Endlich auf Augenhöhe
«herablassenden Stil»
Im September 2009 schien das mehrjährige Gerangel um die Markierung der mittelalterlichen jüdischen Präsenz im Gebiet des heutigen Bundeshauses, die selbst den Bundesrat beschäftigte, zu einem guten Ende zu kommen: Eine illustrierte Informationstafel in Deutsch und Hebräisch wurde an der Fassade des Bundeshauses Ost angebracht. Doch wer die unscheinbare Tafel lesen wollte, musste sich niederducken, denn aus Gründen des Denkmalschutzes wurde sie unterhalb der Sandsteinfassade auf Kellerhöhe montiert (vgl. tachles 40/09).
Der Berner Künstler Daniel Ritter, welcher sich mit eigenen Projekten an der Diskussion beteiligt hatte, kritisierte den «herablassenden Stil gegenüber der jüdischen Bevölkerung» und entdeckte zudem mehrere Druckfehler im Text. «Sehr enttäuscht» erklärte sich auch Anne-Marie Guzman, frühere Präsidentin der Jüdischen Gemeinde Bern, welche die Verhandlungen mit den Behörden führte. Sie setzte sich mit Gustave Marchand, Direktor des Bundesamtes für Bauten und Logistik (BBL), in Verbindung und lieferte auch gleich einen Lösungsvorschlag: Die Tafel sollte auf einem Gestell im Boden verankert werden und so auf Augenhöhe lesbar sein. Die zuständigen Behörden von Bund, Kanton und Stadt stimmten zu, und Anfang Februar wurde die Tafel vorerst wieder entfernt. Im Mai werde sie wieder aufgestellt, liess der für den Text verantwortliche Armand Baeriswyl vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern damals verlauten. Doch als Baeriswyl im Juli von einem dreimonatigen beruflichen Auslandaufenthalt zurückkehrte, musste er «irritiert zur Kenntnis nehmen», dass die Tafel immer noch nicht stand, wie er gegenüber tachles erklärte.
Seine Abklärungen ergaben, dass es bei der Druckerei, welche die Druckfehler zu korrigieren hatte, zu Problemen gekommen sei. Und die Ferienabwesenheit der Sachbearbeiterin beim BBL führte zu einer weiteren Verzögerung. «Es ist zu hoffen, dass die Tafel im August montiert werden kann», sagte Baeriswyl Ende Juli.
Letzte Woche war es dann schliesslich so weit. Wie lange die Tafel dort stehen wird, ist allerdings ungewiss. Während einer geplanten drei Jahre dauernden Umgestaltung des dortigen kleinen Parks soll sie an die Bundesgasse gezügelt werden.


