Ein Schiff will kommen
Nur als Namen auf 60 Fähnchen wollen die jüdischen Blockadebrecher mit von der Partie sein, wenn wieder ein Schiff Kurs auf Gaza nimmt. Etwa zehn sollen Leuten aus der Schweiz gehören. Darunter ist der Zürcher Guy Bollag, der erklärt, nicht etwa Mangel an Mut zwinge zur Fähnchenaktion: «Das Schiff ist zu klein für so viele Menschen.» Zur Crew sollen jedoch auch Aktivisten gehören, sogar Prominenz, aber alle Details würden erst kurzfristig bekannt gegeben, vor allem das Datum und der Hafen, «aus Sicherheitsgründen», damit die israelische Marine nicht das Auslaufen behindern könne. Dieses Schiff hat nichts zu tun mit einem geplanten Schweizer Schiff nach Gaza (tachles berichtete), das dereinst Teil einer ganzen kleinen Flotte sein werde.
Segel setzen
Eine Pressemitteilung vom 15. September berichtet, beim jüdischen Schiff habe es viele Rückschläge gegeben, aber nun werde es «in den nächsten Tagen Segel setzen zur Überfahrt». Die Hauptorganisation liege seit Juni bei der englischen Gruppe Jews for Justice for Palestinians. Die Idee aber, so Guy Bollag, kam von der deutschen Gruppe der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost. Die Passagiere, steht in der Mitteilung, seien an Bord über eine bereits angegebene Satellitentelefonnummer erreichbar, aber «die Erfahrung früherer Überfahrten nach Gaza» habe gezeigt, dass Störungen nicht ausgeschlossen seien. Deshalb gibt es bereits drei Personen, die sich über ihre Mail-Adressen interviewen lassen, sofern die Interviews erst am Abreisetag publiziert würden. Ärger mag erregen, dass hier im Zusammenhang mit der Blockade von Gaza eine Verbindung zum Holocaust hergestellt wird: Alle drei hätten «Bezüge nach Deutschland durch den Holocaust», der eine von ihnen habe ihn sogar selber erlebt.
Protest gegen die Blockade
Finanziert wird das Unternehmen durch Spenden; die Kosten bleiben vorläufig ein Geheimnis. An Bord würden Güter wie Medikamente und Spielsachen transportiert, aber sie seien nicht die Hauptsache, so Bollag. Es gehe darum, gegen die Blockade zu protestieren. Für den vorhersehbaren Fall, dass die israelische Marine auch dieses Schiff aufbringt, was die Organisatoren erwarten, stehen auf der Homepage Prinzipien des passiven Widerstands. Man werde der Forderung, nach Ashdod abzudrehen, nicht Folge leisten, sondern eine Art maritimen Sitzstreik beginnen. Werde das Schiff abgeschleppt, werde niemand dabei Hand anlegen.


