Der Tourismus blüht
Das israelische Touristikministerium erwartet für das ganze laufende Jahr drei Millionen Feriengäste aus dem Ausland. Sollte diese Erwartung Wirklichkeit werden, dann wäre 2010 das bisher beste Touristikjahr in der Geschichte des Staates Israel.
Nach Angaben der israelischen Hotelvereinigung stieg im ersten Halbjahr dieses Jahres die Zahl der Hotelübernachtungen ausländischer Touristen im Vergleich zur selben Periode 2009 um 31 Prozent. Die Zunahme ist teilweise das Ergebnis der relativen Schwäche des letztjährigen Tourismusgeschäfts im Gefolge der Militäroperation «Gegossenes Blei» und der Weltwirtschaftskrise. Vergleicht man aber die ersten sechs Monate des laufenden Jahres mit der entsprechenden Periode 2008, dann musste die Anzahl der Hotelübernachtungen von Ausländern einen Rückgang von fünf Prozent hinnehmen. Ein anderes Bild bieten die israelischen Touristen: Im ersten Semester dieses Jahres nahm die Zahl ihrer Hotelübernachtungen um ein Prozent zu, verglichen mit den ersten sechs Monaten 2009, und auch im Vergleich mit 2008 ergibt sich ein Plus von drei Prozent.
Steigende Zahlen
Im ersten Habjahr des laufenden Jahres haben aus- und inländische Touristen total 9,9 Millionen Nächte in israelischen Hotels verbracht. Das sind 14 Prozent mehr als in der Vergleichsperiode 2009, wobei sich die Zahl von Ausländern und Israeli die Waage hält. Betrachten wir die Resultate nach Städten aufgeschlüsselt, dann stehen bei Ausländern die Wachstumsraten in Jerusalem und Tiberias (je 38 Prozent) beziehungsweise Tel Aviv (plus 37 Prozent) an der Spitze. Die Hotels am Toten Meer vermeldeten einen Zuwachs der Ausländerfrequenz um 33 Prozent, aber auch Nazareth (plus 17 Prozent) und Eilat (plus 15 Prozent) konnten zulegen.
Israelische Touristen haben andere Präferenzen: 63 Prozent aller von ihnen in Hotels verbrachten Nächte entfielen auf Eilat und die Region des Toten Meeres. Eilat konnte im ersten Halbjahr dieses Jahres 2,4 Millionen aller israelischen Hotelübernachtungen für sich verbuchen, gleich viel wie in den ersten sechs Monaten 2009. Die Hotels am Toten Meer mussten hingegen eine Einbusse von einem Prozent in Kauf nehmen. Bescheidenere Zuwachsraten bei israelischen Kunden registrierten in der Berichtsperiode Kibbuzhotels (plus 5 Prozent) und die Hotels in Jerusalem und Tel Aviv (je 2 Prozent).
Deutsche, Russen und Amerikaner
Die Aufwertung des US-Dollars in den ersten sechs Monaten 2010 wirkte sich zugunsten der israelischen Hoteliers aus, die ihre Tarife in der Regel an den Dollar anlehnen. Das garantiert ihnen höhere Einnahmen bei einer Aufwertung der amerikanischen Währung. In Tel Aviv und Jerusalem waren die Hotelzimmer im Durchschnitt am teuersten. So näherte sich das Jerusalemer Hotel David Citadel im August der 500-Dollar-Marke pro Übernachtung, und das Tel Aviver Carlton stellte für ein Deluxe-Zimmer mit Meeressicht 400 Dollar pro Nacht in Rechnung.
Nach Angaben von Ariel Rotstein von der Jerusalemer Hotelvereinigung erreichte die Belegrate in der Stadt im ersten Halbjahr dieses Jahres 67 Prozent, verglichen mit 51 Prozent im selben Zeitraum 2009. Die Belegrate für das laufende Jahr ist laut Rotstein aber immer noch niedriger als der Vergleichswert für 2008. Die Zimmerpreise sind, wie er erklärte, letztes Jahr in der Hauptstadt gesunken und haben inzwischen in den meisten Jerusalemer Hotels höchstens das Niveau von 2008 wieder erreicht. Die Tel Aviver Hotels registrierten in der Berichtsperiode eine Zunahme um 55 Prozent für Übernachtungen deutscher Gäste, ein Plus von 47 Prozent für russische Touristen und ein Plus von 33 Prozent für Amerikaner. Auch die Zuwachsraten britischer Touristen in Tel Aviv (plus 24 Prozent) und der Gäste aus Frankreich (plus 15 Prozent) können sich noch sehen lassen.
Dan-Hotels auf Erfolgskurs
Ganz besonders vom Zustrom profitiert hat die Dan-Hotelkette mit total 14 Hotels im ganzen Lande. Die Einnahmen der Gesellschaft lagen im zweiten Quartal des laufenden Jahren mit 271,5 Millionen Schekel um 39 Prozent über dem Ergebnis des letztjährigen Vergleichsquartals. Die Dan-Hotels beendeten das erste Halbjahr mit Einnahmen von 482 Millionen Schekel, 40 Prozent mehr als in der Vergleichsperiode 2009. Der Nettogewinn konnte gegenüber 2009 auf 65 Millionen Schekel mehr als verdoppelt werden.
Die von Alfred Akirov kontrollierte Alrov-Gruppe betreibt in Jerusalem die Hotels David Citadel und Mamilla. Auch diese beiden Häuser meldeten für die Berichtsperiode wachsende Einnahmen.
Laut Zahlen der Isrotel-Kette (mit zwölf Hotels in Israel) führte der inoffizielle israelische Boykott der Türkei – anders als erwartet – bislang nicht zu einem wesentlichen Zuwachs der Hotelübernachtungen in Israel. Die Kette, die sowohl bessere Einnahmens- als auch Gewinnzahlen für die Berichtsperiode meldete, hofft für nächstes Jahr auf noch bessere Ergebnisse.


