Zeit um 30 bis 50 Prozent gestiegen sind. Das Projekt Ir Yamim soll nicht nur verschiedene Wohnoptionen eröffnen, sondern auch die Präsenz von Hadera im Tourismussektor bemerkbar machen.



Ein neuer urbaner Gesamtplan

Der Entwurf des Wohnviertels liegt in den Händen des Architekten Thomas Leitersdorf, der in der Ausschreibung neun andere israelische Architekturfirmen geschlagen hat. «Die Schlüsselfrage war», so meint Leitersdorf, «wie sich ein urbaner Plan zum Voraus dergestalt entwickeln lässt, dass touristische und Wohnzonen voneinander profitieren können». Er wolle, so betonte er, unbedingt eine Situation wie in der Tel Aviver Hayarkon-Strasse vermeiden, in der die Hotelfront praktisch vom Rest der Stadt getrennt sei. Das Projekt Ir Yamim ist Bestandteil des neuen Gesamtplans der Stadt Hadera, welcher der nationalen Planungs- und Baukommission unterbreitet worden ist. Zu anderen Projekten, in die Leitersdorf ebenfalls involviert ist, zählt ein ebenfalls Ir Yamim genanntes Wohnquartier in Netanya, ein Projekt am Südstrand von Eilat sowie ein Strandprojekt im afrikanischen Abidjan an der Elfenbeinküste.
Avishai Kimeldorf, Stadtarchitekt von Hadera und amtierender Stadtingenieur, sagt: «Eines der zentralen Ziele des Gesamtplans ist die Erschliessung von Hadera als Touristenstadt. Es ist denn auch kein Zufall, dass das israelische Tourismusministerium sich aktiv an jeder Planungsphase beteiligt.» Die Stadt habe, wie Kimeldorf hinzufügt, bereits Gelände für Hotels ausgezont, doch sei die Erschliessung dieses Geländes bisher nicht mit erhöhter Priorität verfolgt worden. Dabei mache der Standort von Hadera am Mittelmeer und von Parkland umgeben die Stadt attraktiv für Besucher.

Neue Hotels an der Küste

Es gibt noch einen anderen Aspekt des Plans, über den in der Öffentlichkeit aber viel weniger gesprochen wird: Der Konkurrenzkampf, der gegen das weiter südlich am Mittelmeer gelegene Netanya um Gelder des Touristikministeriums geführt wird. Derzeit verfügt Netanya über rund 1400 sowohl bei Israeli als auch bei Gästen aus dem Ausland gleichermassen beliebte Hotelzimmer. Auch Hadera will eine ähnliche Zahl Hotelzimmer errichten, verteilt auf sieben bis zehn neue Hotels. Laut Kimeldorf sei bereits eine Bewilligung für weitere 1000 Zimmer entlang der Meeresküste da. Der Plan bezwecke nicht, mit anderen zu konkurrieren, sondern wolle einzig Hadera als touristische Destination etablieren. Zudem seien die Tourismuspläne der Stadt nicht so dicht wie jene von Netanya. Vorgesehen ist zudem ein Shuttle-Bus-Dienst, der Touristen von einer Attraktion zur anderen fahren wird. Und schliesslich wurde auch mit Blick auf Gäste aus dem Ausland an die Errichtung eines Golfplatzes gedacht. Gemäss optimistischsten Prognosen sollen die ersten Gebäude im neuen Wohnviertel von Hadera in dreieinhalb bis vier Jahren stehen.



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