Der Verstand ist der Weg
Eine der wichtigsten Herausforderungen, denen sich die jüdischen Gemeinden heute in der westlichen Welt stellen müssen, hängt mit der Frage zusammen, wie man Frauen und Männer zwischen 20 und 30 Jahren dem Judentum nahe bringen und sie in die jüdischen Institutionen integrieren kann. Natürlich setze ich mich als Gemeinderabbiner mit diesem Problem aus der Sicht der Gemeinden auseinander. Dabei ist mir bewusst, dass es andere Kontexte als die Gemeinde gibt, in denen man seine jüdische Identität zum Ausdruck bringen kann.
Es gilt dabei, zunächst einige Grundbegriffe zu klären. Zunächst die Frage, ob die Identität eines Menschen nur von einem Erfahrungsprozess oder von einem Prozess abhängig ist, der von der Vernunft geleitet ist – oder ob es um eine Kombination von beidem geht. Und welcher Prozess geht dem anderen voraus? Zweitens ist der Frage nachzugehen, ob es die theologische Erklärung ist, die vernunftgemäss geordnete logische Lehre, die dem Einzelnen zu einer Identität verhilft, oder ob es Erfahrungen sind, Erlebnisse. Die steigende Zahl von Konvertiten zieht die Frage nach sich, welchen Platz diese Proselyten einnehmen sollen und ob die jüdische Identität dabei eine Stärkung oder eine Schwächung erfährt. Wie sollen wir mit den Konvertiten umgehen? Eine zusätzliche Frage ist, ob eine jüdische Gemeinde zu warten hat, bis die Juden sich ihr anschliessen, oder ob sie aktive Öffentlichkeitsarbeit betreiben soll, um die eigenen Reihen «aufzufüllen» und dabei etwas Positives für die Juden und das Judentum zu leisten.
Judentum und westlicher Individualismus
Eines der grössten Probleme der westlichen Gesellschaft heute ist die Fixierung auf das Individuum, und dass dessen Befriedigung und Selbstverwirklichung zum Mass aller Dinge erhoben wird. In dieser Hinsicht sind wir heute nicht mehr Befreite durch die Französische Revolution, sondern Gefangene einer Ideologie, die den Lebensstandard an den Genussmöglichkeiten jedes Einzelnen misst. Die Definition der Freiheit nach dem Motto «Ich kann tun und lassen, was ich will, solange ich keinen anderen dadurch störe» trägt ja im Grunde einen kleinbürgerlichen Charakter. Das Motto gründet auf dem freien Markt, in dem ein Geben und Nehmen herrscht. Entscheidungen im Leben sind in erster Linie persönliche Entscheidungen. Dies kommt bereits bei unseren Weisen zum Ausdruck: «Er (Hillel) pflegte zu sagen: Wenn nicht ich für mich bin, wer ist dann für mich? Und wenn ich für mich selbst bin, was bin ich dann? Und wenn nicht jetzt, wann dann?» (Sprüche der Väter, 1:14). Dieser Ausspruch kann auf viele Arten gedeutet werden. Es scheint zunächst, dass eine Entscheidung, die man in den Angelegenheiten des eigenen Lebens trifft, in erster Linie von einem selbst, eben von der eigenen Entscheidung, der Erkenntnis der eigenen Möglichkeiten und Begrenzungen abhängt.
Offen bleibt dann die Frage «Und wenn ich für mich selbst bin, was bin ich dann?». Besteht mein Ich aus meinem ganzen Selbst, mit der Individualität, die in mir ist? Und wenn ich mein Selbst erkenne, meine Persönlichkeit, mein Selbst, das heisst mein Wesen – was ist dann mein Ursprung? Wenn ich ganz der Beschäftigung mit mir selbst unterworfen bin, beschäftige ich mich auch mit der Frage «Was bin ich?» und finde heraus, dass auch ich selbst aus unterschiedlichen Komponenten zusammengesetzt und von ihnen beeinflusst bin: Erinnerungen aus der Kindheit, aus der Schulzeit und von sonstigen unterschiedlichen Erfahrungen.
Die jüdische Antwort auf die Frage «Und wenn ich für mich selbst bin, was bin ich dann?» lautet, dass ich entdecke, dass auch mein Ich aus Einflüssen von aussen zusammengesetzt ist. Einflüssen, denen ich von meinen Eltern her ausgesetzt war oder die von anderen auf mich zugekommen sind, angefangen von Lehrern und Freunden bis zu den Menschen der Umgebung, in der ich lebe. Diese Erkenntnis passt zur Lehre des Chassidismus: «Wenn du nicht du gewesen bist und ich nicht ich gewesen bin, dann bist du nicht gewesen, und ich bin auch nicht gewesen.» Das Ich eines Menschen kommt durch seinen Nächsten zur Selbsterkenntnis, die persönliche Identität entsteht durch Begegnungen mit dem Anderen.
Gemäss eines kurzen und wundervollen Segensspruchs, der nach dem Trinken von Wasser und dem Genuss einer Frucht gesagt wird, gründet die Schöpfung auf zwei Grundsätzen. Alles Geschaffene ist auf eine Vervollständigung angewiesen, die mit Hilfe eines anderen Geschaffenen geschieht, das Andere, das das Ich vervollständigt. Und so lautet dieser Segensspruch: «Gesegnet seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du viele Seele geschaffen hast und miterschaffen hast, was ihnen fehlt, und sie belebst durch alles, was du geschaffen hast, du Leben aller Zeiten» (babylonischer Talmud, Traktat Berachot 37a, 44a). Die jüdische Tradition unterstützt den Menschen in seiner Individualität – im Reformjudentum handelt es sich dabei um einen Grundansatz. Doch auf dialektische Weise macht das Judentum auch darauf aufmerksam, dass das Selbst des Menschen von seiner Erkenntnis über den Anderen und der Begegnung mit diesem herrührt.
Der Prozess der menschlichen Identitätsfindung
Die Selbsterkenntnis hängt demnach vom Anderen ab. Wenn der neugeborene Säugling hungrig wird und seine Nahrung von einem anderen Menschen erhält, wird seine Abhängigkeit von fremder Hilfe deutlich. Wenn er sie nicht bekommt, beginnt er zu schreien oder zu weinen. Später lernt er, seine Bedürfnisse durch Zeichen und allmählich auch sprachlich auszudrücken. Das Physische und das Psychische sind dabei eine untrennbare Einheit. In dem Moment, in dem die Unterscheidung zwischen Seele und Körper beginnt, tritt ein zusätzlicher Faktor hinzu, den wir «Ich» nennen, und hier lernt zuerst der Säugling, dann das kleine Kind und später der Erwachsene, in welchem Masse er auf den Anderen angewiesen ist. Es entsteht eine Spannung zwischen der Bewahrung des Ich und der Verbindung mit dem Anderen, der Herstellung einer Brücke zu ihm. Hier müssen wir klar und deutlich sagen, dass das Judentum die Vorstellung einer «splendid isolation» nicht unterstützt. Es ist bekannt, dass der Mensch manchmal eine Zeit «süsser Einsamkeit» braucht, um seine Vorratskammern aufzufüllen. Sogar Mosche musste, nachdem er auf dem Berg Sinai zwischen Gott und dem Volk vermittelt hatte, 40 Tage und 40 Nächte allein auf dem Berg bleiben. Doch das Ziel dieser Einsamkeit kommt in den Begegnungen zum Ausdruck, die Mosche danach mit dem Volk Israel hatte. Die persönliche Identität entsteht durch die Begegnung mit dem Du, mit dem Nächsten, mit dem Anderen.
Der Prozess der menschlichen Identitätsfindung geschieht in erster Linie auf der Ebene der Erfahrung; erst nachträglich findet eine Akzentuierung und Kräftigung durch den Verstand statt. Weil wir es in der Bewegung des Reformjudentums mit Menschen zu tun haben, die sich nicht zwangsläufig in einem jüdischen Rahmen bewegen, müssen wir ihnen heute eher jüdische Erfahrungen anbieten, als von Theologie oder der liberaljüdischen Weltanschauung zu reden – nach dem Motto des Propheten Jeschajahu: «Ihr Durstigen alle, kommt zum Wasser!» (Jes. 55:1). Der Anfang dieses Verses ist klar und deutlich: Es handelt sich um einen Aufruf an Leute, die durstig sind. Aber wonach dürstet sie? Traditionellerweise würde man die klassisch-jüdische Antwort geben, dass das «Wasser» die Thora meint.
Wir müssen uns unserer jüdischen Zielgruppe zuwenden und attraktiv sein, nicht mit einer «wohlgeordneten Lehre», sondern durch die Erfahrungen des Schabbats, der Feste und des jüdischen Lernens und durch das Aufzeigen der verschiedenen Möglichkeiten. Wenn sie Jüdinnen und Juden nicht erreichen, sollten wir sie erreichen – solange wir davon überzeugt sind, einem Durstigen gegenüberzustehen.
So, wie die menschliche Erfahrung des «Ich» und des «Du» in erster Linie gefühlsmässig und nur in zweiter Linie rational ist, sollten auch wir zunächst emotionale Erfahrungen anbieten, ohne viele Zeremonien. Wir sollten uns das Beispiel des Wassers und des Brotes zunutze machen. Ich meine damit gemeinsame Mahlzeiten an Schabbat und an Festtagen, bei denen durch das gemeinsame Essen, das Lernen, die Musik, den Tanz und die gemeinsame Beschäftigung mit Kunst ein Zusammengehörigkeitsgefühl und die Empfindung entsteht, dass man einander braucht. In einem weiteren Schritt können wir denjenigen, die sich für eine geordnete Lehre, für das Gebet, für die Bereicherung ihres Lebens interessieren, die Programme unserer Synagogengemeinde anbieten.
Doch wir sollten uns bewusst sein, dass es nicht unsere Absicht ist, das Gefühl der Individualität des Einzelnen zu brechen, sondern die Einsamkeit zu besiegen, in der viele gefangen sind und in der die Beziehung zum Nächsten von der Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse abhängt. Zum Letzteren muss deutlich und energisch gesagt werden: Dies ist unmoralisch, und es handelt sich um Ausbeutung, auch wenn der Nächste bereit ist, sich ausbeuten zu lassen, oder wenn er in seinem Innern sagt, dass er sich die Ausbeutung gefallen lässt, so wie er selbst den anderen ausbeutet. Auch eine gegenseitige Ausbeutung ist unmoralisch und unmenschlich. Doch mehr als das: Ich existiere ja nicht nur und habe ein Bewusstsein nicht nur, weil ich denke, sondern vor allem, weil es einen Anderen gibt, der das ausfüllt, was mir fehlt. Wir ergänzen uns nicht nur gegenseitig in der geschaffenen Welt, sondern der Schöpfer und seine Geschöpfe sind durch einen Bund miteinander verknüpft, der sie verpflichet, zu geben und zu empfangen. Das jüdische Volk ist seit seiner Entstehung ein Zeuge dieses Bundes, und die Bibel ist ein jüdisches Buch voller Sinn, durch ihr blosses Dasein eine Quelle der Inspiration für die westliche Kultur.
Der Umgang mit Mischehen
Der Ausdruck «Mischehen» wurde ursprünglich dann verwendet, wenn zwei Partner unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit sich entschieden, gemeinsam eine Familie zu gründen. Interreligiöse Ehen gibt es seit Napoleon. Der französische Kaiser war an Mischehen interessiert, weil er die jüdische Minderheit in die französische Gesellschaft «hineinassimilieren» wollte. Deshalb berief er 1806 eine grosse Versammlung von Notabeln ein («grand sanhedrin», eine Versammlung von 71 Repräsentanten des Judentums, entsprechend der Anzahl der Sitze im Sanhedrin zur Zeit des zweiten Tempels, wobei dieser französische Sanhedrin im Gegensatz zum antiken 46 Rabbiner und 25 Laien umfasste) und stellte ihnen zwölf Fragen bezüglich der Eheschliessung, der rabbinischen Autorität und der Loyalität dem Staat gegenüber. In der dritten Frage ging es darum, ob die jüdischen Gesetze Mischehen zwischen Juden und Christen erlaubten. In der Vollversammlung des Sanhedrin gab es darüber eine erregte Diskussion. Die Anwort lautete, dass Ehen mit Götzendienern nach jüdischem Recht verboten sind, die Völker des modernen Europas aber keine Götzendiener seien. Dennoch widersetzten sich die Rabbiner den Mischehen, weil in einem solchen Fall keine jüdische Ehe («kidduschin») möglich ist, ebenso wie katholische Priester in einem parallelen Fall ihren Segen zu einer Mischehe verweigern würden. Immerhin waren die Rabbiner der Meinung, dass ein Jude, der eine Christin geheiratet hat, dadurch nicht aufgehört hat, ein Jude zu sein, ebenso wie ein Jude, der eine Jüdin nur nach bürgerlichem Recht (ohne rabbinische Trauung mit Baldachin und «kidduschin») geheiratet hat.
Das Problem der Assimilation ist in der Zwischenzeit nicht geringer geworden und bedroht die Existenz des jüdischen Volkes. Freilich besteht das jüdische Volk nicht nur aufgrund von Statistiken, die man andererseits aber auch nicht vernachlässigen darf. In den meisten westlichen Ländern beträgt die Quote der Mischehen 50 Prozent. Dieses Phänomen besteht nicht erst seit 200 Jahren. Die Frage ist nur, wie wir uns diesem Phänomen gegenüber verhalten. Fakt ist, dass die Zahl der Mischehen ansteigt. Bei interreligiösen Verbindungen legt der jüdische Partner in aller Regel keinen Wert auf die Einhaltung der Gebote, die Heiligung des Schabbats, die Einhaltung der Feste, auch wenn er der Schicksalsgemeinschaft des jüdischen Volkes emotional verbunden ist. Beim christlichen Partner ist in der Regel keine ausgeprägte christliche Frömmigkeit zu vermuten; häufig handelt es sich um Menschen, die die Kirche verlassen haben oder nur auf dem Papier Christen geblieben sind. Wenn sich ein solches Paar an eine jüdische Gemeinde wendet, muss man an all die Paare denken, die diesen Schritt nicht tun. Wir müssen denjenigen Frauen und Männern, die bereit sind, mit uns zu gehen, dankbar sein, wie es der Prophet Jeschajahu gesagt hat: «Und die Fremden, die sich dem Ewigen zugewandt haben, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben, damit sie seine Knechte seien, alle, die den Schabbat halten, dass sie ihn nicht entheiligen und die an meinem Bund festhalten, die will ich zu meinem heiligen Berge bringen» (Jes. 56:6).
Eine demokratische Diktatur
Die Botschaft, die vom religiösen Judentum, besonders von den alternativen Strömungen wie der konservativen Bewegung oder der Reformbewegung, ausgehen muss, ist, dass die Trennung von Staat und Religion nicht nur ein «demokratisch-säkulärer Wert», sondern auch ein «religiöser Wert» ist. Wenn die Religion zu einem Teil des Herrschaftssystems wird, strebt sie nach Macht und Einfluss. Sie verschmilzt mit der herrschenden Kraft, mit der staatlichen Administration, und trachtet danach, Einfluss zu gewinnen und die Macht zu behalten. Priester werden zu Politikern, und es entsteht eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen der exekutiven und der religiösen Behörde. Die Zerstörung beider jüdischer Staaten in den Epochen des ersten und des zweiten Tempels (586 v. d. Z. und 70 n. d. Z.) rührte von der Blindheit her, die die Staatsführung in Folge einer unheilvollen Verstrickung von Staat und Religion befallen hatte. Kann eine religiöse Behörde vor gesellschaftlichen Prozessen im Kleinen und politischen Prozessen im Grossen die Augen verschliessen? Natürlich nicht, sonst würde sie zu einem blossen Ritualverein. Die Funktion der Religion besteht aber darin, dass sie unüberhörbar ihre Stimme erhebt, dass sie kritisiert und ermutigt. Ein aktiver Glaube bedeutet, eine prophetische Stimme in der Gesellschaft zu sein, die Stimme der Moral und des Nachdenkens, eine Stimme, die dem Einzelnen wie der Gesellschaft ein Ziel vorgibt. Im Lichte dieser Vision ist immer zu fragen, ob das tägliche Leben uns dem näherbringt oder uns davon entfernt. Der religiöse Mensch ist ja in die Gesellschaft verwickelt. Er kann sogar Mitglied in der einen oder anderen Partei sein. Die religiösen Institutionen müssen Kritik oder Unterstützung zum Ausdruck bringen, aber sie dürfen nicht Anteil haben an der politischen Gewalt, sie dürfen nicht selbst zu einer Partei werden, die religiöse Interessen vertritt, die von Theologen, Priestern, Rabbinern oder muslimischen Theologen formuliert werden. Natürlich ist es möglich, sogar erwünscht, dass Gruppen mit einer bestimmten religiösen Anschauung versuchen, auf das gesellschaftliche Leben Einfluss zu nehmen. Das führt dann dazu, dass andere Gruppen ihre – ähnlichen oder entgegengesetzten – Ideen und Vorschläge formulieren müssen.
Eine Gesellschaft, in der eine «prophetische Stimme» fehlt, kann leicht zu einer demokratischen Diktatur werden. Denn die an der Macht befindliche Partei pflegt nicht jedes Jahr selbst zu überprüfen, wo sie vielleicht einen falschen Weg eingeschlagen hat und wo es gilt, die politische Führung zu verbessern. Die Selbstkritik beginnt erst dann, wenn sie die Macht verloren hat und in die Opposition gewechselt hat. Oft hätte sie die zentrale Frage stellen müssen, warum sie es nicht geschafft hat, ihre Botschaft «durchzubringen»: «Haben wir uns nicht vielleicht in unserer Botschaft geirrt?»
Um die demokratische Gesellschaft in eine Balance zu bringen, muss der politisch-demokratischen Gewalt eine überwachende, aufrüttelnde, unterstützende Instanz zur Seite stehen, eine Instanz, die kompetent auf dem Gebiet der zwischenmenschlichen Beziehungen ist, auf dem Gebiet der Innen- und Aussenpolitik und auf dem Gebiet, in dem es um den Sinn des menschlichen Lebens geht.
Einen Dialog in Gang bringen
Eine liberale jüdische Gemeinde oder eine jüdische Reformbewegung muss sich dessen bewusst sein, dass die menschliche Identität und der Prozess der Identitätsgewinnung in erster Linie auf Erfahrungen beruhen. Diese Erfahrungen muss man unterstützen, man muss sie den Menschen immer wieder anbieten, im Lichte der jeweiligen zeitlichen und örtlichen Umstände. Die Gemeindevertreter müssen darauf hören, welches die Bedürfnisse des Einzelnen und der Gesellschaft sind, sie müssen Fragen stellen, persönliche Ausdrucksformen in der Gemeinde oder in alternativen Zusammenschlüssen unterstützen und einen Dialog in Gang bringen: einen Dialog mit gegenseitiger Wertschätzung, insbesondere dann, wenn man nicht einer Meinung ist. Natürlich brauchen wir auch eine «geordnete Lehre», doch diese Lehre hat ihren Platz erst, nachdem wir die Verbindung hergestellt haben und die innere Bereitschaft sowie Hunger und Durst nach dem vernunftmässigen Lernen eingetreten sind. «Sucht mich, und ihr werdet leben!», sagte der Prophet Amos (5:4). Und wir fügen hinzu: Mit den Erfahrungen und dem Verstand, die dem Menschen gegeben sind.


