Bemühungen um ein legendäres Parfüm
Setzlinge der in den letzten zwei Jahren im botanischen Garten des Kibbuz Ein Gedi gezüchteten Balsampflanze gelten als erster Test für die Möglichkeit, den legendären Busch, der noch in der Periode des zweiten Tempels geblüht hatte, in die Region des Toten Meeres zurückzubringen.
Vor den Teilnehmern der Konferenz der Elad-Gesellschaft in der Jerusalemer Davidstadt beschrieben Zohar Amar und David Iluz von der Bar-Ilan-Universität ihre Forschungsarbeiten zur Bestimmung der Identität der Pflanze. Seit den siebziger Jahren kennt man diverse misslungene Versuche, diese Pflanze, von welcher man annimmt sie sei die Balsampflanze, im modernen Israel zu akklimatisieren. Im antiken Palästina war dieses Gewächs eine der wirtschaftlich wichtigen Pflanzen. Die Mitarbeiter des botanischen Gartens von Ein Gedi sind aber optimistisch, dass die gegenwärtigen Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden.
Eine Pflanze mit Geschichte
Die Pflanze wird Dutzende Male in antiken Quellen erwähnt, von der Bibel über den Talmud bis hin zu griechischen und römischen Schriften. Das beste im antiken Nahen Osten bekannte Parfüm wurde aus der Balsampflanze gewonnen, welche auch wegen ihrer Heilkräfte gefragt war. Die Balsampflanzungen in der Gegend des Toten Meeres unterstanden direkt der königlichen Kontrolle und die Methoden ihrer Zucht und Produktion waren ein streng gehütetes Geheimnis und ein machtvolles politisches Instrument. So wurden beispielsweise die Balsamhaine von Jericho zu einem Zankapfel zwischen Kleopatra aus Ägypten und Herodes, dem Grossen. Während der Bar-Kochba-Revolte im zweiten Jahrhundert entwurzelten jüdische Krieger die Pflanze, damit sie nicht den Römern in die Hände fallen würde.
Nicht nur war es, wie Amar und Iluz an der Konferenz ausführten, schwierig, die Pflanze zu züchten, sondern die Herstellung des Geruchstoffs erforderte auch eine ganz besonderes Gabe, wurde der Geruch doch aus einem Saft gewonnen, der sich rasch verflüchtigte und daher sofort aufgefangen werden musste, sobald die Rinde abgeschält war. Die Balsamproduktion ging zu Ende, als Importe aus dem Fernen Osten einsetzten. Nachdem die Muslime das Land im siebten Jahrhundert erobert hatten, wurden die kommerziellen Kontakte mit Asien ausgebaut und die lokalen Märkte mit billigen Parfümen förmlich überschwemmt.
Problematische Akklimatisierung
Die meisten Wissenschafter identifizieren den Balsam heute als afrikanische Art der Commiphora gileadensis oder
eine mit ihr verwandte Pflanze. Diese Identifizierung basiert sowohl auf der phonetischen Ähnlichkeit zwischen dem Namen der Pflanze im Jemen (Kataf) und ihren Namen im Talmud als auch auf der Beschreibung ihrer Eigenschaften in antiken Quellen.
Einen der ersten Versuche, den Balsam in der Region zu akklimatisieren, unternahm Yehuda Feliks Ende der siebziger Jahre. Durch einen prominenten arabischen Vermittler war es ihm gelungen, einige Balsampflanzen aus Saudi-Arabien zu erhalten, welche jedoch keine Wurzeln schlugen. Bei zwei weiteren misslungenen Experimenten wurden Samen aus Äthiopien und Saudi-Arabien benutzt. 2003 brachte Michael Avishai Samen aus England, aus welchen schliesslich die in Ein Gedi gepflanzten Setzlinge sprossen. Die komplexe Forschungsarbeit, die Amar und Iluz durchführten, beinhaltet botanische, archäologische und historische Elemente. Jetzt wird mit Hilfe des Personals des botanischen Gartens von Ein Gedi die Pflanze in der Hoffnung gezüchtet, dass man eines Tages das legendäre Parfüm wieder wird herstellen können.


